14. Februar 2019
14.02.2019

Experten-Gipfel: So analysiert Mallorca den Sauftourismus

Die Fakten sind bekannt, jetzt trafen sich erstmals 80 Vertreter aus zehn Ländern, um nach Lösungen zu suchen

14.02.2019 | 10:09
Fotogalerie: Exzesse an der Playa de Palma

Wie stoppt man den Sauftourismus auf Mallorca und an anderen Orten? Es ist nicht so, als habe man sich darüber bisher noch keine Gedanken gemacht, nicht das eine oder andere versucht. Aber wie jeder merkt, der sich speziell im Sommer in die neuralgischen Ecken der Insel begibt, hat das bisher wenig gefruchtet. Sicher auch aufgrund höchstens halbherzig verhängter Sanktionen etwa an der Playa de Palma und in Magaluf.

Seit Mittwoch (13.2.) besteht ein wenig Hoffnung, dass sich zumindest mittelfristig tatsächlich etwas ändern könnte. Auf Einladung des Centre Balears Europa und der Balearen-Regierung kamen rund 80 Vertreter verschiedenster politischer Institutionen, Unternehmen aus der Tourismus-Branche und dem Nachtleben, Sicherheitskräfte und Vertreter von NGOs aus zehn Ländern in der Hotelfachschule der Balearen-Uni zusammen, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Schnell war klar: Das Phänomen Sauftourismus ist äußerst vielschichtig, es gibt keine einfachen Antworten. Der erste Gipfel dieser Art muss deshalb wohl eher als Auftakt möglicherweise einer Reihe von ähnlichen Veranstaltungen verstanden werden. Die Teilnehmer sprachen offen, was vor allem daran lag, dass keiner von ihnen Sorgen haben musste, dass er später in den Medien zitiert würde. Die beiden zweistündigen Diskussionsrunden liefen nach den Regeln des „Chatham House" ab, nach denen zwar die Inhalte des Gesagten nach außen getragen werden dürfen, nicht aber, wer es gesagt hat. Vor allem Polizisten konnten somit ungeschönt von ihrer Arbeit in den Touristenhochburgen berichten.

So kamen konkrete Forderungen auf den Tisch, wie etwa, dass den Alkohol-Lockangeboten ein Riegel vorgeschoben werden muss. Vor allem die Politik sei gefordert, Angebote wie etwa die „Happy Hour" oder „zwei Drinks zum Preis von einem" zu unterbinden. Man könne hier nicht nur die Hotels und Bars in die Pflicht nehmen, sondern vor allem auch die kleinen Läden in den Urlauberhochburgen, „die sich eine goldene Nase mit dem Verkauf von Unmengen billigen Alkohols verdienen", wie ein Teilnehmer sagte.

Bereits bei der Eröffnung des Treffens hatte Ewa-May Karlsson, Mitglied des Europäischen Ausschusses der Regionen, höhere Preise für Alkohol gefordert. Das darf auch zitiert werden: „Einige Länder sind ja bereits aktiv geworden, vor allem in Nord- und Westeuropa, und schlagen zusätzliche Steuern auf die alkoholischen Getränke auf. Dadurch verringert sich automatisch die Möglichkeit für junge Menschen, an diese Getränke zu kommen", sagte sie. Gleichzeitig werde weltweit zu wenig gegen den Alkoholkonsum getan. „Die Alkoholstrategie der EU ist 2013 ausgelaufen und wurde bis heute nicht neu definiert. Und die Strategie der WHO läuft im kommenden Jahr aus", mahnte Karlsson.

Mehrfach zu hören war die Forderung an die Polizei, mehr Präsenz zu zeigen. Allerdings herrschte auch große Einigkeit bei der Einschätzung, dass das Thema nicht allein durch mehr Strafen und Kontrollen vor Ort in den Griff zu bekommen sei. Bereits auf dem Flug von den Herkunftsländern zum Urlaubsziel würden sich viele Touristen betrinken. Deshalb müsse endlich der Alkoholkonsum an Bord verboten oder deutlich strenger überwacht werden. Einer der Teilnehmer kritisierte die „absurde Abwägung", die Schäden durch Alkohol mit den wirtschaftlichen Einbußen bei strengeren Kontrollen oder höheren Preisen gleichzusetzen. „Denn die Einzigen, die hier Druck machen und eine Lobby haben, sind die, die mit dem Alkohol Geld verdienen."

Die Teilnehmer übten auch Selbstkritik. Seit vielen Jahren lägen Daten über das Treiben – über den Alkoholkonsum und sexuelle Aktivitäten – der Urlauber vor, doch getan habe sich wenig, kritisierte eine Anwesende.

Und so endete der Tag ohne konkrete Handlungsanweisungen, aber zumindest mit dem Gefühl, dass endlich alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Zeit wird zeigen, ob es mehr als schöne Worte waren.

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