Das Ende des Amateursports?

Die balearischen Verbände laufen mit Spielabsagen Sturm gegen ein landesweites Gesetz. Es sieht vor, dass Ehrenamtliche, die eine Aufwandsentschädigung erhalten, angestellt werden müssen. Mit allen finanziellen Konsequenzen

23.02.2015 | 21:25
Hoch den Ball, hier wird nicht gespielt: Die Kinder und Jugendlichen setzen am Wochenende aus.

Die Sportverbände auf Mallorca sind sich zurzeit einig wie selten. Gemeinsam laufen sie Sturm gegen ein Gesetz der spanischen Regierung (Ley 14/2013, genannt Ley de Emprendedores). Dessen Umsetzung verpflichtet die Sportvereine dazu, jene Ehrenamtlichen, die für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung bekommen, beim Finanzamt und der Seguridad Social anzumelden. Damit können erhebliche Mehrkosten verbunden sein.

Der Fußballverband ist bereits zum Gegenangriff übergegangen: Am kommenden Wochenende (21./22.2.) werden alle Begegnungen unterhalb der Vierten Liga und im Jugendbereich ausgesetzt. Insel-Zweitligist Real Mallorca sowie die Drittligisten Atlético Baleares und Real Mallorca B betrifft der Ausstand nicht.

„Dieses Gesetz ist das Ende für den Amateursport", heißt es allenthalben. Schon jetzt haben viele Vereine Probleme, mit ihrem Geld auszukommen. Zumal in den vergangenen Krisenjahren staatliche Zuschüsse auf ein Minimum gekürzt wurden. „Viele werden es so machen wie kürzlich ein Vereinspräsident auf der Insel, der dem Bürgermeister des Ortes die Schlüssel des Clubs übergab, weil er nicht mehr weiter wusste", schrieb der Präsident des balearischen Fußballverbandes, Miquel Bestard, in einem Kommentar für die MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca".

32,9 Prozent Seguridad Social
Das Problem ist in Kürze dieses: Der Nationale Sportgerichtshof CSD kam im vergangenen Herbst zu dem Schluss, dass die Ley de Emprendedores auch im Sport Anwendung finden muss und dass zwischen den niederklassigen Sportvereinen und seinen im Grunde ehrenamtlich Engagierten, wie Trainern, Physio­therapeuten oder Masseuren, selbst bei einer minimalen Aufwandsentschädigung eine feste
Arbeitsbeziehung besteht. „Und das bedeutet, dass diese Arbeits­beziehung dem Finanzamt mitgeteilt und der Angestellte bei der Seguridad Social angemeldet werden muss. Außerdem muss ein Arbeitsvertrag aufgesetzt werden, mit allen Folgen wie festgelegtem Urlaub oder etwa Abfindungen bei Kündigung", erklärt Pedro Brunet, der in Palma eine Kanzlei für Arbeitsrecht und Unternehmensberatung unterhält und die Sportverbände der Insel berät.

In Zahlen würde das bedeuten, dass selbst für einen Jugendtrainer in der niedrigsten Kategorie, der beispielsweise drei Stunden pro Woche Kinder unterrichtet, eine Abgabe von 32,9 Prozent der ­Aufwandsentschädigung an die Seguridad Social sowie 6,4 Prozent ans Finanzamt fällig würde. Hinzu kämen noch die Kosten für die Erstellung eines Arbeitsvertrages und weiterer eventuell nötiger Verträge.
Die meisten Clubs auf der Insel zahlen ihren Trainern derzeit jeden Monat eine feste Aufwandsentschädigung, ohne dass sie ihre Ausgaben wie Benzinkosten oder Verpflegung nachweisen müssten. Daran macht der Sportgerichtshof seine Argumentation fest, es handle sich um eine feste Arbeitsbeziehung. „Die Vereine zahlen den festen Betrag deshalb, weil sie davon ausgehen, dass damit die Kosten gedeckt sind und noch ein kleiner Betrag für den ­Ehrenamtlichen als Anerkennung für sein Engagement übrig bleibt", argumentiert hingegen Brunet. „Außerdem wäre es ja ein irrer Papier­wust, wenn jeder alle Nachweise eines Monats aufheben und einreichen müsste."

In Deutschland weniger streng
Die balearischen und spanischen Sportverbände wünschen sich eine Sonderbehandlung, wie es sie etwa in der Landwirtschaft oder bei den Hausangestellten gebe. „Wir wollen, dass dem sozialen Aspekt des Ehrenamtlichen-Engagements von Seiten der Politik Rechnung getragen wird", fordert Brunet. Und Miquel Bestard unterstreicht: „Es geht uns nicht darum, das Arbeitsrecht zu umgehen. Aber man möge doch bitte die Besonderheit der Amateur­vereine und ihre soziale Verantwortung berücksichtigen."
Bestard, der „eigentlich kein Anhänger von Streiks und Spielab­sagen" ist, reiste in der vergangenen Woche über die Inseln, beriet sich mit Präsidenten anderer Verbände und berief Info-Versammlungen ein. Am Freitagabend (13.2.) einigten sich die Vertreter zahlreicher Verbände darauf, an einem noch festzulegenden Wochenende den Spiel- bzw. Wettkampfbetrieb in allen Amateursportarten auf den Inseln ruhen zu lassen.

Auch der Fußballverband wolle sich beim Ausstand der anderen Sportarten wieder beteiligen, stellte Präsident Bestard klar. Bereits am vergangenen Wochenende waren die Partien ab der Tercera División (Vierte Liga) abwärts bis in den Jugend­bereich in jeder Halbzeit jeweils eine Minute als Zeichen des Protests unterbrochen worden.

Noch hoffen Verbände und auch der Generaldirektor für Sport der Balearen-Regierung, Javier Morente, auf ein Entgegenkommen der Regierung. „Wir sind optimistisch", sagt Pedro Brunet. „Es kann ja niemandem etwas daran gelegen sein, das ehrenamtliche Engagement auszudünnen." Zumal es in anderen Ländern auch ohne strenge Regulierungen geht. Eine MZ-Anfrage beim bayerischen Fußball-Verband ergab, dass bei den dortigen Amateurvereinen, wie auch anderswo in Deutschland, die Steuerfreigrenze von 2.000 Euro greift. „So lange ein Ehrenamtlicher weniger als diesen Betrag im Jahr bekommt, muss er ihn nicht beim Finanzamt mitteilen. Und bei der Krankenversicherung muss er sich auch nicht anmelden", sagt Philipp Schmatloch, Pressesprecher des bayerischen Fußball-Verbandes. Eine Regelung wie die in Spanien würde auch in Deutschland einen Proteststurm auslösen, so Schmatloch.

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