Schnäppchenpreise treiben die Blechlawine auf Mallorca an

Günstige Angebote und wirtschaftliche Erholung lassen das Autoaufkommen weiter wachsen – und das bei weitgehend unverändertem Straßennetz

15.01.2018 | 02:30
Ein bekanntes Bild auf der Ringautobahn rund um Palma de Mallorca.

Bisher war es vor allem im Sommer voll auf den Straßen der Insel – dann, wenn rund 100.000 Mietwagen zusätzlich unterwegs sind. In diesem Jahr kommt es aber auch im Winter in Palma de Mallorca und Umgebung ständig zu Staus. Das hängt vor allem mit der wirtschaftlichen Erholung auf der Insel zusammen. Deutlich mehr Menschen fahren täglich zur Arbeit oder bringen ihre Kinder zur Schule als noch zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise 2013.

„Wir werden uns an die Staus gewöhnen müssen", heißt es bei denjenigen, die sich mit dem Straßennetz auf Mallorca auskennen. „Die Zufahrten nach Palma sowie die Ringautobahn befinden sich inzwischen das ganze Jahr über am Rande ihrer Leistungsfähigkeit", sagt ein altgedienter Beamter der Guardia Civil, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Da reicht es dann, wenn ein Auto liegen bleibt oder jemand falsch bremst – und es entwickelt sich in Minutenschnelle ein kilometerlanger Rückstau.

Die Leiterin der Verkehrsbehörde auf den Balearen, Cristina Gago, beobachtet die Entwicklung bereits seit Jahren mit Sorge. „Im Zusammenspiel mit dem Urlauberaufkommen zeigt sich immer mehr, dass die bestehende Infrastruktur an ihre Grenzen stößt."

Das Grundproblem: Auf Mallorca gibt es – Stand Ende 2016, eine aktuellere Statistik gibt es nicht – 741.698 motorbetriebene Fahrzeuge, davon 541.064 Pkw. Auf allen Balearen-Inseln waren Ende 2016 969.234 Fahrzeuge gemeldet, beinahe eines pro Einwohner. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 fuhren fast 200.000 Fahrzeuge weniger über die Inselstraßen. Die meist auf dem Festland gemeldeten Mietwagen sind da noch gar nicht mitgezählt.

Und die Blechlawine wächst und wächst. Verkehrsexperten gehen davon aus, dass bereits in fünf Jahren allein auf Mallorca eine Million Fahrzeuge unterwegs sein könnten. Sowohl im Gebraucht- als auch im Neuwagensortiment kommt man auf der Insel schon vergleichsweise günstig an einen privaten Pkw. Andreas Kreuzahler, der in Santa Ponça das Autohaus Cartec mit angeschlossener Werkstatt betreibt, kennt den mallorquinischen und den deutschen Markt gut. Bei Neuwagen gelte: „Vor allem Kleinwagen und günstige Marken sind auf Mallorca preislich ein ganzes Stück unter denen in Deutschland angesiedelt." Ab der Mittelklasse aufwärts kehre sich diese Tendenz um.

Vor allem die in Spanien am häufigsten verkaufte Marke Citroën fällt auch auf Mallorca immer wieder durch Schnäppchenangebote auf. So gibt es beispielsweise derzeit den Citroën C4 zum Preis von 13.990 Euro, in Deutschland muss man für die einfachste Ausstattung knapp 2.000 Euro mehr hinblättern. „Gerade die französischen Marken sind auf Mallorca günstig, weil sie kurze Transportwege haben", weiß Kreu­z­ahler. Bei Gebrauchtwagen gelten ähnliche Gesetze: „Kleinwagen und günstige Marken gibt es auf Mallorca billiger als in Deutschland." Andersherum kaufe man Mittelklasse- oder Premium-Marken besser in Deutschland. Dort seien die Autos meist besser in Schuss und vergleichsweise preiswerter.

Doch wohin mit all den Autos? Heute gibt es auf den Balearen bereits 2.300 Kilometer Landstraßen, 1.800 davon auf Mallorca. Weitere große Straßenbauprojekte sind zumindest unter der jetzigen Linksregierung ausgeschlossen; neu angegangen wird derzeit nur der Ausbau der unfallträchtigen Ma-19 zwischen Llucmajor und Campos.

Kurzfristige Abhilfe ist zumindest bei der Umfahrung von Palma ab Anfang 2019 in Sicht. An dem zweiten Ring rund um die Inselhauptstadt, der sogenannten Via Connectora, sind im Dezember nach 18-monatiger Unterbrechung die Bauarbeiten wieder aufgenommen worden – konkret am Teilstück zwischen dem Kreisel mit der Schnellstraße Ma-15 nach Manacor und dem bereits fertiggestellten vierspurigen Teilstück bei Pla de na Tesa.

Einzige Lösung wäre wohl ein Umdenken in der Bevölkerung, wie es Cristina Gago von der Verkehrsbehörde fordert. „Wir müssen uns daran gewöhnen, alternative und vor allem nachhaltigere Transportmittel zu nutzen". Ein solches Umdenken benötige aber Zeit – und vor allem bessere Anbindungen im Nahverkehr. Zwar sollen im kommenden Jahr speziell bei den Busstrecken neue Verbindungen dazukommen, aber dass bislang der letzte Zug von Palma in Richtung Inca oder Manacor um 22.15 Uhr startet, ist für eine Insel mit fast 900.000 Einwohnern und elf Millionen Urlaubern im Jahr schon beinahe ein Armutszeugnis.

Indes wird vor allem in Palma nicht nur das Fahren, sondern auch das Parken zu einem immer größeren Problem. In der Innenstadt von Palma werden bei der Plattform idealista.com kaum noch Stellplätze für unter 20.000 Euro zum Verkauf angeboten. In besonders exklusiven Lagen können sie auch mal 80.000 Euro und mehr kosten.

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