Verbot von Saufgelagen auf Mallorca: zehn Fragen, zehn Antworten

Regelwerke an der Playa de Palma - das ist der aktuelle Stand

23.06.2016 | 20:15
Trinkgelage auf der Playa de Palma.
Trinkgelage auf der Playa de Palma.

1. Was wurde eigentlich verboten?

Untersagt ist an der Playa de Palma laut dem Beschluss von Palmas Stadtverwaltung vom 3. März nicht nur der Alkoholkonsum auf offener Straße, sondern auch der Verkauf von alkoholischen Getränken zwischen Mitternacht und acht Uhr morgens in Geschäften, Automaten sowie durch fliegende Händler.

“Wir wollen das Feiern nicht verbieten”, stellte Tourismusminister Biel Barceló auf der Tourismusmesse ITB im März klar. In all den Bars und Diskotheken sei das weiterhin uneingeschränkt möglich. Nur auf der Straße und am Strand müsse es künftig eben gesitteter zugehen – damit sich auch Familien und ruhesuchende Urlauber wohl fühlen. Mit ein bisschen gesunden Menschenverstand verstehe sich das doch eigentlich alles von selbst.


2. Ist das Verbot wirklich neu?

Jein. Es handelt sich um eine Verordnung der Stadt Palma (die Playa de Palma gehört größtenteils zum Stadtbezirk), die bereits unter der Mitte-Linksregierung der sozialistischen Bürgermeisterin Aina Calvo (2007-2011) beschlossen worden war. Diese Verordnung von 2010 sieht vor, sogenannte Interventionszonen festzulegen, in denen Alkoholkonsum auf offener Straße verboten ist. Das geschah bereits in der Vergangenheit mit großem Erfolg am Paseo Marítimo in Palma, wo sich in der Vergangenheit zuweilen Tausende Einheimische die Kante gaben. In diesem Sommer werden nun neue Interventionszonen festgelegt, darunter an der Playa de Palma.


3. Wurden die Benimmregeln nicht gerichtlich gekippt?

Genau. Aber es gibt ja genügend andere Regelwerke. Nachdem Anfang des Jahres ein Gericht die seit 2014 gültige Verordnung für ziviles Miteinander (“Benimmregeln”) der konservativen PP-Regierung in Palmas Rathaus (2011-2015) für nichtig erklärt hatte, wurde die vorher gültige Verordnung (siehe Punkt zwei) wieder reaktiviert und erweitert.

Die heute regierenden Linksparteien wollten die Benimmregeln ihrer konservativen Vorgänger sowieso einkassieren – aber nicht wegen des Alkoholverbots (da ist man sich sogar einig), sondern der Beschneidung öffentlicher Bürgerrechte wie Versammlungsfreiheit oder Auflagen für Straßenmusiker. In den Benimmregeln ging es nämlich nicht nur um das Benehmen am Strand, sondern es handelte sich um einen umfassenden Normenkatalog.


4. Welche Strafen drohen?

Theoretisch sind Geldbußen von 1.500 zu 3.000 Euro möglich. Das ist deutlich mehr als bisher: Die in den vergangenen zwei Jahren angewandten Benimm-Regeln sahen Strafen von bis zu 200 Euro vor.


5. Werden diese Strafen auch verhängt?

Anscheinend schon. Die Stadt hatte zunächst auffällige Warnschilder aufgestellt und über die Medien ausführlich informiert. Spätestens seit Mitte Juni stellen die Ortspolizisten Hunderte von Strafzetteln aus. Ob, wann und in welcher Höhe diese Bußgelder tatsächlich fällig werden, wird sich noch herausstellen. Die Polizei hofft, dass sich die Strafen schnell herumsprechen und so abschreckend wirken.

In den vergangenen Jahren war auch zu beobachten, dass sich bei ähnlichen Ankündigungen Saufgelage von der Promenade, wo das Polizeiaufgebot deutlich höher ist, in dahinter liegende Straßen verlagerten.


6. Wann gibt es die meisten Trinkgelage an der Playa?

Vor allem zu Beginn der Saison im Juni und Juli – dann sind die meisten jugendliche Party-Urlauber am Strand. Junggesellen-Abschiede werden traditionell feucht-fröhlich gefeiert. Im August kommen dann vermehrt Familien mit Kindern, im September Sport- und weitere Vereine.


7. Welche Schlupflöcher gibt es?

Die Playa de Palma ist lang, und die Polizei kann nicht überall sein. Zum anderen müssen sich die Ordnungshüter auch um andere Dinge kümmern – zum Beispiel die Hütchenspieler, die regelmäßig mit den Beamten Katz und Maus spielen. Eine Rolle dürfte zudem spielen, ob saufende Urlauber mit lauter Musik oder Gegröhle auf sich aufmerksam machen.

Und dann wäre da noch die Gemeindegrenze zu Llucmajor, die am Sturzbach Es Jueus verläuft – hier endet offiziell die Zuständigkeit der Stadtverwaltung von Palma. Für den östlichen Teil der Playa de Palma, wo der Yachthafen von Arenal liegt, ist Llucmajor zuständig. Auch wenn die Verordnung von Palma hier nicht gilt, wird im Rathaus von Llucmajor versichert, dass man ebenfalls genügend Handhabe gegen Saufgelage habe.


8. Was halten die Anwohner davon?

Viele Anwohner an der Playa de Palma sind von den Exzessen der Urlauber genervt und fordern seit Jahren mehr Polizeipräsenz. Dazu muss man wissen: Die Play de Palma ist nicht nur ein Tourismusgebiet, sondern auch ein Wohngebiet. An den Regelwerken und vollmundigen Ankündigungen hat es nie gemangelt (Paragrafen gibt es genug), aber an der Umsetzung und Anwendung.


9. Wo auf Mallorca ist sonst noch das Saufen in der Öffentlichkeit verboten?

Zu Interventionszonen erklärt werden neben der Playa de Palma auch Teile von Can Pastilla, El Jonquet, der Paseo Marítimo, Son Armadams, die Plaça Gomila sowie El Terreno im Stadtbezirk von Palma de Mallorca. Nicht nur deutsche Urlauber saufen – bei spanischen Jugendlichen heißt das Vorglühen auf offener Straße vor der Partynacht “Botellón” (von “botella” = Flasche).

Eigene Benimm-Regeln hat inzwischen auch die Gemeinde Calvià im Südwesten von Mallorca, um vor allem in der britischen Urlauberhochburg Magaluf für Ordnung zu sorgen.


10. Warum reden eigentlich alle beständig und überall vom Saufverbot?

Das wissen wir auch nicht so genau. Jedes Jahr erreichen uns Anrufe und E-Mails aufgeregter Journalisten in Deutschand, die sich fast ausschließlich für Ballermann, Sangría und “Klau-Huren” interessieren. Schade.

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