13. September 2018
13.09.2018

Wieder Badeverbot in Palma de Mallorca: die Schlammschlacht ums Abwasser

Parlamentsstreit, Demo, Strafanzeige: Die Probleme mit der Einleitung von Fäkalwasser in die Bucht spitzen sich zu

13.09.2018 | 10:48
Rote Flagge: Es gilt wieder Badeverbot.

Nach einem Wolkenbruch am Donnerstagmorgen (13.9.) sind die Stadtstrände von Palma de Mallorca erneut gesperrt worden. Da wieder ein Gemisch aus Regen- und Abwasser in die Bucht von Palma de Mallorca gelangte, wurde in Can Pere Antoni und Ciutat Jardí die Rote Flagge gehisst. Es ist das inzwischen achte Mal innerhalb weniger Wochen.

Die stinkende Brühe schwappte zuletzt auch ins Balearen-Parlament – zumindest sprichwörtlich. Als sich Linksregierung und Oppositionsparteien am Dienstag (11.9.) ihre erste Redeschlacht nach der Sommerpause lieferten, spielte die Einleitung von Abwässern in die Bucht von Palma eine zentrale Rolle. Die beiden politischen Lager machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, dass nach praktisch jedem Regenfall die Kläranlage von Coll d'en Rabassa überlastet ist und Badeverbote an den Stadtstränden ausgesprochen werden.

Die Lesart der konservativen Volkspartei (PP): Die Linksparteien hätten Projekte zur Modernisierung von Kanalisation und Kläranlagen, die man vor 2015 auf den Weg gebracht habe, nach dem Machtwechsel verschleppt und setzten Mallorcas Image als Reiseziel aufs Spiel. Die sozialistische Ministerpräsidentin Francina Armengol konterte, dass der frühere Umweltminister und heutige PP-Vorsitzende Biel Company diverse Projekte nicht vorangebracht habe. Man arbeite sich seit dem Regierungsantritt an vererbten Infrastrukturproblemen ab, seit 2015 seien 100 Millionen Euro in Wasserversorgung und -aufbereitung geflossen.

Das Problem ist alles andere als neu, doch es war nie so sichtbar an den Stränden oder dominierte die politischen Debatte derart wie in diesen Tagen. Eine Bürgerinitiative ruft angesichts des Dauerproblems zu einer Protestkundgebung auf. Und der Dachverband der Anwohnervereinigungen will den Fäkal-Ärger bei der Staatsanwaltschaft wegen Verstößen gegen Umweltauflagen anzeigen. Diese hatte bereits von sich aus Vorermittlungen eingeleitet.

Zwischenfälle schon seit Jahren

Auch wenn der Abwasserskandal derzeit der Opposition Munition im politischen Streit liefert, zeigt die Statistik, dass die Fäkalien vor den Zeiten der Linksregierung praktisch ebenso häufig ins Meer flossen – damals aber noch keine öffentliche Debatte nach sich zogen. Zwar liegt die Zahl der Zwischenfälle an Palmas Stadtstränden seit Jahresbeginn mit 40 schon jetzt über dem Wert des Vorjahres, wobei sich14 davon während der Badesaison ereigneten. Doch in den Jahren davor sah es nicht wirklich besser aus: Mit Ausnahme von 2014 war seit 2012 jedes Jahr die Marke von 40 Zwischenfällen erreicht worden. Der Unterschied: Vor dem Regierungswechsel im Rathaus 2015 wurde nur selten ein Badeverbot ausgesprochen, in manchen Jahren sogar kein einziges Mal.

Vor diesem Hintergrund platzte Bürgermeister Antoni Noguera jetzt der Kragen. In einem offenen Brief warf er der PP vor, trotz vergleichbarer Zwischenfälle während ihrer Regierungszeit die Badegäste nicht vor Verunreinigungen gewarnt zu haben. PP-Sprecherin Margalida Durán wies dies als „unkonkret und unbewiesen" zurück, die Wasserqualität sei gut gewesen. Dass sich spätestens 2015 die Probleme verschärften, dafür spricht zumindest der Entzug des Gütesiegels der Blauen Flagge an den Stadtstränden im Jahr 2016: Die Wasseranalysen waren im Vorjahr genommen worden.

Die Linksregierung wird ihre Argumente erst mal weiter parat haben müssen, nicht nur wegen anhaltender Wolkenbrüche. Für Ende kommender Woche ist die erste Protestkundgebung gegen das Ekel-Wasser angekündigt, der von den Anwohnervereinigungen initiierte Marsch soll sich am Freitag (21.9.) ab 17 Uhr ab Ciutat Jardí in Bewegung setzen. Die Initiatoren fordern den Rücktritt der Leiterin von Palmas Stadtwerken, Neus Truyol. Und auch die Oppositionspartei Ciudadanos schießt scharf: Der unlängst beschlossene Schutz der Poseidongraswiesen sei ein Manöver, um von eigenen Umweltdelikten abzulenken, so Ciudadanos-Abgeordnete Olga Ballester.

Die Projekte zur Lösung der Probleme sind unterdessen längst geplant, ihre Umsetzung aber lässt auf sich warten. So soll für knapp 7,2 Millionen Euro ein Rückhalte­becken mit einer Kapazität von 25.000 Kubikmetern für die Kläranlage von Coll d'en Rabassa gebaut werden, weitere 19 Millionen Euro sollen für den Bau einer 3,2 Kilometer langen Rohrleitung fließen, die vom Innenstadtring bis zur Kläranlage reicht. Das spanische Umweltministerium will zudem rund 80 Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung der Anlage investieren.

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