Alarós radelnde Elite

Ein US-Trainer und ein mallorquinischer Radprofi haben an den Ausläufern der Tramuntana einen Laden eröffnet und ein Profi-Bahnrad-Team gebildet. Die Fahrer gehören zu den besten der Welt

28.02.2013 | 01:15
Das Team: Trainer Andrew Sparks (li.) unter anderen mit David Muntaner (3. v. li.) und Sarah Hammer (3. v. re.)

Auf den ersten Blick sieht der Laden in der Hauptstraße von Alaró wie ein ganz normales Fahrrad-Geschäft aus. Draußen vor der Tür steht ein großer Aufsteller eines Radherstellers, drinnen hängen Rennräder an der Wand, und es gibt Handschuhe, Trinkflaschen, Werkzeug sowie isotonische Getränke und Power-Riegel zu kaufen. Doch schnell merkt der Besucher, dass es im Cycling Planet eigentlich um etwas anderes geht. Mitten im Laden stehen Tische, und an einer Wand gibt es eine Bar mit Hockern. Der mallorquinische Radprofi David Muntaner bereitet sich dort gerade einen café con leche zu.

Der Olympia-Sechste in London ist nicht der einzige Topfahrer, der sich an diesem Morgen um 9.30 Uhr im Cycling Planet eingefunden hat. An einem der Tische sitzt sein Bruder Albert und unterhält sich mit dem gerade eingetroffenen Iren ­Martin Irvine. Am Nebentisch nimmt die viermalige Bahnradweltmeisterin und zweifache Olympiazweite in ­London, Sarah Hammer aus ­Kalifornien, mit ihrer irischen Kollegin Caroline Ryan den ersten Kaffee des Tages ein.

Velodrom an der Wand
An der Bar, die ebenso wie die Täfelung der Wände aus dem dann doch nicht wettbewerbskonformen Kiefernholzbelag der Bahnrad-WM 2007 in der Palma Arena zusammengeschreinert wurde, steht der Mann, der das Projekt in Alaró initiiert hat: Andrew Sparks, Rad-Trainer aus dem Mittleren Westen der USA und Ehemann von Sarah Hammer, hat vor zwei Monaten den Laden zusammen mit David Muntaner eröffnet. Cycling Planet soll als Basis und Wohnzimmer für das neu gegründete Profi-Team Performance-­United Felt dienen. Die Bahnrad-Profis wohnen in und um Alaró und bereiten gemeinsam die Wettkämpfe vor. Dort startet dann jeder für sein Land. „Wir fanden, dass man in der Gruppe einfach mehr Spaß beim Training hat, und dass bessere Ergebnisse herauskommen", erzählt Sparks in breitem Amerikanisch. Obwohl drei der Team-Mitglieder Mallorquiner sind, und es auch eine Mexikanerin und eine Koreanerin gibt, ist die Mannschaftssprache Englisch.

Neben Sparks, Hammer, Ryan und Irvine fahren auch noch der ­US-Amerikaner Jake Duehring und der Südafrikaner Bernard Ezheuren mit. Deutsche gibt es zwar nicht im Team, dafür aber herrsche eine deutsche Disziplin, erzählt der Trainer, ohne eine Miene zu verziehen.

Deutsche Disziplin bedeutet, dass die Team-Mitglieder jeden Tag auf die Piste gehen, und der Laden sieben Tage die Woche geöffnet ist. Vormittags spulen die Profis ihre Kilometer rund um Alaró und in den Ausläufern der Serra de Tramuntana herunter, nachmittags steht meist ein Training auf der Radbahn der Palma Arena auf dem Programm. „Profi-Radsport auf der Straße ist gar nicht so anders als auf der Radbahn. Man muss die selben Dinge gut können", sagt Sparks. Wer auf der Straße schnell fahren könne und eine gute Kondition habe, könne das genauso auf der Bahn tun.

Ein gutes Beispiel dafür ist Sarah Hammer, die erfolgreichste Fahrerin des Teams. Die 29-Jährige begann bereits im Alter von acht Jahren mit dem Radsport, auf Initiative ihres Vaters. Sie dominierte sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn in den Junior-Klassen ihre Konkurrentinnen. 2003 trat sie vom aktiven Radsport zurück, weil sie sich dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen fühlte. Die Berichte über die Olympischen Spiele 2004 in Athen machten sie aber wieder hungrig, und sie kehrte zurück in den Profi-Radsport.

„Herrlich wenig Verkehr"
Seither hat sie mehrere Rekorde pulverisiert und zuletzt bei den Olympischen Spielen in London sowohl in der Einzel-, als auch in der Teamverfolgung die Silber­medaille geholt. Hammer ist begeistert von den Möglichkeiten auf Mallorca: „Wir waren das erste Mal 2007 zu den Weltmeisterschaften in der Palma Arena auf Mallorca und sind danach immer wieder zum Training zurückgekehrt. Im Vergleich zu den USA gibt es hier herrlich wenig Verkehr." Außerdem waren die kurzen Wege auf Mallorca ein wichtiges Argument. In Kalifornien mussten Sparks und Hammer 150 Kilometer zum nächsten Velodrom fahren, von Alaró bis zur Palma Arena sind es nicht mal 30 Kilometer.

Doch auch im Cycling Planet ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die finanzielle Not des spanischen Radsport-Verbandes hinterlasse vor allem bei den mallorquinischen Fahrern ihre Spuren, erzählt Trainer Sparks. Die Geldnot ist so groß, dass der Verband ab Juni, wenn die neue Saison beginnt, nicht einmal mehr die Reisen der Nationalmannschaften zu den Wettkämpfen bezahlen kann. Sparks hofft, dass sich private Sponsoren finden, die die Flüge und die Spesen übernehmen.

Erschwerend käme noch hinzu, dass der spanische Bahnrad-Nationaltrainer José Antonio Escuredo die mallorquinischen Profis außen vorlassen wolle und für die Zweier-Verfolgung die Fahrer vom Festland bevorzuge. „Das ist typisch spanisch. Da wechselt der Trainer, und auf einmal wird kein Mallorquiner mehr ins Aufgebot berufen", schimpft Sparks.

Trainer Escuredo freilich führt andere Gründe auf, warum Muntaner und Albert Torres bei den Weltmeisterschaften in Weißrussland, die am Mittwoch (20.2.) begonnen haben, in ihrer Spezialdisziplin nicht an den Start gehen sollen: „Ganz klar: Die beiden würden das Zweier-Team bilden, wenn sie denn hundertprozentig fit wären", sagte er in der vergangenen Woche. Aber nun sei es ja so, dass Muntaner sich kürzlich das Schlüsselbein gebrochen habe, und Torres Anfang Februar bei einer Ausfahrt in Palma von einem Auto erfasst wurde und Prellungen erlitten habe. „Wir haben Tests gemacht, und die beiden konnten sie nicht zufriedenstellend erfüllen", rechtfertigt sich Escuredo. Gleichzeitig räumte er den beiden aber die Option ein, auf eigene Kosten anzureisen und das Team, das in 18 von 19 Wettkämpfen qualifiziert ist, zu verstärken.

Muntaner hat inzwischen mit einer mallorquinischen Recycling-Firma einen privaten Sponsor gefunden und sich tatsächlich auf den Weg nach Weißrussland gemacht. Für ihn – und auch für Sparks – wäre es eine große Genugtuung, gäbe es mallorquinisches Edelmetall.

Cycling Planet in der Avinguda ­Constitució 26 in Alaró ist von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr sowie am Samstag und am Sonntag von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Weitere Infos: www.cyclingplanet.es

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