17. März 2011
17.03.2011
40 Años

"Manchmal sind auch die Erwartungen zu hoch"

Im Interview erläutert Núria Estaràs mit welchen Hilfen Bedürftige rechnen können

16.12.2010 | 02:00

Núria Estaràs ist Direktorin des Observatorio Social de la Crisis, einer Einrichtung des mallorquinischen Sozialinstituts Imas, das den Bedarf von Sozial­leistungen infolge der Wirtschaftskrise analysieren soll.

In Spanien gibt es kein Hartz IV. Wie helfen sie den ´neuen Armen´ auf Mallorca?
Vor allem mit der zeitlich begrenzten Sozialhilfe „Renta Mínima de Inserción". Die Hilfe beträgt 396 bis 776 Euro und wird gezahlt, wenn Personen keinen Anspruch auf andere Leistungen und keine oder nur geringe Einnahmen haben. Zur Hilfe gehört auch ein Sozialplan – da kann man nicht einfach stempeln gehen wie beim Arbeitslosengeld.

Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?
Die größte Zunahme gab es bis Ende 2009, die Zahl der Empfänger hat sich verdoppelt, von 431 im Jahr 2007 auf 871 bis Ende 2009. In diesem Jahr hat sich die Entwicklung stabilisiert, allerdings auf hohem Niveau.

Weil die Gelder ausgehen?
Die renta mínima wird sechs oder zwölf Monate lang ausgezahlt. Deswegen müssen wir sicherstellen, dass das Budget für die gesamte Dauer ausreicht. Im Frühjahr kam es zu Verzögerungen, weil erst das Budget aufgestockt werden musste. 2007 hatten wir 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, die Mittel wurden schrittweise auf 2,5 und inzwischen auf 5 Millionen Euro jährlich erhöht.

Wie hat sich das Profil der Hilfsbedürftigen verändert?
Der Anteil der Ausländer ist nur leicht auf 65 Prozent gestiegen. Der Anteil der Frauen fiel von 64 Prozent im Jahr 2007 auf 57 Prozent. Wir versorgen also nach wie vor alleinerziehende Mütter, aber auch mehr arbeitslose Männer und deren Familien, die keinerlei Einnahmen haben. Eigentlich war die renta mínima für Personen gedacht, die sich zum Beispiel wegen einer fehlenden Ausbildung auf dem Jobmarkt schwer taten. Heute erhalten die Hilfe aber auch viele Menschen, bei denen es keine eigentlichen sozialen Probleme gibt, die aber trotzdem wegen der Wirtschaftskrise keine Arbeit finden. Sogar Selbstständige sind inzwischen unter den Empfängern.

Wie schwer fällt es diesen Menschen, um Hilfe zu bitten?
Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise in Spanien kommen Menschen zu den Sozialstellen, die vorher nicht einmal von deren Existenz wussten. Sie fragen in der Regel auch nicht nach Lebensmitteln oder Geld, sondern nach einer Arbeit. In vielen Fällen sind allerdings auch die Erwartungen der Betroffenen zu hoch gesteckt. Zum Beispiel, wenn nach einer Entlassung eine Hypothek nicht mehr bezahlt werden kann. Dafür können wir keine Sozialhilfe bewilligen. Die Mitarbeiter haben deswegen schon einige Stresssituationen durchlebt, als sie solche Anträge ablehnen mussten. Wir waren schließlich die letzte Hoffnung auf Rettung.

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