27. September 2018
27.09.2018

Warum ein Teil der Stadtmauer von Alcúdia auf Mallorca einstürzte

Verantwortlich ist ein Material, das vor 30 Jahren eingebaut wurde, heute aber nicht mehr benutzt wird. Jetzt geht es ans Aufräumen und Sanieren

27.09.2018 | 09:13
Regelrecht explodiert sei die Mauer, sagt Expertin Kika Coll.

Das Loch fällt sofort ins Auge. Die sonst so uneinnehmbar wirkende Stadtmauer von Alcúdia bröckelt an einer Stelle ganz erheblich, Dutzende große Steine liegen im Graben vor der Befestigungsanlage. Am vergangenen Montag (17.9.) war in vier Metern Höhe ein zehn Meter langes Stück der Mauer zum großen Teil in den Graben außerhalb der Altstadt gestürzt. Mehrere Steine fielen aber auch in die Fußgängerzone Camí de Ronda, wo glücklicherweise gerade niemand unterwegs war, sodass es keine Verletzten gab. Die Gefahr weiterer Einstürze sei unmittelbar, so warnten ein paar Tage später die Spezialisten des Inselrats.

Schuld an dem Unglück war nach ersten Erkenntnissen eine Verbindung aus heftigen Regenfällen und einer ungenügend ausgeführten Intervention an der Mauer vor etwa 30 Jahren. Die für Denkmalschutz und Kulturerbe zuständige Dezernentin im Inselrat Mallorca, Kika Coll, erklärte gegenüber der MZ, dass es sich bei dem eingestürzten Teilstück um einen Abschnitt handelt, der Ende der 80er-Jahre mithilfe des sogenannten Portlandzements restauriert wurde. Dieses Material, das aus Calciumoxid, Siliciumdioxid, Aluminiumoxid und Eisenoxid besteht, hat man inzwischen als ungeeignet für derartige Arbeiten eingestuft. Mit dem Zement seien die Steine zwar zunächst zusammengefügt und stabilisiert worden, allerdings werde laut Coll der Portlandzement nach kurzer Zeit extrem hart und sei nicht wasserdurchlässig. „Nach und nach haben sich in dem Zement dann aber wahrscheinlich Risse gebildet, durch die immer wieder Regen eindrang", sagt Coll. Weil das Wasser nicht mehr ablaufen konnte, kam es zu größeren Wasseransammlungen im Stein. „Diese haben dann die Mauer regelrecht gesprengt." Heute benutze man in solchen Fällen Kalkmörtel, durch den das Wasser schneller wieder hinauslaufe, erklärt Coll. Erst am ­Mittwoch (26.9.) war sie wieder vor Ort, um sich die Stabilität der Mauer anzuschauen.

Im Gemeinderat von Alcúdia ist man schnell aktiv geworden und hat ein Eil-Projekt zur Sanierung verfasst, wie der für das Bauamt zuständige Gemeinderat Gaspar Vallori der MZ berichtet. „Die dringendste Aufgabe ist jetzt, weitere Teile der Mauer abzutragen, die einsturzgefährdet sind." Dabei gehe es um die Abschnitte direkt neben dem Loch. Diese Arbeiten werden laut Vallori rund 15 Tage in Anspruch nehmen. Damit sollte dann die größte Gefahr erst einmal beseitigt sein. „Zumindest sind keine weiteren Steine heruntergekommen", sagt Vallori.

Der nächste Schritt sei dann eine Generalüberholung der Mauer zwischen der Kirche und dem Finanzamt. Dieses Projekt war bereits vor dem Einsturz verfasst, so Vallori. „Nur dem Inselrat haben wir es noch nicht vorgelegt." Unter anderem soll das Haupteingangstor der Mauer, die Porta de Sant Sebastià, für Fußgänger verbreitert werden. Das 400.000 Euro teure Vorhaben werde laut Vallori von Einnahmen aus der Touristensteuer bezahlt.

Die Stadtmauer in Alcúdia geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Damals diente die Befestigung dem Schutz vor Piratenangriffen. Insgesamt ist die Stadtmauer 1,5 Kilometer lang und mit 26 Türmen gesichert.

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