02. September 2020
02.09.2020
Mallorca Zeitung

Finca-Urlaub auf Mallorca mit 100 Prozent Stornogebühren trotz Reisewarnung

Es gelten die Vertragsbedingungen. Die vom Verband empfohlene Kulanz wollen nicht alle Anbieter gelten lassen, wie eine Familie gegenüber der MZ berichtet

02.09.2020 | 16:52
Vielen Fincaurlaubern auf Mallorca hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Während nur noch wenige Hotel-Gäste nach Mallorca kommen, steht bei gebuchten Finca-Urlauben auf der Insel gerade für viele potenzielle Besucher aus Deutschland die Frage im Raum, ob sie die Reise antreten sollen oder nicht. Dabei werden gesundheitliche, wirtschaftliche, rechtliche und vielerlei persönliche Aspekte abgewogen. Bleibe ich auf den Kosten sitzen, wenn ich die Reise storniere? Wie läuft die Quarantäne nach der Rückkehr? Und was passiert, wenn ich im Urlaub krank werde?

Mit diesen und anderen Fragen wandte sich zum Beispiel Sabine Hesse an die MZ, weil ein unmittelbar bevorstehender Finca-Urlaub vermutlich wegen der Covid-19-Pandemie ins Wasser fällt und sie befürchtet, nichts von dem Geld zurückzubekommen. Denn im Gegensatz zu Pauschalreisen oder gebuchten Hotelaufenthalten hängt es bei Ferienvermietern von der jeweiligen Kulanz der Vermieter und ihren Agenturen ab, ob und zu welchen Konditionen man kurzfristig stornieren oder umbuchen kann.

"Als die Grenzen während des Alarmzustands geschlossen waren, konnte man nicht reisen, und bei Stornierungen sind die Vermieter auf Mallorca leer ausgegangen und bereits geleistete Anzahlungen mussten zurückgezahlt werden", erklärt Jordi Cerdó,Vorsitzender des Ferienvermieter-Verbands auf Mallorca am Mittwoch (2.9.) gegenüber der MZ. Nun sei die Situation anders. Es gebe "lediglich eine Empfehlung", nicht nach Mallorca zu kommen. "Es gibt Flüge, die Grenzen sind nicht zu. Wenn der Kunde jetzt nicht kommen will, zum Beispiel, weil er sich vor Ansteckung fürchtet, dann ist es eine freie Entscheidung des Kunden", so Cerdó. Deshalb gelten die normalen Klauseln, die im jeweiligen Mietvertrag stünden. "In vielen Fällen werden laut Vertrag bei kurzfristiger Stornierung ein großer Teil oder die gesamten Kosten einbehalten", so Cerdó.

Damit in dieser Situation nicht eine Seite alles verliert, empfiehlt der Verband seinen Mitgliedern - also den Fincavermietern - bei Stornierung die Hälfte des Geldes zurückzuzahlen oder für einen Urlaub im kommenden Jahr in Form eines Gutscheines anzurechnen. Auf dieses Angebot bestehe aber von Seiten der Kunden kein Rechtsanspruch, es handle sich um Kulanz. "Am Ende gilt, was im Vertrag steht. Und da hat jede Agentur ihren eigenen Vertrag. In Zukunft wird man diese Klauseln sicherlich eindeutiger formulieren, und alle werden das Kleingedruckte lesen, das vorher oft ungelesen blieb", meint Cerdó.

Dass nicht alle Vermieter dem Verband angehören oder auf dessen Empfehlungen hören, bekam Familie Hesse zu spüren. Von den 4.500 Euro, die sie im Voraus für 16 Tage auf einer Finca bei Muro gezahlt hatte, sollen sie nun keinen Cent zurückbekommen. Der über Expedia bei der Agentur Villafinca gemietete Aufenthalt sollte am Sonntag (7.9.) beginnen. Im Vertrag steht die Klausel, dass bei einer Stornierung nach dem 1. August hundert Prozent Stornogebühren anfallen. Auf Nachfrage der MZ erklärt Villafinca: "Jedes Portal und jeder Verkaufskanal bietet zu jedem Zeitpunkt unterschiedliche Stornobedinungen an. Es gibt Portale, die bis 48 Stunden vor Ankunft kostenlos storniert werden können", so Villafinca. "Letzlich sind die Verkaufsbedingungen dynamisch und passen sich dem Markt an." Jeder Kunde habe die Möglichkeit, zusätzlich eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Wenn der Kunde am Ende nicht kommen wolle und es "keinen Alarmzustand und keine Ausgangssperre gibt, wenden wir die üblichen Vertragsbedingungen an", so Villafinca.

Das Risiko seien sie beim Buchen vor einem Jahr eingangen, erklärt Hesse. Aber man habe ja nun nicht aus freien Stücken storniert. Der Eurowings-Flug von Hannover nach Palma sei in den vergangenen Tagen "sieben Mal" hin- und herverschoben worden. "Jeden Tag gab es eine neue Uhrzeit, und jetzt sollen wir sogar von Hamburg fliegen, aber nach Hannover zurückkehren", sagt die Hildesheimerin. Da man einen Rollstuhlfahrer dabei habe und auf das Auto angewiesen ist, führe das zu Problemen. "Am liebsten würden wir die Reise einfach auf das nächste Jahr verschieben, das wäre eine gute Lösung", sagt sie. Aber wenn man in solch einem Falle "so alleine gelassen wird", wolle man sicherlich nicht wieder auf die Insel reisen. Selbst der über die Reiseagentur Schauinsland gebuchte Flug lasse sich nicht mehr kostenlos stornieren, weil es zumutbar sei, von einem anderen Flughafen zu starten.

Die Angst vor Ansteckung hält Cerdó indes für übertrieben. "Auf Fincas ist man unter sich. Bislang hat es noch keine Ansteckung gegeben", so Cerdó. Auch das Argument, dass im Falle einer Quarantäne auf der Insel unvorhersehbare Kosten auf die Urlauber zukämen, will er nicht gelten lassen: "Touristen, die sich auf Mallorca anstecken oder in Quarantäne müssen, kommen in ein Hotel, das von der Balearen-Regierung bezahlt wird", versichert er.  /tg

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