27. Juli 2019
27.07.2019

ETA-Anschlag auf Mallorca jährt sich: "Ich kann mich an jede Minute jenes Tages erinnern"

Der Vater eines der beiden getöteten Polizisten ist Jahre später in die Politik gegangen

27.07.2019 | 01:00
Antonio Salvá.
Antonio Salvá ist Vater von Diego Salvá, einem der beiden in Palmanova ermordeten Beamten. Er arbeitet als Urologe auf Mallorca und Ibiza.
 
Wie werden Sie den zehnten Jahrestag des Attentats verbringen?
Im Kreis meiner Familie. Wir werden bei den offiziellen Gedenkveranstaltungen sein. Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde Calvià und die Guardia Civil etwas organisieren. Zehn Jahre – ein tragischer Jahrestag für die Balearen.
 
Hat sich die Erinnerung an das Attentat im Laufe der Zeit verändert?
Ich kann mich nach wie vor an jede Minute jenes Tages erinnern, als wäre es gestern gewesen. Das werde ich mit ins Grab nehmen. Ich saß gerade mit einem Freund beim Essen in einem Restaurant, als mich meine Tochter anrief und von der Bombe berichtete.
 
Wann hatten Sie Gewissheit?
Gegen 15.30 Uhr rief mich ein Arzt der Guardia Civil an, mit dem ich befreundet bin. Er sagte: „Toni, es ist dein Sohn." Ich rechnete bereits zuvor mit dem Schlimmsten. Ich hatte versucht, meinen Sohn anzurufen, er ging aber nicht ran.
 
Wie gehen Sie damit um, dass auch heute nicht geklärt ist, wer die Bombe gelegt hat?
Für mich steht fest, dass die ETA-Spitze der geistige Urheber ist. Das Konzept werden Sie als Deutscher gut verstehen: Auch bei den Nürnberger Prozessen wurde den Drahtziehern der Prozess gemacht. Niemand der dort Angeklagten hatte einen Juden getötet. Aber sie hatten die Tötung befohlen. Es gibt heiße Spuren im Fall des Attentats von Palmanova – da ist ein Mann, der in Frankreich in Haft sitzt, ein weiterer ist im Baskenland auf freiem Fuß, was ich niemals verstehen werde.
 
In zehn Jahren werden die Delikte verjähren. Ließ das Interesse an Aufklärung nach?
Ich weiß es nicht. Auf Seiten der Justiz vielleicht, auf Seiten der Guardia Civil nicht. Dort ist man weiter unermüdlich.
 
Waffenstillstand, Selbstauflösung, Friedensprozess – was ist Ihrer Einschätzung nach heute noch von der ETA übrig?
Die Sozialstruktur ist intakt. Die Kultur des Hasses im Baskenland besteht fort. Die Partei Bildu ist Erbin von Herri Batasuna. Sie haben festgestellt, dass es rentabler ist, mit den Morden aufzuhören und in den Institutionen vertreten zu sein sowie Subventionen vom Staat zu erhalten, den sie gleichzeitig attackieren. Es gibt mehr als 300 unaufgeklärte Verbrechen und keine öffentliche Entschuldigung. Politisch haben sie gewonnen.
 
Sind Sie deswegen politisch aktiv geworden und haben für die Rechtspartei Vox für den Senat kandidiert?
Ja. Wenn sie in den Institutionen sind, dann müssen auch die Opfer dort sein. Von der PP habe ich mich nicht mehr vertreten gefühlt, seitdem etarras freigelassen wurden. Jetzt wird versucht, die Geschichte der ETA umzuschreiben, so als ob die spanische Gesellschaft und das Franco-Regime die Schuld an allem tragen. Dabei begannen die Morde erst in der Demokratie so richtig. Jeder soll politisch denken, wie er will, er darf aber nicht Gewalt anwenden oder manipulieren. Das passiert noch immer, in kleinem Maßstab auch auf den Balearen, wenn in der Schule der Hass auf Spanien geschürt wird.
 
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