29. Oktober 2009
29.10.2009

Adiós Plastiktüte: Mallorca will sich von Einwegbeutel verabschieden

30.07.2009 | 12:53
Encarna Cabrera (Mitte) kauft konventionell mit Plastiktüten ein. Catalina Suárez (li.) und José Nadal und Ines Martín (re.) zeigen, wie es auch geht: mit Wägelchen oder wiederverwendbaren Tüten.

Adiós Plastiktüte. Auch Spanien will sich auf lange Sicht von dem Einwegbeutel verabschieden. Ein nationaler Abfallplan (PNIR) der Zentralregierung in Madrid sieht vor, bis 2010 den Verbrauch der Tüten von jährlich 16 Milliarden Exemplaren um die Hälfte zu reduzieren. Bis 2015 sollen die Tüten ganz aus dem Verkehr gezogen werden. Keine leichte Aufgabe in dem Land, das die meisten Einwegtüten in ganz Europa herstellt und in dem 238 Plastiktüten pro Jahr auf jeden Einwohner kommen. Bei der Herstellung werden pro Tüte vier Gramm CO2 produziert, Die Gesamtproduktion an Plastiktüten macht 0,1 Prozent der landesweiten Emissionen aus.

Das größte Problem an den Allzweckbeuteln: Nur etwa zehn Prozent landen nach dem Gebrauch in einem der gelben Recycel-Sammelbehälter. Stattdessen benutzen die meisten Spanier ihre Einkaufstüten ein zweites Mal für den Hausabfall, danach wandern sie auf die Mülldeponie. Dort bleiben sie rund 100 Jahre liegen, denn so lange dauert es, bis eine Plastiktüte komplett verrottet ist. Auch an Spaniens Stränden werden die billigen Taschen gerne mal vergessen (sie machen 20 Prozent des dort eingesammelten Mülls aus) und verwandeln sich in tödliche Fallen für Tiere. Schildkröten etwa verwechseln die vielen Tüten auf dem Meeresgrund gern mit Quallen, fressen sie und gehen daran zu Grunde. Vögel könne sich darin verheddern.

Plastiktüten seien ein Symbol der Wegwerfgesellschaft, sagt Alodia Pérez von der Umweltorganisation „Amigos de la Tierra" in Madrid. Die Plastiktüte, in der die freundliche Kassiererin die Einkäufe sogar unaufgefordert verstaut, gibt es an jeder Supermarktkasse. Zuerst müsse sich etwas im Bewusstsein der Menschen ändern, glaubt die Umweltaktivistin.

In anderen Ländern der EU wie Deutschland, Irland und Belgien muss der Konsument bereits seit Jahren eine Gebühr pro Tasche an der Kasse entrichten, in China sind Plastiktüten seit einem Jahr sogar ganz verboten. Dass die Zentralregierung in Madrid ähnliche Maßnahmen ergreift, ist vorerst nicht abzusehen. Hinzu kommt, dass die Vorschläge der Regierung, wie die Zahl der Plastiktüten reduziert werden kann, nicht verpflichtend sind. Der Plan ist nach Ansicht vieler Kritiker zu schwammig. Die Landesregierung von Katalonien hat mit den Händlern sogar einen eigenen Kompromiss geschlossen, wonach die Zahl der Tüten in der autonomen Region erst bis 2012 um 50 Prozent reduziert werden soll. Dahinter steht auch die starke Lobby der Plastik verarbeitenden Industrie (ANAIP), die auf Zeit spielt. Grundsätzlich teile man die Ansicht, dass die Einwegtaschen auf lange Sicht verschwinden müssten, meint Enrique Gallego, der Chef der Vereinigung, die 350 Hersteller und mehr als 5.500 Beschäftigte vertritt. Doch müsse man der Industrie mehr Zeit zur Umstellung geben. Einige Unternehmen setzen bereits auf die Produktion von Tüten aus Polyethylen. Diese könnten mehrfach benutzt werden und erfüllten alle umweltfreundlichen Voraussetzungen, so Gallego. Ein positives Beispiel: Ein Unternehmen produzierte bereits 2007 erstmals alternative Tüten aus Kartoffelstärke.

Mittlerweile werden immer mehr Warenhaus- und Supermarktketten selbst aktiv. Um dem Umweltbewusstsein ihrer Kunden auf die Sprünge zu helfen, verteilt die französische Supermarktkette Carrefour seit einigen Monaten kostenlose Einkaufstaschen, die mehrmals benutzt werden können. Aber nur noch bis Ende des Jahres, dann sollen alle umweltschädlichen Plastiktüten aus den Filialen verschwunden sein – und die Menschen sich an den Gebrauch von gebührenpflichtigen Öko-Taschen gewöhnt haben. Durch diese Maßnahe sollen pro Jahr rund 6.000 Tonnen Plastikmüll eingespart werden, heißt es bei Carrefour.

Auch im Kaufhaus El Corte Inglés sowie in den Eroski-Supermärkten können Kunden zur umweltfreundlichen Plastiktüte aus Polyethylen oder aus Palmbast greifen, Ein Pilotprojekt bei Eroski zeigte beeindruckende Resultate. In vier Filialen der Supermarktkette wurden im vergangenen Jahr mehr als 10.000 wiederverwertbare Taschen an die Kundschaft verteilt und dadurch etwa 1,25 Millionen herkömmliche Einwegtüten weniger ausgegeben als im Jahr zuvor. Bis Ende dieses Jahres soll das Projekt auf alle Eroski-Filialen ausgeweitet werden.


In der Printausgabe lesen Sie außerdem

- MZ-Umfrage: Wie halten Sie es beim Einkaufen?
- Formentera macht´s vor: Insel ohne Plastiktüten

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