Eine Bodega auf Mallorca, die aus Tradition Bio-Wein macht
Die Bodega Can Majoral ist auf Mallorca Vorreiter beim ökologischen Weinanbau. Nun will der Familienbetrieb auch seinen CO2-Abdruck möglichst weit reduzieren

Der Önologe Andreu Oliver – einer von gleich zwei Andreu Olivers bei Can Majoral – auf einem der Weinfelder der Familie. | FOTO: NELE BENDGENS / Marlene weyerer
Die Felder von Can Majoral bei Algaida sehen schon von ihrem Aufbau her anders aus als die von manch anderer Bodega auf Mallorca – bunt gescheckt, nicht mit dem Lineal gezogen, in kleineren Parzellen über die Finca verteilt. Die Reben stehen zwar auch hier in Reih und Glied, aber wegen des hügeligen Untergrunds wirken sie nicht wie Soldaten bei der Truppenbesichtigung. Und am Feldrand wachsen die Blumen.
Ist das also das Bio-Geheimnis von Can Majoral? Jein. Eine Rolle spielt auch, dass die Familie keinen großen Investor hinter sich hat. „Immer wenn Geld da war, haben wir in noch ein anderes Feld investiert, und so sind nach und nach die einzelnen Parzellen entstanden“, sagt Andreu Oliver. Der Önologe ist eines der sieben Familienmitglieder, die das Weingut betreiben. Can Majoral kann sich rühmen, eines der ersten Bio-Weingüter der Insel zu sein. Ob sie die Ersten waren oder Jaume Puntiró ist nicht ganz klar. „Aber da streiten wir uns nicht drum“, sagt Oliver.
Onkel erbte erstes Landgut
Von null auf haben die „Majorals“, wie der Spitzname der Familie im Ort lautet, nicht angefangen. Am Anfang stand ein Landgut, das Olivers Onkel geerbt hatte. Dort baute der Onkel erst hobbymäßig Weinreben an, irgendwann wurde daraus ein Beruf für die ganze Familie. Das hügelige Feld am Fuße der Serra de Galdent, auf dem Oliver die Reporter empfängt, kam einige Jahre später hinzu, als eine Cousine ein weiteres Landgut erbte.
Inzwischen sind es 20 Hektar Anbaufläche für Reben mit mehrheitlich einheimischen Sorten wie Giró Blanc, Gorgollasa, Callet und Mantonegro. Da auch noch weitere Bio-Trauben zugekauft werden, reicht das für 50.000 bis 70.000 Flaschen Wein pro Jahr. Die Cousine, Mirella Oliver, führt die Geschicke des Familienbetriebs. Andreu Oliver kümmert sich um die Bodega, der Onkel ist immer noch auf den Feldern unterwegs. Dort wachsen neben Weinreben auch Mandelbäume, Getreide und Johannisbrotbäume.

Auf dem Landgut wachsen Blumen neben den Weinreben. / NELE BENDGENS
„Am meisten Geld wirft der Wein ab, aber der Boden ist gesünder, wenn verschiedene Kulturen nebeneinander wachsen können“, sagt Oliver. Zu den Grundideen der Bio-Winzerfamilie gehört auch die Pflege der Nährstoffe im Boden. Daher lassen sie Blumen und weiteres Unkraut zwischen den Weinreben wachsen und säen auch Wiesen aus. Sind die Gräser gewachsen, graben Arbeiter den Boden um, die Biomasse des „Unkrauts“ düngt dann die Reben.
Bio-Zertifikat war der erste Antrag
Schon im Jahr 1979, als Andreu Olivers Onkel, der ebenfalls Andreu Oliver heißt, Can Majoral gründete, plante er einen ökologischen Weinanbau. „Das Bio-Zertifikat war das Erste, was er beantragte“, sagt Oliver. „Damals hielten ihn viele für verrückt.“ Die anderen Weinbauern meinten, Can Majoral werde in guten Jahren funktionieren, aber einen schlechten Jahrgang nicht überstehen.
In der konventionellen Landwirtschaft kann mithilfe von chemischem Dünger das Wachstum unterstützt werden. Zudem können die Winzer ihre Reben bei Schädlingsbefall mit anderen Mitteln behandeln als Öko-Winzer. „Die Zeit hat meinem Onkel recht gegeben“, sagt Oliver. „Inzwischen sind viele Stoffe, die damals eingesetzt wurden, auch in der konventionellen Landwirtschaft verboten.“ Außerdem sei ein schlechtes Jahr sowohl für konventionelle als auch für Bio-Winzer schwierig.

Eine Auswahl der Weine von Can Majoral / Nele Bendgens
Inzwischen achtet die Familie von Can Majoral auch darauf, mit ihrem Weingut nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Sie verwenden leichte Flaschen, das trage dazu bei, den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren. Solarpanels generieren etwa ein Fünftel des benötigten Stroms. Die anderen vier Fünftel stammen ebenfalls aus erneuerbaren Energien.
Die Öko-Weine von Can Majoral kosten zwischen 9 und 25 Euro. Es gibt sie in Weinhandlungen und bei der Bodega selbst zu kaufen.
Adresse: Carreró des Campanar, 07210 Algaida
Kontakt: 971-66 58 67 oder info@canmajoral.com
Mit Anmeldung gibt es Führungen mit Verkostung.
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