Es ist ein Gebäude, das eines Meisterbäckers wirklich würdig ist: Can Corbella, ein im neo-maurischen Stil Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Nicolás Lliteras direkt am Rathausplatz in Palma de Mallorca errichtetes vierstöckiges Haus. Dieser Ort habe ihn schon als Kind fasziniert, sagt Tomeu Arbona, der dort im Erdgeschoss seit dieser ­Woche eine zweite Niederlassung seines Fornet de la Soca betreibt. „Damals gab es hier ein ­Geschäft mit Kunstbedarf. Es war das erste ­dieser Art in Palma, und wir kauften dort Farb­stifte oder Modelliermasse für den Kunst­unterricht in der Schule."

Hintergrund: Vielfach prämierte Bäckerei Fornet de la Soca eröffnet zweiten Laden

Nun gibt es dort Köstlichkeiten zu kaufen: Mit Tintenfisch gefüllte Empanadas, Zwiebel-Sobrassada-Pinienkern-Cocas, Apfeltarten, ­Kokos-Kegel mit Schokolade, Schoko-Merengue-Gebäck oder Ensaimadas. Alle Spezialitäten basieren auf traditionellen Rezepturen, die der „archäologische Bäcker", wie Arbona sich auch selbst nennt, in alten Schriften gefunden hat.

Can Corbella ist eine nachträglich durch Lliteras geschaffene Einheit aus eigentlich drei Häusern, mit einer vorgesetzten Wellen-Fassade und hufeisenförmigen Bögen im Erdgeschoss sowie mit Buntglasfenstern und einem achteckigen Türmchen auf dem Dach. Schon lange träumte Arbona davon, dort einen Laden zu haben. Nun ist es Realität - und das mitten in Corona-Zeiten. Arbona, der in vorigen Leben als Sozialarbeiter und Psychotherapeut tätig war, und erst mit der Wirtschaftskrise von 2008 zu seiner jetzigen Berufung fand, hatte zuvor auch schon den altehrwürdigen Forn del Teatre übernommen. Nun erfuhr er von der Vermietung des Ladens von Can Corbella. Nach kurzem Zweifeln sagten seine Familie und er zu. „Vor allem mein Sohn Adrià meinte, wir können uns das nicht entgehen lassen."

Viel investieren mussten sie nicht, sondern eher ausräumen und streichen - zuletzt war hier der Fanshop von Real Madrid untergebracht. Die Familie kaufte alte Lampen und Kronleuchter hinzu - wie immer auf Flohmärkten oder in Antiquitätengeschäften. „Der Vermieter kam uns entgegen, und wir haben auch Vereinbarungen für den Notfall (einen weiteren Lockdown, Anm. d. Red.) getroffen." Hoffnungsvoll blickt Arbona nun in die Zukunft: „Mit Geschäften wie unserem oder auch dem benachbarten Colmado Colom holen wir wieder Charakter ins eigentlich von Touristen­läden dominierte Zentrum. Ich glaube, die Menschen wollen das vermehrt: Intimität, ­persönlichen Verkauf, mehr Nähe, mehr Mallorquinisches - speziell in einer Zeit, wo wir offiziell auf Abstand setzen, und neue Wege finden müssen zu überleben, jenseits vom Tourismus."

Fornet de la Soca, Plaça Weyler, 8, und neu: Plaça Cort, 5, beide Palma, www.fornetdelasoca.com