Triathlon: Super-Mario und die Lust am Leiden

23-09-2009  
Mario Mola (Mitte) kämpft gegen die eigenen Schwächen.
Mario Mola (Mitte) kämpft gegen die eigenen Schwächen.  Foto: DM

THOMAS ZAPP Kann Leistungssport fröhlich machen? Mario Mola wäre ein Beleg dafür. Breit grinsend beißt er in Rafael-Nadal-Manier auf dem Siegerfoto der Triathlon-Junioren-WM in Australien in seine Goldmedaille. Der frisch gebackene Juniorenweltmeister über die Kurzdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5.000 Meter Laufen) versprüht Esprit und Lebenslust. Darin unterscheidet er sich vom eher schüchternen Tennis-Star Nadal.

Und auch körperlich gibt es Unterschiede zum Kraftpaket aus Manacor. Bei einer Größe von 1,79 Metern bringt Mola gerade einmal 62 Kilogramm auf die Waage. „Ich weiß, dass ich einen relativ schmalen Oberkörper habe, deswegen bin ich als Kind auch vom Schwimmen zum Triathlon gewechselt", sagt der 19-Jährige. Als Jugendlicher war Mario Mola ein erfolgreicher Schwimmer bei CN Palma. „Ich war aber ständig an den Schultern verletzt. Ich hatte einfach nicht den richtigen Körperbau für diesen Sport", sagt er. Seinen Ehrgeiz hat er jedoch schon von kleinauf: „Er stach schon als Schwimmer durch seinen Siegeswillen und seinen unbändigen Kampfgeist hervor. Er war ein Kind, zeigte aber schon die Eigenschaften eines Champions", schreibt ein ehemaliger Schwimmtrainer im Internetblog.

Molas Fähigkeiten im Wasser kommen ihm zwar beim Triathlon entgegen, seine Lieblingsdisziplin ist jedoch das Laufen. Regelmäßig nimmt er an Wettbewerben teil, allein acht in diesem Jahr. Natürlich waren auch diese Teilnahmen von Erfolg gekrönt: Mola ist amtierender Spanischer Jugendmeister über 5.000 Meter und Fünfter über 10.000 Meter.

Das Laufen allein ist für den 19-Jährigen jedoch zu berechenbar, er braucht den ständigen Kampf gegen die Schwächen des eigenen Körpers, den ihm der Triathlon abverlangt. „Du kannst perfekt geschwommen und auf dem Rad gefahren sein. Wenn du vom Sattel steigst und dann deine Beine nicht mehr spürst, hast du keine Chance mehr", sagt Mola.

In Australien hatte der Schlacks noch genügend in den Beinen, das bekam auch sein härtester Widersacher, Jonathan Brownlee, zu spüren, der ihn noch bei der Europameisterschaft Mitte des Jahres geschlagen hatte. Super-Mario (mola bedeutet auf Spanisch u.a. super; Anm. der Red.) fing den Briten beim abschließenden Laufen zwei Kilometer vor dem Ziel ab. 16 Sekunden Vorsprung hatte er auf den Engländer und ein Glücksgefühl als Lohn für die Strapazen.

Bislang ist diese Weltmeisterschaft der wichtigste Titel seines Lebens, das seit seiner Kindheit auf den Sport ausgerichtet ist. Es war kein elterlicher Zwang, sondern eine natürliche Begeisterung für den Sport, die zur Freude seiner Eltern auch die Pubertät überstand. „Alkohol und Partys haben mich nie interessiert, weil ich wusste, dass ich es am nächsten Tag bereuen würde. Ich habe nie auf den Putz gehauen, aber deswegen hab ich ja nicht aufgehört zu existieren", sagt er lachend. Allein beim Essen gönnt er sich die ein oder andere Sünde, beispielsweise Cola oder Hamburger. Bei seinem Trainingspensum fallen jedoch die Kalorien nicht ins Gewicht.

Eine Freundin hat der 19-Jährige nicht. Dafür sei später noch Zeit, sagt er. Jetzt trainiert er vier Mal in der Woche mit einem Trainingspartner. Sein Trainer Iván Muñoz coacht ihn auf Distanz. Künftig soll Mola aber häufiger nach Barcelona kommen, ebenso wie sein Bruder Lucas, ein erfolgreicher Schwimmer.

Was vermisst er von seiner Heimat Mallorca am meisten? Nicht die Eltern, nicht die Freunde, sondern die Radwege. „Die Trainingsbedingungen sind auf der Insel einfach perfekt. In Barcelona mit dem Rad rauszufahren, ist dagegen ein Abenteuer", sagt er. Bei Mola dreht sich alles um den Sport. „Es ist ein intensives Hobby, aber ich genieße die Anstrengung, solange es geht. Eines Tages wird der Körper sagen: Basta. Und leben kann ich davon sowieso nicht." Deswegen studiert er in Barcelona Ingenieurs-Wissenschaften, um auf „das Leben danach" vorbereitet zu sein.

Molas aktuelles Leben besteht darin, an seine Grenzen zu gehen. Passend dazu hat er ein Zitat von Regisseur Woody Allen zu seinem Motto gemacht: „Die einzige Art, glücklich zu sein, ist es, gerne zu leiden." Mario Mola kann das nur bestätigen: „Das ist das Schöne beim Triathlon-Sprint. Man weiß, dass man ziemlich genau eine Stunde zu leiden hat." Und dann darf er glücklich sein.

Doppeltes Glück dürften ihm dann die Olympischen Spiele bereiten, der Olympische Triathlon ist doppelt so lang wie der Sprint. Der deutsche Olympiasieger Jan Frodeno brauchte 2008 in Peking 1:48:53 Stunden. Ob Mario 2012 bei den Olympischen Spielen in London am Start sein wird, weiß er noch nicht. „Ich plane Schritt für Schritt. Es gibt keine Eile."


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