21. September 2018
21.09.2018

Mallorcas neuer Radsportstar Enric Mas wurde vom Moppelchen zum Helden

Der Mallorquiner hat mit dem zweiten Platz bei der Vuelta a España einen Achtungserfolg geholt. Experten ziehen bereits erste Vergleiche zur spanischen Legende Alberto Contador

21.09.2018 | 01:00
Gewonnen: Enric Mas siegte bei der vorletzten Etappe.

Wäre die Karriere von Enric Mas ein Videospiel, hätte der Mallorquiner das nächste Level erreicht. „Im nächsten Rennen wird er zu den Favoriten zählen", schrieb die spanische Zeitung „El País" nach dem zweiten Platz des 23-Jährigen bei der Vuelta a España. „Er wird kein Fahrer mehr sein, der sich ungestört und geräuschlos abseits des Scheinwerferlichts bewegt." Enric Mas gehört ab sofort zu den großen Namen in der Radsportwelt. Das Ziel sind nun nicht länger Etappensiege, sondern Trophäen bei den großen Touren.

Der Radprofi aus Artà sollte um eine gute Platzierung in der Gesamtwertung kämpfen. Das hatte sein Rennstall Quick Step-Floors vor der Spanien-Rundfahrt als Marschroute ausgegeben. Dass es bei der zweiten Teilnahme des Mallorquiners bei einer der drei großen Radrennen der Welt zum Sprung auf das Podium reicht, kommt überraschend. Die erste Rennwoche fuhr Mas den Führenden noch hinterher. Beim ersten Ruhetag in der zweiten Woche lag er mit Fieber flach. „Es war gut, dass am Tag darauf mit einem Sprint eine kurze Etappe folgte. Bei einer Route über die Berge hätte ich wahrscheinlich aufgeben müssen", sagte Mas bei einer Pressekonferenz. In der dritten Woche kam er zurück – und wie. „Meine Leistung hat mich selbst etwas überrascht." Die Radsportprominenz um Nairo Quintana oder Alejandro Valverde konnte mit dem Jungspund nicht mithalten. Enric Mas wurde klar: Da geht was! „In der letzten Woche habe ich mich dann schon auf dem Podium gesehen."

Das Highlight war der Sieg auf der vorletzten Etappe in den Bergen Andorras, die seit ­diesem Jahr die Wahlheimat von Mas zum Training sind. Einzig der Brite Simon Yates (Mitchelton-Scott) verhinderte den totalen ­Triumphzug des Mallorquiners und brauchte in der Gesamtwertung eine Minute und 46 Sekunden weniger. Das Podium komplettiert der Kolumbianer Miguel Ángel López (Astana Pro Team). Mit einem Alter von gemeinsam 73 Jahren sind die Radprofis die jüngsten Sieger der Vuelta seit 1936. „Früher haben die Profis mit 26, 27 Jahren die großen Touren gewonnen. Das verschiebt sich langsam", sagte Mas.

Der ehemalige Radprofi Antonio Colom hat das Talent von seinem Cousin Enric Mas früh erkannt. „Als Kind war Enric ein Moppelchen. Er hat aber schnell gelernt, dass er auf sein Gewicht achten muss", sagte Colom der Sportzeitung „As". Er nahm seinen damals 15-jährigen Cousin in ein Hochleistungszentrum auf, in dem er als Trainer fungierte. „Er hat uns beim ersten Test beeindruckt. Bei einer kardiologischen Untersuchung haben wir festgestellt, dass Enric bereits damals das Herz eines erwachsenen Ausdauersportlers hatte. Das hatte ich noch nie zuvor gesehen."

Diese körperlichen Voraussetzungen ermöglichten es Mas, ohne große Vorlaufzeit im Profiradsport durchzustarten. Der 23-Jährige fährt seit der vergangenen Saison in der erstklassigen UCI World Tour mit und überzeugte meist in den Wertungen der Nachwuchsfahrer. Diese gewann er in diesem Jahr bei der Baskenland-Rundfahrt und der Tour de Suisse.

Nach dem zweiten Platz bei der Vuelta wird Mas schon mit dem erfolgreichsten spanischen Radsportler Alberto Contador verglichen. „Ich kann es verstehen, wenn die Leute in mir den neuen Alberto Contador sehen. Aber ich bin einfach nur Enric, ein 23 Jahre alter Junge, der in den vergangenen Jahren viel Spaß an dem Sport hatte. Wenn ich nur die Hälfte der Titel von Contador gewinnen würde, wäre ich schon glücklich", sagte Mas der Zeitung „Marca". Der Vergleich hinkt nicht. Contador war es selbst, der Mas mehr oder weniger als seinen Nachfolger auserkoren hat. Er nahm ihn 2013 in seine Nachwuchsakademie auf und später auch mit ins Trainingslager ­seines damaligen Teams Tinkoff. „Enric Mas kann eine Ära im spanischen Radsport prägen", sagte Contador bereits 2017. „Er ist der perfekte Fahrer für ein dreiwöchiges Rennen. Er ist jung und hat einen leichten Körper, der dennoch stark genug ist, um beim Zeitfahren mitzuhalten. Er hat eine gute Technik und kann sich beeindruckend schnell von den Strapazen erholen. Es macht mich stolz, dass er in meiner Akademie angefangen hat."

Enric Mas ist bereit für den Endgegner des Videospiels. Ein erneuter Start bei der Vuelta reizt den Mallorquiner nicht sonderlich. „Jetzt will ich die Tour de France fahren." Dort würde er auf den britischen Ausnahmefahrer Chris Froome treffen, der bei der Vuelta nicht teilgenommen hat. „Sollte seine Karriere nicht durch Stürze ins Stocken geraten, ist die Frage nicht, ob Enric die Tour de France gewinnen kann, sondern wann er sie gewinnen wird", ist sich Antonio Colom sicher. Als Kletterer, also ein Spezialist der Bergetappen, ist Enric Mas prädestiniert für einen Sieg in der Gesamtwertung.

Eine weitere Frage ist, ob der Mallorquiner dann weiter für den belgischen Rennstall Quick Step-Floors fährt oder zu den Branchenriesen Movistar oder Sky wechselt. Sein Vertrag läuft noch bis 2019. „Ich fühle mich im Team wohl und das Material ist perfekt für mich", sagte Mas. „Allerdings würde es mir gefallen, wenn ein weiterer starker Kletterer im Team wäre."

Bei allen Ambitionen muss Enric Mas nun erstmal einen Schritt zurückgehen. Bei der am Samstag (22.9.) in Innsbruck startenden Straßen-WM muss sich der 23-Jährige im spanischen Team mit der Helferrolle für Alejandro Valverde begnügen. „Es ist bekannt, dass Valverde in diesen Rennen nie versagt. Ich habe kein Problem damit, für ihn zu arbeiten." Es könnte das letzte Mal sein, dass der Mallorquiner den Handlanger gibt. Denn schon bald dürfte er der Superstar sein.

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