Gestrandete Delfine und Wale: An Plastiktüten verreckt

2015 sind bislang 23 Exemplare an den Küsten der Balearen gestrandet. Ein Tier hatte den Magen voller Kunststoff

10.10.2015 | 09:01
Gestrandete Delfine und Wale: An Plastiktüten verreckt

Bei einem Tag am Strand sind im Wasser schwimmende Plastiktüten allenfalls störend, selten jedoch ernsthaft gefährlich. Für Tiere aber kann der Müll der Meere lebensbedrohlich sein. Mallorca ist da keine Ausnahme. Am 9. Juli strandete ein toter Delfin in Palmas ehemaligen Fischerviertel Es Molinar. Das Ergebnis der Obduktion: ein Magen voller Plastik. Einige der Tüten hatte das Tier womöglich selbst geschluckt, andere Fetzen stammten wohl aus den Mägen anderer Fische.

„Delfine stehen im Mittelmeer an der Spitze der Nahrungskette. Die Kunststoffteile sammeln sich vom Plankton über die kleinen bis hin zu den größeren Fischen an und landen schließlich im Magen der Meeressäuger", erklärt Gloria Fernández vom Schutzzentrum für Meerestiere des Palma Aquariums. „Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man einen Strand nicht genauso sauber verlassen sollte, wie man ihn vorgefunden hat, sondern noch sauberer", sagt die Biologin.

Durchschnittlich stranden jährlich 33,6 Wale auf den Balearen, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des balearischen Umwelt­ministeriums, an der Fernández mitgewirkt hat. Einen Fall wie den oben genannten hatte sie zuvor nicht erlebt. In diesem Jahr sind bislang 23 Wale und Delfinen an der balearischen Küste gestrandet.– vier lebend, 19 tot. Die große Mehrheit der Tiere werde leblos an die Küste gespült, sagt die Wissenschaftlerin. Erfasst werden diese Fälle seit 1993, systematisch ausgewertet aber erst seit 1998.

Der Bericht zeigt deutlich: Die größte Gefahr für Meeressäuger sind der Mensch und seine Aktivitäten im und am Wasser. Am häufigsten strandeten die Tiere in den viel befahrenen Buchten von Palma und ­Alcúdia. Fischernetze, Schiffsverkehr und zunehmende akustische und chemische Verschmutzung bedrohen die Wale ebenso wie Vireninfek­tionen. Die genauen Ursachen für Verletzungen oder Tod sind dabei selten eindeutig, weil die Tiere bereits stark verwest und die möglichen Faktoren vielfältig sind. Bis heute weiß man zum Beispiel nicht genau, wieso sich im Juni 2014 zwölf junge Streifendelfine in die Bucht von Alcúdia verirrten und dort strandeten.

Fernández und ihre Kollegen haben zwischen 1998 und 2014 insgesamt 571 an der balearischen Küste gestrandete Wale und Delfine gezählt. Einen Anstieg der Zahlen über die Jahre aber belege die Studie nicht, so die Biologin. Die gefundenen Tiere gehörten elf unterschiedlichen Arten an. „Acht sind im ­Mittelmeer heimisch, drei sind gelegentliche Besucher aus dem Atlantik." Der Streifendelfin und der Große Tümmler kommen im Umkreis der Balearen besonders häufig vor und stranden hier auch entsprechend oft: Seit 1993 wurden 264 Streifendelfine und 134 Tümmler gezählt. Die Kadaver der Streifen­delfine werden ­besonders mit den Stürmen von Januar bis April an die balearische Küste gespült – ansonsten sinken sie schon vorab auf den Grund. Beim Großen Tümmler hingegen, der näher an die Küsten schwimmt, lässt sich bei den Strandungen keine besondere Fluktuation zwischen den Monaten feststellen.

Die nächstgrößte Gruppe bilden in der Statistik jene 92 Tiere, deren Art aufgrund ihres fortgeschrittenen Verwesungszustands nicht mehr näher bestimmt werden konnte. „Manchmal finden wir Wale und Delfine, die noch leben, aber so schwer verletzt sind, dass wir ihnen nur noch helfen können, möglichst sanft zu sterben", sagt Gloria Fernández. Eine spezielle Pflege­station hat ihr Team nicht.

Alle auf den Balearen registrieren Arten – zu denen noch Rundkopfdelfine (28), Pottwale (20), Grindwale (13), Finnwale (9), Gemeine Delfine (6) und Cuvier-Schnabelwale (5) zählen – sind vom Aussterben bedroht. Die Daten der Wissenschaftler sollen Aufschluss über den Zustand des maritimen Ökosystems der Balaearen und beim Schutz gefährdeter Arten helfen. Für diesen zeichnet wiederum das balearische Umweltministerium verantwortlich. Für Laien, die gestrandete Tiere finden, gilt indes: „Die 112 anrufen. Die wissen, was zu tun ist", sagt Gloria Fernández.

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