07. November 2020
07.11.2020
Mallorca Zeitung

Tempo 30 auf Mallorca: Wer ist am schnellsten?

Auto, Fahrrad, E-Roller oder doch der Bus: Im MZ-Test prüfen Leonie Meyer und Ralf Petzold, womit man in der Tempo-30-Stadt Palma am besten vorankommt. Los ging es bei der Redaktion. Das Ziel hieß Pueblo Español – mit einem Zwischenstopp auf der Plaça d'Espanya

07.11.2020 | 01:00
Tempo 30 auf Mallorca: Wer ist am schnellsten?

Von wegen nur noch Tempo 30

Das Fenster runtergelassen, im Radio läuft ein alter Rocksong. So lässt sich eine Autofahrt genießen. Wären da nur nicht diese blöden Ampeln. Auf dem Carrer del Callao gilt nach der neuen Regel nur noch Tempo 40. Die 10 km/h weniger machen sich sofort bemerkbar, denn so steht man nach der Ampel an der MZ beim Kongresszentrum erneut an. Das ist von der Stadt Palma so gewollt. Das Auto soll unattraktiv werden. Nur noch auf 190 von 2.731 Straßen darf schneller als 30 km/h gefahren werden. Zum Glück sind die meistbefahrensten Straßen ausgenommen. Auf der Avenida ist Tempo 50 erlaubt. Nach sieben Minuten erreichen wir zwar die Plaça d'Espanya, doch dann beginnt die Parkplatzsuche. Glück gehabt: Im Carrer Cecili Mecel fährt ein anderes Auto aus der Parklücke. Ein E-Roller und ein Fahrrad müssen sich unbedingt noch zwischen Auto und Lücke durchquetschen. 1,45 Euro kostet der Parkschein in der Ora-Zone pro Stunde. Nach insgesamt 15 Minuten sind wir dann wirklich auf der Plaza.
Der Weg zum Pueblo Español führt danach fast geradlinig über die Plaça del Progres. Auch hier sind nur noch 40 km/h erlaubt. Einparkende Autos und Pkws, die in zweiter Reihe stehen, verhindern sowieso eine höhere Geschwindigkeit. Am Ziel angekommen, sind die Parkplätze zwar nicht mehr kostenpflichtig, aber leider auch nicht frei. Nach ein paar Runden findet sich in einer Nebenstraße eine Lücke. 7,2 Kilometer und 31,5 Minuten waren es mit dem Auto. Laut ADAC betragen die Kosten durch die Abnutzung beim Fiat Panda etwa 30 Cent pro Kilometer. Zusammen mit Parkkosten und Benzin dürfte die Fahrt etwa 4 Euro gekostet haben.

Vorsicht vor den Tauben

Kurz mit dem Fuß abtreten, mit dem Zeigefinger den kleinen Hebel ziehen, und schon düst der E-Roller los. Über den Radweg geht es Richtung Avenidas. Da wir uns an die Regeln halten, müssen wir Umwege nehmen, statt gegen die Einbahnstraße abzukürzen. Das betrifft auch die Geschwindigkeit. Je nach Modell schaffen die Flitzer bis zu 50 km/h. Die Roller sind schon jetzt in Palma beliebt. Mit der neuen Tempo-30-Regelung will das Rathaus sie noch zusätzlich fördern. Schnell mal tanken ist nicht – vor der Fahrt muss man sichergehen, dass der Akku geladen ist. Das dauert bis zu fünf Stunden. Dafür geht es auf den Radwegen schnell voran. Schön wäre es, wenn alle Verkehrsteilnehmer sie respektieren würden. Fußgänger sehen sie als erweiterte Bürgersteige. Autos halten bei Kreuzungen meist mitten auf dem Radweg an. Nach zehn Minuten sind wir auf der Plaza. Träge Tauben gehen nur widerwillig aus dem Weg. Der Roller kann zusammengeklappt und mitgenommen werden.
Der Weg zum Pueblo Español ist schon kniffliger. Zum Glück gibt es einen Halter für das Handy, um mit Google Maps zu navigieren. Hinter der Plaça d'Espanya versucht ein Taxi auf einer engen Straße zu wenden. „Fahr um den Block wie alle anderen auch", schimpft ein Radfahrer. „Mir doch egal", entgegnet der Taxifahrer. Der Radweg führt nach Santa Catalina, wo er am Carrer de Joan Crespi plötzlich in eine andere Richtung führt, als das Navi anzeigt. Google leitet über die nicht wenig befahrene Straße. Kein Schild in Sicht, also ist es wohl 30er-Zone und somit neuerdings für die Roller erlaubt. 26 Minuten und 20 Sekunden hat die Fahrt über 7,3 Kilometer gedauert.

Mit dem Bus von p1161 zu p058

Die Busverbindung ist im Internet mit Google Maps schnell gefunden, ich kann aus mehreren Vorschlägen die schnellste Route auswählen. Unter den Palmen entlang sind es dann insgesamt vier Minuten Fußweg zu der Haltestelle „p1161-Palau de Congressos". Beim Warten ließe sich eigentlich Aussicht auf das Meer genießen, wenn die Autos nicht so schnell vorbeiführen – dabei beginnt hier doch die Tempo-30-Stadt. Nach zwei Minuten Warten kommt der Bus der Linie 23 pünktlich, der Fahrer öffnet die Türen. Ohne Bürgerkarte kostet die einfache Fahrt pauschale zwei Euro. Nicht zu vergessen: Die Maßnahmen für den Mund-Nasen-Schutz, die ebenso auf den Straßen gelten. Es gibt noch freie Plätze, dennoch bleibe ich lieber stehen, anstatt mich neben jemanden in eine Zweierreihe zu setzen. Ich zögere, an welcher Stange ich mich festhalten soll, nicht das da irgendwo das Virus lauert. Nach der achtminütigen Fahrt ist die Plaza an der Haltestelle „1320-Plaça d'Espanya" erreicht.
Auf dem zentralen Platz im Herzen Palmas rennen viele Menschen in Hektik umher. Ich auch, weil ich den Anschluss-Bus bekommen möchte. Ich muss die Straßenseite wechseln, die Ampel steht auf Rot. Nach zwei Minuten stehe ich an der nächsten Haltestelle: „p295-Plaça d'Espanya". Der Bus der Linie 46 hat sieben Minuten Verspätung. Nach fünf Stationen, neun Minuten Fahrt und reichlich Geruckel steige ich an der „p058" aus. Von hier aus sind es noch knappe 13 Minuten Fußweg zum Pueblo Español. Es geht bergauf, ich komme ein wenig aus der Puste. Nach 50 Minuten ist das Endziel erreicht. Die Rückfahrt hinzugerechnet, hat mich das 4 Euro gekostet.

Kräftig in die Pedale getreten

Ich schwinge mich vor dem Verlagsgebäude auf das Rad und werde gleich zu Anfang von einigen roten Ampeln aufgehalten. Google Maps schickt mich durch schmale Straßen, auf denen Radfahrer Vorfahrt haben, und über Radwege. Sehr praktisch. Schon nach 16 Minuten ist das Reiterdenkmal an der Plaça d'Espanya erreicht. Ich mache eine kleine Pause, schließe das Rad an einem Fahrradständer ab. Nach einem kurzen Einkauf geht es weiter, ich bahne mir zwischen den Fußgängern und den Skateboardern auf der Plaza meinen Weg.
Dann zwischen Autoreihen den Carrer de la Reina Esclaramunda hinunter. Die Bemalung der Straße signalisiert mir die Vorfahrt. Vorbei an dem Krankenhaus Rotger geht es dann ein wenig bergauf. Ich überquere den torrent, stehe an einer Ampel und wundere mich darüber, dass manche Autos erst auf dem Zebrastreifen zum Stehen kommen. Jetzt geht es auf dem Fahrradweg gen Santa Catalina und von dort in das höher gelegene Son Espanyolet. Meine Ausdauer wird auf die Probe gestellt. Es wimmelt nur so von Einbahnstraßen, die ich durch Umwege umfahren muss. Nach kräftigem In-die-Pedale-Treten ist das Pueblo Español 15 Minuten nach Abfahrt auf der Plaça d'Espanya mit dem Rad erreicht. Um Parkplätze muss ich mir hier keine Sorgen machen.
Fazit nach 31 Minuten Fahrtzeit an der frischen Luft: Insgesamt ist das Fahrrad wohl das günstigste Fortbewegungsmittel in Palma. Dennoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass nicht überall einheitliche Radwege existieren und man sich die Straßen immer wieder mit Autos teilen muss. Also: Immer aufmerksam fahren!

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