Tourismus auf Mallorca: Das wird 2017 wichtig

Für die Ferienvermietung wird es das Jahr der Neuordnung. Kongresspalast, Touristensteuer und Luxushotels an der Playa de Palma müssen sich bewähren

02.01.2017 | 08:21
Wird es künftig leichter oder schwieriger, eine Ferienwohnung auf Mallorca zu mieten?

So viel steht fest: 2017 wird für Mallorca ein einschneidendes Tourismus-Jahr. Nicht nur, dass in dem Jahr der letzte Air-Berlin-Flieger die Insel verlässt und sich andere Fluggesellschaften um das Geschäft streiten. Die Balearen-Regierung hat in den vergangenen Monaten auch wegweisende Entscheidungen getroffen, die sich nun beweisen müssen. Sind Signale und Weichen richtig gestellt, um ein harmonisches Miteinander zwischen Einheimischen und Besuchern zu garantieren? Oder kommt es stattdessen zum zerstörerischen Crash zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft?

Legale Ferienvermietung

Bis April 2017 will Tourismusminister Biel Barceló eines seiner ehrgeizigsten Projekte durchpeitschen. Bei der Ferienvermietung – ein Thema, das alle Vorgängerregierungen auf die lange Bank geschoben hatten – will er die Streu vom Weizen trennen. Gesetzeskonformes Vermieten von Wohnungen an Urlauber wird offiziell erlaubt. Alle anderen Formen will die Regierung nicht nur verbieten, sondern durch scharfe Kontrollen und hohe Strafen auch effektiv unterbinden. Wie viel Streu und wie viel Weizen am Ende überbleiben, darum müssen Barceló und Konsorten mit mächtigen Lobbyisten ringen. Hoteliers auf der einen und Ferienvermieter auf der anderen Seite bangen um Millionenverluste und werden mit allen Mitteln – vermutlich mit fairen und unfairen Mitteln – für ihre Sache kämpfen.

Die Geschütze der Umweltschützer sind zwar kleiner. Aber die Regierung braucht zur Verabschiedung des Gesetzes nicht nur die Stimmen der Sozialisten, sondern auch die des Koalitionspartners Més, der sich als ökologische Partei versteht, und der Linkspartei Podemos. Gibt es den friedlichen Kompromiss oder zerbricht darüber womöglich das Regierungsbündnis?

Bitte nicht drängeln!

Dicht damit verwoben ist die Debatte über die Begrenzung der Urlauberbetten. Über die Reform des Tourismusgesetzes will Barceló regulieren, wie viele Besucher sich gleichzeitig auf der Insel aufhalten können. Denn bislang war nur die Hotelbettenzahl der preiswerteren Kategorie des Massentourismus beschränkt. Auch durch die instabile politische Situation in vielen alternativen Urlaubsdestinationen wirkt Mallorca aber seit Jahren als absoluter Touristenmagnet. Das unregulierte Luxus-Segment wächst ebenso rasant wie die Ferien auf dem Finca-Bauernhof, der Kreuzfahrt-Tourismus, die Mieter von privaten Landhäusern oder eben die Anzahl der Gäste in den bislang halb legal vermieteten Ferienwohnungen. Gelingt die Regulierung der Besucherströme? Oder schlägt die Stimmung auf der Insel um? Eines ist sicher: Was sich Mallorca am allerwenigsten leisten kann, ist eine urlauberfeindliche Bevölkerung.

Touristensteuer

Wer große Veränderungen anstrebt, braucht dafür auch Geld. Und das ist seit Juli 2016 plötzlich da. Denn jeder Urlauber lässt für jede Nacht auf der Insel 25 Cent bis zwei Euro im Klingelbeutel der Touristensteuer. Im Jahr 2017 wird die dafür eingesetzte Kommission die ersten Projekte damit finanzieren. Bringt das den Frieden? Oder gelingt es dem konservativen Hotelierverband FEHM am Ende doch, das Projekt vor Gericht zu kippen?

Fünf Sterne an der Playa

Schnell, bevor das neue Jahr anbricht, sprechen wir das Tabu-Wort noch ein letztes Mal aus:
Ballermann! Dann soll aber endgültig Schluss sein mit dem Schmuddelimage. Schließlich investieren Hoteliers Hunderte von Millionen, um die Fünf-Sterne-Gäste an die Playa de Palma zu locken. Pure Salt Garonda und Iberostar Playa de Palma haben aufgestockt. Zum gerade erst eröffneten Llaut Palace gesellt sich im Juni das Hipotel Playa de Palma Palace. Herrscht dann auf einmal Ruhe und Ordnung? Machen die Partyurlauber brav Ballermännchen? Oder bleibt es beim schäbigen Sauftourismus?

Ein Platz in der Sonne

Eines steht fest: 2017 wird sicherlich kein Jahr für Schattenparker. Trotz steigernder Urlauberzahlen will die Landesregierung Auto­ebbe statt Autoflut. Wie mit großen Worten angekündigt, wird der Vorzeigestrand Es Trenc unter strengen Naturschutz gestellt. Hält Umweltminister Vicenç Vidal den Streit mit den Geschäftsleuten und Lokalpolitikern in Campos aus oder knickt er am Ende doch ein?

Palastbesucher

Und schließlich wird die Insel 2017 Palastbesucher unterschiedlicher Art begrüßen. Das gilt zum einen für den im Frühjahr einzuweihenden Kongresspalast, der das ganze Jahr eine neue Klientel anlocken soll. Aber auch die Gärten der königlichen Sommerresidenz Marivent, öffnen auf Druck der Landesregierung erstmals Einheimischen und Touristen ihre Pforten.

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