Golf-Testfahrten: Mallorca ist eben nicht Wolfsburg

VW präsentiert die Facelift-Variante des Golf 7 den Fachjournalisten auf der Insel. Der Konzern mag keine Schneereste auf den Fotos

04.03.2017 | 14:30
Kurkumagelb heißt die neue Farbe des „Golf 7 Update", hier vor der Kulisse von Valldemossa.

Wenn auf Mallorca schon mal auf einem Fleck mehrere glänzende Autos völlig ohne Schramme stehen, dann sorgt das für neugierige Blicke unter den Passanten. So wie am Montagnachmittag (6.2.) an der Uferpromenade von Portocolom, wo der Autobauer Volkswagen eine Basisstation für die Präsentation der Facelift-Variante seines Golf 7 mit dem Namen „Update" aufgebaut hat. Die meist auffallend gelben Modelle – mit dem charakteristischen Kurkuma­gelb hat man für das neue Modell sogar eine eigene Farbe kreiert – stehen vor der malerischen Kulisse des Mittelmeers und den kleinen Fischerbooten im Hafen des Dörfchens. Ein BMW-Fahrer hält an und fragt die Mitarbeiter des Wolfsburger Autokonzerns nach Details über das Auto, das ab Ende Februar bei den Händlern stehen wird.

Volkswagen hat die offizielle Präsentation für die Journalisten weg vom grauen Norddeutschland auf die dieser Tage zwar etwas stürmische, aber durchaus sonnige Insel verlegt. „Wenn wir hier Fotos schießen, sind keine grauen Schneereste im Hintergrund zu sehen, und die Farben der Autos kommen super zur Geltung. Außerdem ist die Anreise für die Journalisten dank guter Verbindungen kein Problem", rattert Pressesprecher Martin Hube die nicht ganz neuen Vorteile von Mallorca auf. Die Insel ist regelmäßig Schauplatz von Autopremieren, in den vergangenen Jahren haben unter anderem Audi, Mini und Mercedes-Benz mit ihren neuen Modellen vorbeigeschaut.

Eine Weltpremiere ist es für das Update-Modell des Golf 7 nicht, denn bereits im November wurde es in Wolfsburg erstmals unter der Abdeckung hervorgeholt. Aber fahren durfte ihn bisher noch niemand. Das Interesse war riesig: Etwa 700 Vertreter von Tageszeitungen, Autozeitschriften, Radio und Fernsehen sind der Einladung von VW gefolgt - in Wolfsburg war man über diese Zahl bass erstaunt -, noch bis zum 17. Februar nach Mallorca zu kommen, um das neueste Mitglied der Golf-Familie zu testen. Und danach hoffentlich positiv darüber zu berichten.


Neun Monate Vorbereitung

Damit vor allem letzterer Punkt gewährleistet ist, hat der Konzern zwei Mitarbeiterinnen bereits vor einem dreiviertel Jahr mit der Organisation der Veranstaltung betraut. Nele Zwanzig und Greta Gläss, im Eventteam des Autobauers angestellt, waren seit vergangenen Juni fünfmal auf Mallorca, um sich vor Ort die Gegebenheiten genau anzusehen. „Ganz alleine hätten wir das aber ohne Ortskenntnis nicht hinbekommen. Eine Agentur aus Palma hat uns mit Insidertipps versorgt", berichtet Nele Zwanzig. Die Agentur gab etwa Hinweise, welche Stellen sich für schöne Fotostopps eignen, wie der Konzern vor Ort an Lizenzen – etwa für Sperrungen von Parkstreifen – kommt oder wo die Abordnung der Journalisten und VW-Mitarbeiter nächtigen kann.

Was die Übernachtung betrifft, wurde man im erst vergangenen August eröffneten Park-Hyatt-Hotel in Canyamel fündig. VW hat für die Präsentation die ganze Anlage gebucht. „Man muss den Journalisten ja ständig etwas Neues bieten. Die sind jede Woche bei irgendeiner Präsentation auf der Welt unterwegs", sagt Nele Zwanzig. „Und die meisten kennen Mallorca schon."

Also musste eine neue Unterkunft her. Die Journalisten, die in der Regel zwischen 10 und 12 Uhr am Flughafen eintreffen, steuern Canyamel dann am Nachmittag in ihren Kurkuma-Golfs an. Im Hotel gibt es jeden Abend eine Pressekonferenz und die Möglichkeit, mit Experten aus verschiedenen Abteilungen von VW zu sprechen.

Während die Journalisten schlafen und am nächsten Tag wieder abreisen, werden die Autos wieder herausgeputzt. In einer VW-Werkstatt in Manacor kümmert sich ein etwa 20-köpfiges Reinigungsteam über Nacht darum, dass die insgesamt 28 mitgebrachten Testwagen auch am nächsten Morgen am Flughafen wieder wie Neuwagen strahlen. Auch eine technische Revision findet dann statt – bei diesem Modell kann das durchaus mal dauern. Der neue Golf verfügt zum Beispiel über eine eigene SIM-Karte. Außerdem bietet er dem Fahrer eine Gestensteuerung. Mit einer Wischbewegung der Hand in der Luft kann der Radiosender gewechselt oder die Heizung angeschaltet werden.

Bloß kein Weihnachten

Insgesamt hat Volkswagen an die 80 Personen auf Mallorca beschäftigt, die sich in den drei Wochen um die Präsentation kümmern. Zu den Festangestellten aus Kommunikations-, Entwicklungs- und Eventabteilung kommen die 20 Autoreiniger. In der Werkstatt arbeiten weitere 20 Leute an der technischen Aufbereitung. Und dann gibt es noch die Bereitsteller, die an der sogenannten Relaisstation in Portocolom und am Flughafen sowie am Hotel warten und die Autos an die Journalisten ausgeben.

Die Neuwagen sind allesamt in einem abgedeckten Transporter per Fähre auf die Insel übergesetzt; ein paar Wagen waren schon im Dezember da, als die Fotos für die Pressemappe gemacht wurden. „Das Dumme war nur, dass niemand an die Weihnachtsbeleuchtung in Palma gedacht hatte. Die Fotos kann man ja schon zwei Wochen später nicht mehr verwenden", erzählt Zwanzig, die daraufhin schnell umdisponieren musste. Inzwischen kann sie darüber lachen.

Bei allen Fragen erteilen Zwanzig und Gläss geduldig Auskunft. Nur bei einer Sache schweigen sie und werfen sich verschwörerische Blicke zu. „Die Kosten für die Veranstaltung werden Sie von uns nicht erfahren. Auch keine Annäherungen."

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