Seit März diesen Jahres verfügt die Stadt Llucmajor über ein neues und vielversprechendes kulturelles Schwergewicht: das Centre International de la Fotografie Toni Catany (CIFTC). Die Stiftung, vom Namensgeber kurz vor seinem Tod 2013 ins Leben gerufen, stellt sich die Aufgabe, nicht nur das umfangreiche fotografische Werk Catanys zu sichern und zu präsentieren, sondern will gleichzeitig auch ein Ort des kulturellen Austausches sein und die Sparten Fotografie, Tanz, Musik, Architektur, Malerei, Skulptur, Poesie und Kino miteinander verbinden: Transferenzen (Transferències). Ein ambitioniertes Vorhaben, das für zehn Jahre vom Inselrat finanziell abgesichert wurde. Der Neubau in hochwertiger Architektur auf mehreren Ebenen gibt das allemal her.

Am Samstag, den 17. Juni, begann diese Reihe mit einem Konzert des international renommierten und insbesondere auf den Balearen bekannten Jazz-Musikers Marco Mezquida (Maó, 1987). Mezquida, der mehrfach zum "Musiker des Jahres" in Katalonien gewählt wurde, hatte 2022 in München mit seinem Trio den BMW Welt Jazz Award gewonnen, nicht nur für seine Improvisationen, sondern auch für seine Kompositionen für Theater und Kurzfilm. Trotz seiner jungen Jahre ist der Menorquiner ein Star.

Hervorragend, glasklar und tragend

Der multifunktionale, offene Saal im Untergeschoss des Centre war bis auf den letzten Platz besetzt. Wir lehnten uns alle zurück und richteten uns auf Hören ein. Die Akustik erwies sich als hervorragend, glasklar und tragend. Aber es gab auch zu sehen: zur Musik wurden Fotos von Toni Catany (Llucmajor, 1942 - 2013) projiziert. Es waren die männlichen Akte von Tänzern der Serie "Somniar Déus", die vor fünf Jahren in der Ca Sa Nostra in Palma ausgestellt waren.

Catany hat die Tänzer in Trainingsposen fotografiert, in weichgezeichnetem Schwarz-Weiß, manchmal auch mit leichtem Stoff verhüllt, er folgt muskulösen Linien durch Licht und Schatten.

Der menorquinische Pianist Marco Mezquida beim Konzert in der Fundació Toni Catany Pep Dengra

Flirrende Läufe

Dazu improvisierte Mezquida - übrigens mit geschlossenen Augen - mit beeindruckender Virtuosität, erforschte die Register des Klaviers in flirrenden Läufen, konturiert durch gelegentliche Kontrapunkte in den Bässen. Wie ein erst plätschernder, dann rauschender Bach ergoss sich eine Klangflut, die nach einem langen Bogen allmählich verebbte. Die wechselnden Akte im Hintergrund lenkten eher ab und wollten auch nicht so recht dazu passen. In einer zweiten Abfolge begleiteten Fotos der Serie "Cossiols" das Konzert. Wie improvisiert man zu einem Kaktus? Mezquida führte es brillant vor.

Die erste Veranstaltung von "Transferències" des CIFTC weckt Hoffnungen und macht Lust auf Weiteres. In Llucmajor hat eine neues Kulturzentrum seine ersten Strahlen ausgesendet.