10. Januar 2019
10.01.2019

Cluster statt Fabriken: So wandelt sich die Industrie auf Mallorca

Trotz der Schließung von Standorten wächst der Sektor - nur sieht er nicht mehr so aus wie früher. Und dass die Branche gefördert werden soll, ist politischer Konsens

10.01.2019 | 01:00
Die Herstellung von Qualitätsschuhen ist ein Beispiel für strategische Branchen des balearischen Industriesektors.

Manuel Porras kommt gerade aus einer Besprechung, es ging an diesem Freitag (4.1.) wieder einmal um die Zukunft des Zementwerks von Lloseta und seiner Mitarbeiter. Trotz der Schlagzeilen um die geplante Aufgabe des Cemex-Standorts will der Generaldirektor für Industrie bei der balearischen Landesregierung die Bedeutung des Falls nicht zu hoch hängen. Denn auch, wenn die Schließungen von Coca Cola, Bimbo, Lafiore oder Pepsi zuletzt den Eindruck erweckten, das produzierende Gewerbe auf Mallorca werde abgewickelt, sei das Gegenteil der Fall. „Mallorcas Industrie ist nicht im Niedergang begriffen", sagt Porras, „sie wächst derzeit im Rhythmus der Gesamtwirtschaft."

Schon richtig, die Industrie mache einen Strukturwandel durch. Ihre Bedeutung liege zudem weit hinter der zurück, die sie auf dem spanischen Festland hat. Mit einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt der Balearen, der sich im einstelligen Prozentbereich bewegt, stehe sie im Schatten der Tourismuswirtschaft. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre gebe Anlass für Optimismus, so der Politiker.

Und weil der Generaldirektor vor seinem Job in der Landesregierung Wirtschaftswissenschaften an der Balearen-Universität gelehrt hat, sagt er das nicht einfach so, sondern führt vier Variablen an, an denen er die Entwicklung festmacht. Da wäre zum einen die sogenannte Bruttowertschöpfung, deren Wert inzwischen seit 14 Quartalen in Folge zulege und in drei Jahren um 6,3 Prozent gewachsen sei. Da wären die 470 Unternehmen im Industriesektor der Balearen, die seit 2015 insgesamt hinzugekommen sind – die Schließung von Werken ist bereits eingerechnet. Da wäre die Zahl der Mitarbeiter, die in drei Jahren um gut elf Prozent zulegte. Und da wären die Investitionen, die sich in zwei Jahren auf 28 Millionen Euro beliefen. „Man investiert nicht in eine Branche, die im Niedergang ist", so Porras.

Wenn diese Entwicklung wenig wahrgenommen wird, mag das auch daran liegen, dass auf den Inseln vor allem kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern das Gros der Industrie stellen. Und trotz der Auslagerung der Produktion im Zuge der Globalisierung werde weiterhin viel auf den Balearen produziert. Da sind zum einen die traditionellen Branchen wie Schuhe, Schmuck, Textilien, Möbel oder Lebensmittelverarbeitung. „Wir haben einen Möbelhersteller, der nur für Hotels tätig ist und gar nicht die Öffentlichkeit sucht." Weitere Säulen bilde inzwischen die Wassersport- und die Technologiebranche. Auch diese Zweige sind oft eng mit der Tourismuswirtschaft verzahnt.

Die Industriepolitik ist einer der wenigen Bereiche, in denen weitgehend Einigkeit herrscht. Ein Industriegesetz, das die Inselbetriebe bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit helfen soll, beschlossen linke und konservative Parteien 2017 gemeinsam. Vergangenes Jahr flossen rund vier Millionen Euro an Subventionen, um den Maschinenpark zu erneuern, die Landesregierung zahlte dabei bis zu 50 Prozent der nötigen Investitionen. Zudem soll den Firmen die Suche nach Fachkräften erleichtert werden. Auch wenn der Ausbau der dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild nur langsam voranschreitet, soll sie langfristig helfen, den Ausbildungsrückstand auf den Inseln aufzuholen.

Die Politik hilft außerdem noch in weiteren Bereichen – bei der Internationalisierung, bei der Anpassung an neue ­Technologien sowie bei der Bildung sogenannter Cluster. Ein solches Netzwerk von Produzenten, Zulieferern, Dienstleistern und zuständigen Institutionen ist bereits im Bereich der balearischen Schiffsindustrie entstanden, als Nächstes sollen die Textil- und die Wohnungs­baubranche folgen.

Derzeit rangiert die Balearen-Industrie mit einem Anteil von 7,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt in etwa auf Vor-Krisen-Niveau. Bis 2025 soll der Anteil auf 9 Prozent steigen. Das ist immer noch wenig im Vergleich zum dominierenden Dienstleistungssektor der Tourismusinseln. Doch im Gegensatz zu früher, als die Hotels die Werkshallen verdrängten, helfen die Urlauber heute im Idealfall bei der Steigerung der lokalen Nachfrage, sei es bei der Produktion von Nahrungsmitteln, bei der Einrichtung von Hotelzimmern oder etwa dem Bau von Pools. Porras: „Es geht darum, Synergien zu suchen."

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