Ein Refugium für die Bienen

„BeeLover Sanctuary": Wie eine Mallorquinerin bei Canyamel der bedrohten Spezies einen Lebensraum sichert

07.04.2016 | 10:36
Versucht unweit des neuen Park Hyatt, Natur zu erhalten: Paquita Rosselló.
Versucht unweit des neuen Park Hyatt, Natur zu erhalten: Paquita Rosselló.

Bienen besuchen

Die zierliche Person im roten Anorak geht zügig voraus, etwas zögerlich folgen ihr die Besucher auf dem Weg zu den Bienenstöcken. Schutzanzüge, wie sie Imker üblicherweise tragen, sind hier nicht notwendig. Im „BeeLover Sanctuary" hat Paquita Rosselló die Schutzzone genannt, die sie auf einem auf dem elf Hektar großen Anwesen s´Heretat bei Canyamel eingerichtet hat. Vorbild für ihr Projekt sind alternative Zucht-Projekte von Imkern aus den USA.

„Für mich ist die abeja nicht bloß Honigproduzentin", sagt Paquita Rosselló, „ihre viel wichtigere Aufgabe ist, dass sie mit der Bestäubung dazu beiträgt, die Artenvielfalt der Pflanzen zu erhalten." Diese sichere auch das Überleben der Bienenbestände, die bekanntlich weltweit in Gefahr sind.

Ökologisches Erbe
Geerbt hat die 48-jährige Mallorquinerin die Finca nebst Bienenstöcken und Imkerausrüstung von ihrem Schwiegervater. Seinen Lebens­unterhalt verdiente der Mallorquiner im nahe gelegenen Marès-Steinbruch. In seiner Freizeit baute er ein Häuschen aus Kalksandstein und genoss es, Pilze zu suchen, Schafe zu hüten, in den Steineichenwäldern Holz zu schlagen und auf den Feldern ökologisches Gemüse anzubauen, lange bevor dies in Mode kam. Angebote, das Land zu verkaufen, lehnte er stets ab. Seiner Schwiegertochter gab der alte Mann die Liebe zu diesem Stück Land mit dem Wunsch weiter, dass sie nach seinem Tod seine Arbeit weiterführe und alles so bliebe, wie es immer war.

Paquita Rosselló nahm das Erbe an, doch dass alles so bleibt, wie es war, genügte ihr nicht. Sie ließ die Felder nicht mehr pflügen und auf den Wiesen alles wachsen, was Lust und Laune hat. Zusätzlich wurden Pflanzen gesetzt, die von Bienen bevorzugt angeflogen werden. Auf dem Weg zu den Bienenstöcken tauchen die ersten Nektarsucher auf. Sie beachten die Besucher in keinster Weise und konzentrieren sich auf das rosafarbene Knabenkraut. Viele Exemplare der Orchidee (Barlia robertiana) wachsen in regelmäßigen Abständen, fast als habe man ihre Standorte mit dem Metermaß festgelegt. Nur noch ganz vorsichtig setzt man die Stiefel auf der Erde, um nichts zu zertreten. Dass hier keine chemischen Mittel zum Einsatz kommen, versteht sich von selbst. Denn Pestizide können ganze Völker töten oder sie so schwächen, dass sie leichte Opfer für Schädlinge sind.

Verzicht auf mehr Honig
Jetzt sind die Bienenkästen erreicht. Sechs bunt bemalte „Beuten", wie man sie auch nennt, stehen unter der ersten Baumreihe eines ausgedehnten Steineichenwaldes (Quercus ilex bot., encina span., alzina kat.). Darin leben 50.000 heimische Honigbienen, die abelles autòctones mallorquines, Nachfahren einer vor Jahren stattgefundenen Kreuzung der abeja ibérica mit der abeja africana. Im Frühjahr und Herbst liefern die schwarzen Inselbienen etwa 200 Kilogramm Honig. Das ist nicht viel – es könnte viel mehr sein –, doch die Mallorquinerin verzichtet bewusst auf mehr Honig und lässt ihn – nach dem Vorbild alternativer Imker – als Nahrung für die Völker. Herkömmliche Züchter holen so viel wie möglich aus den Waben und überbrücken die Hungerzeit mit Zuckerwasser. „Das kann für die Bienen nicht gut sein", sagt sie. Die Schwärme antworteten darauf häufig auch mit Aggressivität. Man müsse sich nur vorstellen, dass sie mit Rauch aus dem mühsam gebauten Zuhause vertrieben werden, um es danach der Vorräte beraubt vorzufinden. Wer würde da nicht ärgerlich werden? Wenn man dagegen wenig Wachs und Honig ernte und die Bienen art- und wesensgerecht halte, entwickelten sich mit der Zeit friedfertigere Arbeiterinnen.

Einsame Wildbienen
Beim Überqueren einer schmalen Straße, die durch das Anwesen führt, folgt eine Biene der Gruppe. Die apicultora (Imkerin) sieht sofort, dass es sich um eine Wildbiene handelt. Über 500 Arten von ihnen gibt es weltweit, viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Fast alle Wildbienen leben solitär, sie produzieren keinen Honig und sammeln den Nektar ausschließlich zur Aufzucht ihrer eigenen Brut.

Die Wildbienen schwärmen schon in kälteren Monaten – also früher als die Honigbienen aus – und sind sehr effiziente Bestäuber, wie beispielsweise von Mandelbäumen und Gemüse. „Sie leben häufig in Erdlöchern, aber auch in Totholz und Trockenmauern", sagt Rosselló, die potenten Bestäuber werden jedoch durch die „Aufgeräumtheit" der landwirtschaftlichen Felder ihrer Behausungen beraubt. Auf s´Heretat gibt es genügend Lebensraum für sie.

Ein Schwarm im Fels
Direkt bei der Straße weist ein Schild mit der Aufschrift „Refugi de fauna" darauf hin, dass die Jagd verboten ist. Nach einem kurzen Wegstück entlang eines Waldes mit Steineichen (Quercus ilex subsp. ballota), die größere Eicheln liefern als die encina, beginnt der Aufstieg zur Felsnase Penya de Sequer. Hier wächst der Balearen-Ragwurz (Ophrys balearica), eine Orchidee, deren Blüten Nektarsuchern zum Verwechseln ähnlich sehen, daneben ganze Horste des endemischen winzigen Alpenveilchens (Cyclamen balearicum) – es ist also wieder Vorsicht beim Auftreten angesagt.

Am Fuß des markanten Felsens fliegen abejas unentwegt durch einen schmalen Schlitz aus und ein, von den Besuchern nehmen sie keine Notiz. Die Felsöffnung ist so eng, dass niemals Honig geerntet werden konnte. „Mein Schwiegervater berichtete, dass in der penya schon immer wilde Bienenvölker lebten", sagt die Mallorquinerin. Dass die wilden Bienen hier nie ausgestorben sind, untermauert die These, dass Schwärme, die unter natürlichen Bedingungen leben, durchaus gesund sein und sich Jahr für Jahr vermehren können. In Bienenkästen dagegen leiden die Tiere weltweit unter der Varroa­milbe und müssen regelmäßig behandelt werden. Wilde Honigbienen vermehren sich auf natürliche Weise. Schlüpft eine neue Königin aus, nimmt sie einen Teil der Arbeitsbienen mit und sucht einen neuen Platz. Das bekommt ihnen besser als eine Selektierung und Teilung durch Imker, denen die immer effizientere Honigproduktion wichtig ist.

Nach dem Abstieg erklärt Rosselló bei einem morschen, hohlen Baumstamm, sie hoffe, dass hier bald ein wilder Schwarm Honigbienen einziehen wird. Derzeit sind dort Wachsreste ausgelegt, sie sollen die Große Wachsmotte Galleria mellonella als Putzkommando anlocken. „Wenn Bienenschwärme wittern, dass eine Behausung von dieser Motte gereinigt worden ist, ziehen sie besonders gerne dort ein."

Seit Menschengedenken
Rosselló ist davon überzeugt, dass in der Umgebung von Canyamel Menschen schon während der Bronzezeit Bienen züchteten. Ganz in der Nähe befindet sich der Talaiot de s´Heretat sowie die prähistorische Siedlung Son Favar. Dort sind kleine Kriegerfiguren gefunden worden. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem fünften und zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. „Die Figuren wurden in Ton gegossen – für die Negativformen benötigte man Wachs", meint die Imkerin. Die penya und die Kultstätten rundherum hätten sie – in Anlehnung an die US-Imker – auf die Idee gebracht, ihr Projekt „BeeLover Sanctuary" zu nennen. Ein schützenswerter Ort, an dem Menschen dazu eingeladen sind, der Symbiose von Bienen und Pflanzen zu begegnen. Denn Rossellós Devise lautet: Nicht eine Person sollte tausend Bienenstöcke besitzen, Tausende von Menschen sollten in ihrem Bienenkasten abejas art- und wesensgerecht dort züchten, wo viele Pflanzenarten wachsen.

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