Feuerbakterium auf Mallorca: "Man kann den Erreger nicht auslöschen"

Forscher Jordi Sabaté über die zahlreichen positiven Befunde auf der Insel

02.02.2017 | 12:02
Jordi Sabaté.

Jordi Sabaté arbeitet seit 2001 an der Forschungsstelle des der katalanischen Regierung angeschlossenen Instituto de Investigación y Tecnología Agroalimentarias in Barcelona und verfolgt die Vorkommnisse auf Mallorca rund um die Xylella fastidiosa von Beginn an höchst aufmerksam. Im Interview ordnet der Forscher die Lage auf den Balearen ein.

Überrascht Sie die hohe Zahl der jetzt auf den Balearen gefundenen infizierten Pflanzen?
Mehr als die reine Zahl der positiven Befunde überrascht mich die große örtliche Streuung. Dass infizierte Pflanzen nun auch schon auf Ibiza gefunden wurden, erschreckt mich ein bisschen. Das bedeutet, dass sich der Erreger auf den gesamten Balearen ausgebreitet hat. Man kann ihn jetzt nicht mehr auslöschen. Es kann nur noch darum gehen, die Schäden so gering wie möglich zu halten.

Müssen wir auf Mallorca jetzt ähnliche Zustände wie in Italien befürchten, wenn nun schon erste Olivenbäume befallen sind?
Nach derzeitigem Stand der Dinge würde ich nicht so weit gehen. In Süditalien ist die Krankheit völlig außer Kontrolle. Jedes Jahr frisst sie sich 30, 40 Kilometer in Richtung Norden vor. In Italien haben die Olivenbäume dem Erreger kaum etwas entgegenzusetzen. Auf Mallorca ist die Lage noch nicht so klar. Es scheint so, dass die Bäume hier resistenter gegen den Erreger sind, weil er bisher nur in wilden Exemplaren gefunden wurde. Die aggressive Unterart pauca wurde auf Mallorca bisher nicht nachgewiesen. Dass sie eines Tages auf der Insel ankommt, steht außer Frage.

Wie kann das Bakterium seit 2012 unbemerkt fortschreiten und Bäume austrocknen, ohne dass das jemand merkt?
Die Symptome sind sehr unspezifisch. Einen trockenen Ast oder ausgetrocknete Blätter können auch Pilze oder eine ganze Reihe anderer Krankheiten auslösen. Dazu kommt, dass bis vor etwa zwei Jahren das Wissen über die Krankheit in Europa noch sehr rudimentär war. Ich glaube, es war 2011, als man erstmals in Holland bei Kaffeepflanzen aus Amerika den Erreger feststellte. Damals hatte man aber keine Ahnung, zu was er imstande sein würde.

Gibt es eine Theorie, wie der Erreger auf Mallorca angekommen sein könnte?
Ich kann mir gut vorstellen, dass ausländische Residenten aus ihrer Heimat, vielleicht aus Deutschland oder den USA, Pflanzen auf die Insel gebracht haben, die den Erreger in sich trugen.

Die Xylella fastidiosa hat in den USA auch dem Weinanbau schwer zugesetzt. Wie groß ist die Gefahr für den Inselwein?
Die Unterart Xylella fastidiosa fastidiosa ist in der Tat gefährlich für die Weinrebe. Aber man muss dabei beachten, dass in Amerika das übertragende Insekt ein anderes war. Dieses Insekt gibt es in Europa nicht. Hierzulande können nur Zikaden den Erreger übertragen. Von denen gibt es aber natürlich eine ganze Menge Arten.

Wie sieht die Lage auf dem spanischen Festland aus? Ist es nicht wahrscheinlich, dass der Erreger dort auch schon lange tobt?
Ich glaube es nicht. Wir analysieren derzeit allein in Katalonien zwischen 500 und 1.000 Proben jährlich und haben bisher keinen einzigen positiven Befund. In der Gegend um Tarragona, aus der die kranken Kirschbäume auf Mallorca kamen, haben wir 2.000 Proben genommen – alle negativ.

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