Casino-Show ´Come fly with me´: Chris Man zurück im Leben

Im September wurde Chris Man, der „Frank Sinatra" der Show, von einem Schläger in Portals Nous lebensgefährlich verletzt. Jetzt plant er sein Comeback

31.12.2009 | 02:00
Chris Man bei einem seiner Auftritte im Casino.
Chris Man bei einem seiner Auftritte im Casino.

Eigentlich hätte es das beste Jahr seiner Karriere werden sollen. „Come fly with me", das Musical im Casino de Mallorca in der Gemeinde Calvià, in dem Chris Man eine der Hauptrollen spielte, war ein Glücksfall für den Briten. Seit elf Jahren war er als Frank Sinatra um die Welt gezogen. Die Produktion im Casino war nach all den Engagements in kleinen Clubs und Bars seine bisher größte Herausforderung. Eine Show, die es mit Produktionen am Broadway und im Londoner Westend aufnehmen könne, glaubte der 51-Jährige. Und es lief gut an: lobende Kritiken, gute Stimmung, zufriedenes Publikum.

Doch dann, am 5. September, kam der Abend, an dem sich alles änderte. Chris Man befand sich nach ein paar Drinks mit Freunden in einer Bar in Portals Nous auf dem Heimweg, als er auf einen Mann traf, der auf der Straße lautstark mit zwei Frauen diskutierte und wüste Drohungen aussprach. „Ich versuchte, ihn zu beruhigen", erzählt Man. Das letzte, woran er sich erinnert, ist dieser dumpfe Schlag. Er verlor das Gleichgewicht und schlug mit dem Kopf gegen eine halb­hohe Trockensteinmauer. Der Täter trat danach noch ein paarmal auf ihn ein.

Zwei Wochen kämpften die Ärzte in Palmas Unfallklinik um das Leben des Briten. Man klappte ihm die halbe Schädeldecke auf, um das Blut ablaufen zu lassen, das auf sein Gehirn drückte. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Zwei Monate verbrachte er im Krankenhaus, überstand eine Lungenentzündung und verlor 18 Kilogramm seines Körpergewichts.

„Dass ich noch lebe, habe ich den Ärzten und dem lieben Gott zu verdanken", sagt der Sänger beim Gespräch in einem Café in Portals Nous, unweit von dem Ort, an dem er zusammengeschlagen wurde. Die Wintersonne scheint warm an diesem Nachmittag, Chris Man zündet sich eine Zigarette an und steckt die Ohrstöpsel seines MP3-Players weg. Er hat auf dem Weg Sinatra gehört. Was sonst? „Ich höre ihn eigentlich immer." Der Sänger ist ein Teil von ihm geworden. So sehr, dass seine beiden Jungs, wenn sie das Original im Fernsehen sehen, sagen: „Hey Daddy, das bist ja du." Rund 200 von den mehr als 1.000 Sinatra-Songs führt er in seinem Repertoire. Sinatra hilft ihm auf dem schwierigen Weg zu seinem Comeback. „Die Musik tut mir gut, sie macht Mut."

Fast täglich geht Chris Man ins Krankenhaus zur Therapie. Dort wird sein Gleichgewichtssinn wieder geschult. Als er aus dem Hospital entlassen wurde, sei er auf den Rücken gefallen. Einfach so. Jetzt macht er von Tag zu Tag Fortschritte. Am schlimmsten sei jedoch die Angst um seinen Kopf. Bei jedem Türrahmen, sei er auch hoch genug, zieht er den Kopf ein. Vor einigen Tagen, er kam gerade von der Therapie, fiel hinter ihm plötzlich die Schranke am Parkplatz des Krankenhauses herunter. Die Querstange schrammte zwei Zentimer an seinem Kopf vorbei. Einen neuen Schlag auf die Schädeldecke hätte er vermutlich nicht überlebt. „Ich habe lachen müssen", sagt er: „Nach alldem, was ich überlebt habe, hätte mir um ein Haar eine blöde Schranke den Garaus gemacht."

Seinen Söhnen, die bei der Mutter in London leben, hat er erzählt, Papa sei gefallen. „All die Gewalt, das wollte ich ihnen ersparen." Eines Tages, wenn sie alt genug seien, werde er ihnen die wahren Hintergründe seiner schweren Verletzung erzählen. Der Täter wurde schon nach zwei Monaten gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen – „als feststand, dass ich überleben werde", sagt Chris Man.

Er weiß bis heute nicht, wer der Mann ist, der ihn fast ermordete. Er will es auch nicht wissen. Für ihn zählt nur noch sein Comeback. Im Januar möchte er bei den ersten Proben wieder auf der Bühne stehen. Im Mai ist die Premiere angesetzt. In der ersten Reihe sollen dann die Ärzte und Schwestern des Krankenhauses Son Dureta sitzen. „Ein kleines Dankeschön", sagt er. Und als er geht, drückt er die Stöpsel wieder in die Ohren. Sinatra singt: The best is yet to come. Das Beste steht noch bevor.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:

- Im Gespräch: Heilpraktikerin Dörthe Huth
- Das wird 2010: Pläne der Initiativen fürs neue Jahr
- Vom Licht in der Finsternis: Festliche Stimmung in der Kathedrale
- Gemeinden, Vereine, Treffen

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