Der Pädophile, der schon lange einer war

In Deutschland werden weitere Vorwürfe gegen den im April festgenommenen mutmaßlichen deutschen Kinderschänder aus Llucmajor laut

21-05-2011  
Die Menschen aus J.´s Umfeld sind verunsichert: Gibt es weitere Opfer?
Die Menschen aus J.´s Umfeld sind verunsichert: Gibt es weitere Opfer? Foto: Bendgens

SILKE DROLL Als Tanja Meier (Name geändert) erfährt, dass ihr Bekannter H. J. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie in Palma in Untersuchungshaft sitzt, steigt Panik in ihr auf. Auch mit ihren Kindern war der 32 Jahre alte Mallorca-Deutsche stundenlang alleine gewesen. Was hatte der Mann, der von der Polizei nach einer spektakulären Fahndung am 20. April gefasst worden war (MZ berichtete), mit ihnen gemacht? Die 34-jährige geschiedene Mutter von drei Söhnen im Alter von 5, 10 und 15 Jahren aus Süddeutschland hatte den in Llucmajor lebenden Residenten im Jahr 2009 über die Internet-Kontaktbörse www.lablue.de kennengelernt und eine kurze Beziehung mit ihm begonnen. Mit Grauen erinnert sie sich rückblickend an seinen dreiwöchigen Besuch in ihrer Wohnung im Mai 2009. „Da war er auch alleine mit den Kindern zu Hause. Und er hatte seine Kamera dabei. Wenn ich jetzt meine Kinder ansehe, wird mir ganz schlecht."

H. J. wird vorgeworfen, zwei seiner eigenen Kinder und zwei Kinder von anderen Partnerinnen sexuell missbraucht zu haben. Die Vergewaltigungen an Bord seiner Yacht und in seinem Haus in der Gemeinde Llucmajor nahm er laut Polizei auf Video auf und bot sie unter dem Pseudonym „Cooldaddy" anderen Pädophilen im Internet an. In geschlossenen Internet-Netzwerken von Päderasten soll er sich seiner Taten gerühmt haben, um die Meinung anderer Nutzer gebeten und seine Kinder sogar anderen Pädophilen angeboten haben. Die Ermittler in Spanien waren ­H. J. auf die Spur gekommen, nachdem zunächst die Polizei in Dänemark auf ein Porno-Video im Internet hingewiesen worden war, in dem deutsch sprechende Kinder ihren Peiniger mit einer Tätowierung am Oberarm mit Papa ansprachen.

Meier erfährt von der Festnahme zunächst von H.J.´s getrennt lebender Frau. Ihre Unruhe verstärkt sich noch, als sie eine Facebook-Nachricht von Felix Müller (Name geändert), dem Neffen von H. J. aus Nordrhein-Westfalen, erhält. Er schreibt: „Ich glaube das, was er getan hat, weil er es mit mir damals auch gemacht hat. Für mich stellt sich nur die Frage, ob er das mit ihren Kindern auch tat?"

Der heute 19 Jahre alte Bundeswehrsoldat erinnert sich noch daran, wie er als Kind im Keller stand und sich sein Onkel an ihm verging. Er spricht offen darüber. „Ich habe nur noch ein paar Szenen im Kopf. Ich stand mit dem Rücken zur Tür, und er hat meinen Pimmel geleckt." Das war in den Jahren 1994 bis 1996. Müller war damals drei bis fünf Jahre alt. Damals erfuhr seine Mutter, die Schwester von H. J., davon. „Sie zeigte ihn bei der Polizei und beim Jugendamt an und ging mit mir zum Psychologen." Doch Konsequenzen für H. J. gab es keine. „Die Sache ist versandet. Man glaubte uns nicht." Dabei war Müller nicht das erste Opfer in der Familie. „Auch meinen Großcousin hat er intim angepackt. Das bekam damals meine Großmutter mit und verprügelte ihn deswegen."

Trotz der Vorgeschichte überraschte Felix Müller die Festnahme seines Onkels. „Es rechnete keiner damit, dass er es noch immer macht. Und auch noch mit seinen eigenen Kindern. Er war sonst ein netter Typ. In meiner Familie sind alle am Boden zerstört." Müller will jetzt reinen Tisch machen. Diesen Donnerstag (19. 5.) hat er einen Termin für seine Aussage bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz, die in Deutschland gegen H. J. ermittelt.

Der aus Reichshof in Nordrhein-Westfalen stammende Mallorca-Resident ist in der Bundesrepublik vorbestraft, unter anderem wegen Betrugs. Auf der Insel lebte er getrennt von seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern im Alter von 5 bis 13 Jahren auf einer Finca mit Pool, Gästehaus und Tennisplatz in Llucmajor. Zeitweise gab es dort auch Bedienstete. Mit dubiosen Gewinnspielen, die er im Internet anbot, soll er zu Geld gekommen sein. Er kaufte sich eine Yacht und später ein Segelschiff, mit der er eine Weltumsegelung aufnahm, sie aber nach kurzer Zeit wieder abbrach. Die Zahlung der Schulgebühren seiner Kinder stellte er vor zwei Jahren ein.

Offenbar war ihm bei seinen Deutschland-Besuchen viel daran gelegen, unerkannt zu bleiben. „Er kam mit einem auf Mallorca gemieteten Mietwagen zu uns und wollte nie mit uns raus. Meine Freunde vertrieb er mit seiner herablassenden Art", sagt seine Ex-Partnerin Tanja Meier. Neben ihr ging H. J. nach seiner Trennung noch mit mindestens zwei weiteren Frauen aus Deutschland Beziehungen ein, ebenfalls Müttern mit Kindern, die er wie Meier über Internetportale kontaktierte. Auf seinem Facebook-Profilfoto ist er mit seiner letzten Freundin und deren Tochter zu sehen. Eine Schwangerschaft der Frau endete vor kurzem mit einer Totgeburt.

Weitere Details aus H. J.´s Leben fügen sich zu einer durchwachsenen Biografie. „Schon als Jugendlicher hat er viel Scheiße gebaut", erzählt Müller. Vor dem überraschenden Umzug vor acht Jahren mit seiner Familie nach Mallorca soll er in Deutschland eine Firma für die Herstellung von Aquarien betrieben haben, als Musiker brachte er es anscheinend zu ein bis zwei Fernsehauftritten. Auf Mallorca soll er in einem Callcenter und als Tenniswart gearbeitet haben, bevor er selbst in Tennisanlagen investierte.

Laut der Polizei bot er außerdem Samenspenden an. Auch an einer Zeitschrift über deutsche Schlagersänger auf Mallorca versuchte er sich. „Er gab damit an, Jürgen Drews und andere Sänger zu kennen", sagt Meier. Drews sagt allerdings auf Nachfrage der MZ, nie etwas von H.J. gehört zu haben. Bekannt war er für seinen suchtartigen Umgang mit Computer und Internet. „Er blieb in der Nacht immer am Laptop sitzen, und wenn man reinkam, klappte er es sofort zu", berichtet Müller.

Mittlerweile hat sich H.J. mit einem mehrseitigen Brief aus dem Gefängnis bei seinem Vater in Deutschland gemeldet. Darin weist er alle Vorwürfe von sich und spricht von „Überdramatisierung".

In der Printausgabe vom 19. Mai (Nummer 576) lesen Sie außerdem:
- Immer mehr amerikanische Kreuzfahrtschiffe kommen nach Palma
- Supermärkte auf mallorca schaffen nach und nach Plastiktüten ab

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