Start-up mit sechs Millionen Ferienwohnungen

Mit der Metasuchmaschine hundredrooms.com eifert ein Unternehmen in Palma dem Erfolg von Vergleichsportalen wie Trivago oder Kayak nach

22.05.2016 | 07:24
Wohlfühlbüro: Programmierer und Fachleute für Online-Marketing sind in der Branche heiß begehrt.
Wohlfühlbüro: Programmierer und Fachleute für Online-Marketing sind in der Branche heiß begehrt.

Wer das herrschaftliche Gebäude in der Fußgängerzone Sant Miquel in Palmas Innenstadt betritt, kommt an Messingschildern traditioneller Anwaltskanzleien vorbei – um sich im ersten Stock in einer digitalen Welt wiederzufinden. Zwischen Bistro-Lampen, Retro-Sofas und einem Mini-Spielplatz sitzen Programmierer, Suchmaschinen-Experten und Vertriebsleute vor ihren Computern – ein Wohlfühlbüro, wie man es sich auch im Silicon Valley vorstellen könnte. „Wir haben auch überlegt, Fußballkicker aufzustellen", meint die Marketingverantwortliche Verónica Rosselló – aber das hätte dann wohl doch zu sehr von der Arbeit abgelenkt.

Das Büro von hundredrooms.com, einer Metasuchmaschine für Ferienwohnungen, ist zwar weitläufig, füllt sich aber zusehends. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis Jahresende von derzeit 27 auf 52 steigen. Das Unternehmen, das es erst seit dem Jahr 2014 gibt, will für den Markt der Ferienvermietung in etwa das werden, was Kayak bei der Flugsuche oder Trivago bei der Hotelsuche vorgemacht haben – ein Portal, auf dem alle Angebote der Branche im direkten Preis- und Angebotsvergleich gezeigt werden. Anschließend werden die Kunden zu den jeweiligen Anbieternweitervermittelt.

„Touristisches Ökosystem"

Mit Palma hat sich das Unternehmen in einer Hochburg der Ferienvermietung niedergelassen – Firmengründer José Martínez, der eigentlich aus Gijón stammt, entschied sich für die Insel nicht nur wegen der allseits bekannten guten Anbindung und der im Vergleich zu Madrid oder Barcelona niedrigeren Kosten, sondern auch wegen des „interessanten, touristischen Ökosystems", wie er sagt.

Statt sich aber wie Trivago oder Logitravel in Palmas weitläufigen Technologiepark Parcbit nördlich von Palma niederzulassen, mietete er sich Anfang des Jahres im Carrer Sant Miquel ein – die zentrale Lage sei attraktiver für die Mitarbeiter, meint Martínez. Ein paar trendige Low-Cost-Möbel und Deko-Artikel, und schon kann die Operation Ferienvermietungsportal beginnen.

Vertriebsmitarbeiter ziehen nun Kooperationspartner an Land, Informatiker optimieren Bedienfreundlichkeit und Service des Portals und Online-Marketing-Experten versuchen, möglichst viele Besucher auf die Seite zu holen – sei es mit der Optimierung für die Suchmaschinen (SEO) oder direkt per Suchmaschinen­marketing (SEM).

Bei der Akquise von neuen Partnern sei nicht viel Überzeugungsarbeit notwendig, meint Mitarbeiterin María José Más – schließlich könne man auf inzwischen mehr als hundert Firmen verweisen, darunter Platzhirsche wie Airbnb, aber auch zahlreiche kleine Anbieter. Ein Vorteil sei, dass das Geschäftsmodell der Metasuchmaschine längst allgemein bekannt sei. „Das war damals bei Kayak noch anders", meint Martínez, früherer Spanien- und Portugal-Chef des Flugportals.

Mit jeder Partnerfirma werden eigene Verträge geschlossen – die Provision an hundredrooms.com fließt beispielsweise, wenn eine Ferienwohnung vermietet wird, öfter aber, wenn Kunden auf die jeweilige Seite der Partnerfirma weitergeleitet werden. Darüber hi­naus seien aber gerade kleine Anbieter an gesponserten Einträgen interessiert, meint Más. „Dann wird ihr Angebot sogar über dem von Airbnb angezeigt."

Bei der technischen und kommerziellen Optimierung der Seite – dabei geht es etwa um die Schnittstellen, über die Fotos, Infos und auch Bewertungen von den Partnerseiten in die Metasuchmaschine einfließen – sind Experten im Einsatz, die trotz der noch immer hohen Arbeitslosigkeit in Spanien nur schwer zu bekommen sind. Eine strategische Rolle spielen deswegen die inzwischen 15 Abkommen mit Universitäten und Studieneinrichtungen. Derzeit arbeiten hier sieben junge Leute im letzten Studienjahr als Praktikanten – und bleiben anschließend wohl gleich da, wie man in dem Start-up-Unternehmen hofft. Zwei Drittel der Mitarbeiter stammen nicht von Mallorca, sondern wurden vom spanischen Festland angeworben.

Die rund 1,5 Millionen Suchanfragen pro Monat, mit denen das Unternehmen in der Hochsaison rechnet, zeigen den Boom der Ferienvermietungsbranche. Derzeit sind mehr als sechs Millionen Angebote online. Da die Vermietung nicht direkt über das Portal abgewickelt wird, sondern alle Kunden weitergeleitet werden, schaltet sich Martínez aber nicht in die Lobby-Arbeit für die Liberalisierung der Ferienvermietung auf Mallorca ein, wie er sagt. Dass die gesetzliche Grauzone endlich reguliert werden müsse, stehe jedoch außer Frage.

Deutschland bleibt außen vor

Der Blick reicht dabei weit über die Insel hinaus. Ist das Portal bislang vor allem im spanischen Markt aktiv, sollen bereits in diesem Sommer Mexiko und die USA sowie anschließend die südamerikanischen Länder Argentinien, Kolumbien, Chile und Peru hinzukommen. Frankreich oder Deutschland dagegen seien saturierte Märkte, die erst mal außen vor blieben, so Martínez, der sich für die Expansion risikofreudige Investoren als Mitgesellschafter an Bord geholt hat. Die Etablierung auf dem Markt sei vorerst wichtiger als das Ziel, Gewinne abzuwerfen.

Vielleicht wird es dann für die Mitarbeiter von hundredrooms.com doch schnell eng in dem Wohlfühlbüro in Palmas Altstadt.

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