14. August 2020
14.08.2020
Mallorca Zeitung

Ein Hotel in Corona-Zeiten leiten: Geduldsprobe in Cala Mondragó

Wie planen Hoteliers in diesen ungewissen Tagen? Ortsbesuch im nur zu einem Drittel belegten "Playa Mondragó"

14.08.2020 | 01:00
Seit 1967 befindet sich das „Playa Mondragó" im Familienbesitz. Joan Francesc Rigo Barceló ist der dritte Direktor der Rigos.

Bereits am frühen Vormittag schlendern vom Parkplatz die ersten Badegäste mit Luftmatratzen und Sonnenschirmen hinunter in die Cala Mondragó. Der Strand füllt sich nach und nach. Das wenige Meter oberhalb der Bucht gelegene Hotel Playa Mondragó hingegen macht einen fast verschlafenen Eindruck. Ein einzelner Gast checkt aus und macht sich auf den Heimweg. Ein Paar sitzt beim Frühstück, ansonsten sind keine Urlauber zu sehen. Ein Zimmermädchen bringt frische Bettwäsche. Und auch der Direktor Joan Francesc Rigo Barceló wirkt überaus entspannt. Viel Arbeit gebe es zurzeit ja nicht, erklärt er seine Ruhe.

Lange Zeit war Rigo unsicher, ob er das Hotel überhaupt öffnen würde. „Im Februar habe ich mit den Vorbereitungen für die geplante Öffnung Anfang April begonnen, die ich dann Mitte März wieder eingestellt habe", erzählt Rigo. Er schickte seine sechs Mitarbeiter (die vier übrigen standen dieses Jahr ohnehin nicht zur Verfügung) in die Kurzarbeit und hielt die Stellung. „In Absprache mit der übrigen Direktion - meine Familie - haben wir dann Mitte Juni beschlossen, zum 15. Juli das Hotel zu öffnen", berichtet Rigo, der das Haus in dritter Generation leitet. Sein Großvater hatte das drei Jahre zuvor gebaute Hotel 1967 gekauft. Sein Vater hatte es dann weitergeführt, bis nun Joan Francesc das Ruder übernommen hat.

Wie bei der Ernte

Eine Saison wie diese nimmt der noch junge Chef sportlich: „Unsere Familie kommt aus der Landwirtschaft, und da haben wir die Geduld, auch mal ein oder zwei schlechte Jahre auszusitzen, ohne in Panik zu geraten - wie bei der Ernte." Deshalb werde er auch nicht sofort wieder schließen, wenn die Auslastung zu gering wird. Derzeit liegt das Hotel bei rund 30 Prozent, im Juli waren es etwa 38 Prozent. „Die Quarantänepflicht für Briten hat uns schon getroffen, vor der Ankündigung lag die Auslastung bei 55 bis 58 Prozent", sagt Rigo. Von den 49 Zimmern sind also zurzeit gerade einmal 15 belegt, ein Großteil davon mit Spaniern oder gar Mallorquinern. „Da kommen wir mit den sechs Mitarbeitern, die aus der Kurzarbeit wieder zurück sind, gut hin."

Klar wäre es vielleicht finanziell günstiger gewesen, diese Saison gar nicht zu öffnen, sagt Rigo. „Aber wir haben auch eine Verantwortung für unser Personal und unseren Gästen gegenüber." Deshalb: „Sollten wir es irgendwie schaffen, die Belegung bei 35 Prozent zu halten, dann machen wir wie vor Corona geplant erst Ende Oktober wieder zu."


Patricia Herrero und ihre beiden Söhne Dani (9, li.) und Olivier (12).

Auch wenn das Hotel von Haus aus schon klein und familiär ist - zurzeit haben die Gäste den Pool teilweise für sich allein. So wie zur Mittagszeit Patricia Herrero mit ihren beiden Söhnen Olivier und Dani. Die drei leben in Palma und machen seit 2014 jeden Sommer eine gute Woche Urlaub in der Cala Mondragó. Der Vater arbeitet tagsüber als Reiseleiter und kommt abends dazu. „Wir reservieren normalerweise im März für die Sommerferien, aber diesmal mussten wir natürlich abwarten", erzählt Herrero, während die beiden Söhne im Pool planschen. „Als im Juli klar war, dass geöffnet wird, haben wir sofort gebucht. Wir wollten das Haus in dieser schweren Zeit unterstützen", sagt sie , auch wenn es für die Familie aufgrund der Tätigkeit des Vaters in der Tourismusbranche finanziell kein einfaches Jahr ist.


Kellnerin Yolanda Solorzano.

Für die Angestellten des Hotels ist die Corona-Pandemie und ihre Folgen eine Herausforderung. Kellnerin Yolanda Solorzano stammt aus einem kleinen Dorf in der Provinz Málaga und kam mit 18 Jahren gemeinsam mit ihrem Freund auf die Insel. Dort arbeitete sie zunächst in großen Hotels, bis sie nach fünf Jahren im Playa Mondragó eine Stelle antrat. „Hier bin ich jetzt seit 19 Jahren, das ist wie meine Familie", erzählt sie. Den Lockdown habe sie mit ihrem Ehemann, der ebenfalls in einem Hotel arbeitet, und der neunjährigen Tochter in der Wohnung in Calonge verbracht. „Es war schwierig, wir wussten ja nicht, wie es weitergeht", sagt sie. Das Geld wurde knapp, sie zahlt noch eine Wohnung in Granada ab, die Schule der Tochter koste Geld, dazu die zwei Autos.

Wohl kein Arbeitslosengeld

„Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet und gedacht, dass das Hotel dieses Jahr gar nicht mehr öffnet", sagt Solorzano. Umso größer die Erleichterung dann im Juni, als die Nachricht kam, dass es doch losgeht. „Am ersten Tag haben mir alle Knochen wehgetan, ich war das Arbeiten gar nicht mehr gewohnt", erzählt die Kellnerin. Vor dem Winter hat sie Bammel. Da sie, genau wie ihr Mann, in diesem Jahr keine sechs Monate Arbeit im Sommer vorweisen kann, wird Yolanda Solorzano zumindest nach derzeitigem Stand kein Arbeitslosengeld kassieren. „Das bedeutet, dass mein Mann nach Andalusien zur Olivenernte muss. Das macht er jedes Jahr, aber nur ein paar Wochen. Diesmal dürften es ein paar Monate werden."

Gegen Mittag gibt es kaum noch ein freies Plätzchen in der Bucht, der Parkplatz ist wegen Überfüllung gesperrt. Die Autos parken in einer langen Reihe am Rand der engen Zufahrtsstraße in Richtung Portopetro. Wer nicht weiß, wie es im Hotel Playa Mondragó aussieht, könnte fast meinen, es sei ein Sommer wie jeder andere, hier im Naturpark.

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