Eurowings: "Mit Palma kann man nichts falsch machen"

Manager Dieter Watzak-Helmer über die neue Basis, die Anmietung von Air-Berlin-Fliegern und warum er weiterhin im Cockpit sitzt

08.04.2017 | 02:30
Immer häufiger in Palma zu Gast: ein Airbus A330 von Eurowings aus ungewöhnlicher Perspektive.

Alles im Wandel auf Palmas Airport: Air Berlin hat seine Mallorca-Flüge an Niki abgegeben, es wird weiter an einer neuen Ferienfluggesellschaft unter dem Dach von Etihad gebastelt, und Eurowings baut seine Präsenz in Son Sant Joan aus. Der Lowcost-Carrier von Lufthansa mietet 33 Air-Berlin-Flieger inklusive Crew an („Wet-Lease") und eröffnet nach Easyjet nun eine eigene Basis auf Mallorca. Auch Dieter Watzak-Helmer sitzt beim Anflug auf Palma ab und zu noch im Cockpit. Der Pilot und Geschäftsführer von Eurowings Europe war am Montag (3.4.) zu Gast beim ersten Treffen des Travel Industry Club in der Ascenso-Akademie für Business und Medien in Palma.

Auf Palmas Airport werden derzeit die Karten neu gemischt. Muss man jetzt als Airline besonders schnell Position beziehen?
Definitiv. Es ist unser Anspruch, Marktführer zu sein – vielleicht nicht in jedem Detailmarkt, aber grundsätzlich.

Was heißt das in Zahlen für den Standort in Palma?
Wir hatten vergangenes Jahr in Palma 1,2 Millionen Passagiere. Der Plan ist, dieses Jahr um gut 200.000 zuzulegen. Damit sind wir natürlich noch nicht Marktführer. Wir werden hier aber vier Flugzeuge stationiert haben und 16 Ziele in Deutschland sowie 4 in Österreich anfliegen. Das sind 256 Hin- und Retourflüge in der Woche.

Wann werden diese vier Flieger in Palma stationiert?
Die zwei Maschinen, die Air Berlin für uns im Wet-Lease fliegt, sind bereits im Einsatz. Am 25. Mai wird dann Eurowings Europe das erste eigene Flugzeug hier stationieren, am 2. Juli folgt dann das zweite.

Sprechen wir also von einer Eröffnung oder einem Ausbau der Basis in Palma?
Im Sinne von stationierten Maschinen und Crews wird das eine Eröffnung sein. Air Berlin hat zwar zwei Flugzeuge hier, allerdings ohne hier stationierte Crews.

Wie viel Air Berlin steckt denn beim Wet-Lease in Eurowings?
Die Qualität und die Expertise von Air Berlin stecken auf jeden Fall noch drin – das ist schließlich ein gewachsener, seriöser Flugbetrieb. Das ergänzt sich mit Eurowings. Was das Erscheinungsbild angeht: Ich bin zum Beispiel jetzt mit Eurowings von Wien nach Palma geflogen, da hatte die Crew noch Air-Berlin-Uniformen an. Es dauert eben seine Zeit, bis man tausend Mitarbeiter umgekleidet hat. Inzwischen sind 17 der 33 Flieger umlackiert, der Rest folgt nach und nach. Am Ende werden Produkt und Erlebnis für den Passagier gleich sein, egal, auf welcher Plattform es betrieben wird. Auf anderem Wege, also organisch, wäre dieses Wachstum nicht machbar.

Die Mallorca-Passagiere von Air Berlin hatten sich zum Teil stark mit der Marke identifiziert. Wie wichtig ist das noch angesichts des immer stärkeren Preiskampfes auf den Mallorca-Strecken?
Im Mittel- und Kurzstreckensegment ist vor allem die Preissensibilität ausschlaggebend. Danach kommt lange nichts.

Warum dann das aufwendige Umlackieren und Umkleiden?
Das wäre durchaus eine Überlegung wert. Aber wir wollen ja schließlich ein einheitliches Produkt liefern und einen Wiedererkennungswert erzielen. Beim Autokauf bevorzugen Kunden auch bestimmte Marken, auch wenn die Fahrzeuge mitunter die gleiche Plattform haben.

Wie viel Wachstumspotenzial sehen Sie außerhalb der Hauptsaison in Palma?
Wir merken schon, dass die Übergangszeit stärker wird – im April nach Palma zu fliegen, das ist durchaus gängig. Über die Möglichkeit von mehr Aktivität im Dezember oder Januar bin ich mir nicht sicher. Aber vielleicht wird es ja auch für die Mallorquiner interessant, den Schnee und die Weihnachtsmärkte zu besuchen.

Mallorquiner und deutsche Insel-Residenten fliegen auch gerne aufs Festland...
Das ist momentan für uns kein Thema. Zum einen ist der Markt sehr voll – da geht ja fast alle drei Minuten ein Flieger. Zum anderen gibt es für uns eine bürokratische Hürde bei innerspanischen Flügen etwa durch Fragen der Lohnsteuer – wir sind schließlich eine österreichische Firma mit einer Betriebsstätte in Spanien. Da müsste es schon einen starken wirtschaftlichen Anreiz geben.

Der Luftverkehr in Europa kämpft mit Überkapazitäten. Sehen Sie die Gefahr, dass der jetzige Ansturm der Airlines auf Palma für eine Blase sorgt?
Im Moment kann man mit Palma nicht viel falsch machen. Aber man weiß nicht, inwieweit sich Reiseziele wie die Türkei in der Zukunft wieder erholen werden und eine touristische Völkerwanderung dorthin stattfinden könnte.

Sie sind weiterhin als Pilot tätig – füllt Sie der Job als Geschäftsführer denn nicht aus?
Wir sind zwei Geschäftsführer. Ich bin zuständig für Flugbetrieb oder Crewtraining, mein Kollege Robert Jahn für den administrativen Bereich. Es macht durchaus Sinn, sein Ohr an der Front zu haben. Es ist etwas anderes, ob man selbst noch fliegt oder etwas durch Berichte erzählt bekommt. Das ist ein Mehrwert, da geht es weniger darum, ob es mir noch Spaß macht.

Und, was sagt die Front?
Zum Beispiel, dass das Fliegen auf Direktverbindungen schon viel Konfliktivität nimmt. Im Vergleich zu Netzwerken ist es einfacher, pünktlich zu sein.

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