60.000 Mietwagen müssen reichen

Angesichts der bevorstehenden Rekordsaison könnten auch die Autos für Urlauber knapp werden. Branchenvertreter erwarten dennoch keine Preisexplosion

16.04.2016 | 08:18
Wenn die Leihwagenflotte losrollt, wird es eng auf Mallorcas Straßen.
Wenn die Leihwagenflotte losrollt, wird es eng auf Mallorcas Straßen.

Nicht nur die Hotelbetten und das Wasser könnten auf der Insel in diesem Sommer knapp werden, sondern auch die Mietwagen. „Auf der Tourismusmesse in Berlin Anfang März war das ein viel diskutiertes Thema", sagt Frieder Bechtel, der Pressechef des Vergleichsportals Billiger-mietwagen.de. Der erwartete Rekordandrang sei vor allem den Ausweichtouristen geschuldet, die von Reisen in Krisenregionen wie die Türkei und Tunesien zurückschrecken und stattdessen nach Mallorca kommen.

Dass sich Szenarien wie aus dem Jahr 2009 wiederholen werden, als so mancher Autovermieter ein „Ausgebucht"-Schild an die Tür hängen musste und die Preise auf bis zu 800 Euro pro Woche in die Höhe schossen, glaubt Bechtel dennoch nicht. Damals hätten viele Vermieter ihre Flotte reduzieren müssen, nachdem der deutsche Gebrauchtwagenmarkt infolge der Abwrackprämie zusammengebrochen war und die eigentlich vorprogrammierten Rückverkäufe ins Stocken gerieten. „Als dann die Nachfrage in der Hauptsaison drastisch anstieg, reichte das Angebot nicht mehr aus", erklärt Bechtel.

Auch Antoni Masferrer, der Vorsitzende des balearischen Branchenverbands der Mietwagenfirmen (Baleval-FEBT) sieht der Saison gelassen entgegen. „Die Autos gehen nicht mehr aus, es gibt inzwischen genug." Außerdem sei der angebliche Rekordandrang bisher nur eine Prognose, gibt sich Masferrer skeptisch. „Wie die Saison wirklich gelaufen ist, wissen wir erst im Oktober." Und auch Ramón Reus vom Mietwagenverband Aevab, in dem kleine lokale Unternehmen zusammengeschlossen sind, befürchtet keine nennenswerten Engpässe – wenngleich im Juli und August kaum mehr Luft nach oben sei. „Natürlich könnten wir mehr Autos anschaffen, damit es auch ganz sicher für alle reicht", sagt der Geschäftsführer von Coches Reus. Doch eine inselweite Flotte, die zur Hauptsaison bis zu 60.000 Fahrzeuge zählt, ist in seinen Augen genug. „Mehr hält unsere Insel nicht aus." Zumal die Zustände auf den Straßen schon jetzt grenzwertig seien. „Vergangenen Sommer habe ich eineinhalb Stunden von Pollença nach Formentor gebraucht, das ist ein Unding. Wenn das so weitergeht, sterben wir am eigenen Erfolg."

Dass die Urlauber in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen, um die Insel per Leihwagen zu erkunden, glaubt Reus nicht. „Die Preise werden nicht steigen." Es sei schließlich bekannt, dass man den Geldbeutel vieler Touristen, die auf jeden Cent achten müssen, nicht weiter strapazieren könne.

Auch Estanislao de Mata, Spanien-Chef des Autovermieters Sixt – Testsieger in der Vergleichs­studie der Mallorca Zeitung und des Deutschen Kundeninstituts vergangenes Jahr – gibt Entwarnung. „Die Preise werden nicht explodieren." Um möglichst günstig davonzukommen, empfiehlt er allerdings eine möglichst frühe Buchung. Hierzu rät auch Frieder Bechtel von Billiger-mietwagen.de – denn der signifikanter Preisanstieg von 30 bis 40 Prozent in der „heißen Phase" Ende Juli und Anfang August, wenn alle deutschen Bundesländer Schulferien haben, wird auch in diesem Jahr nicht ausbleiben. Erfahrungsgemäß zögen die Preise vier bis sechs Wochen vor der Hauptsaison an.

Einhellig warnen Bechtel wie auch die Branchenvertreter vor Schnäppchenangeboten, die sich spätestens beim Abholen des Wagens teils um ein Vielfaches multiplizieren. Laut Billiger-mietwagen.de etwa ist der günstigste Kleinwagen für die erste Augustwoche für 94 Euro zu haben (Stand 2.4.). Schließt man jedoch Anbieter mit geringer Kunden­zufriedenheit aus, schnellt der Preis gleich um 120 Euro in die Höhe.

Doch warum werden die angeblich unseriösen Unternehmen überhaupt aufgeführt? „Weil es andere Portale auch tun und die Kunden portalübergreifend vergleichen", sagt Frieder Bechtel. „Und dabei blenden sie oft aus, dass man für so wenig Geld nichts Rechtes bekommen kann."

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