26. September 2019
26.09.2019
Mallorca Zeitung

"Fridays for Future" - Mallorca und der große Klima-Streik

Bisher kam die Klimaschutzbewegung auf der Insel kaum in die Gänge. Jetzt schließen sich immer mehr Verbände und Institutionen an - und wollen am Freitag (27.9.) Flagge zeigen. Mit Karte zum Verlauf der Protestkundgebung

26.09.2019 | 01:00
"Fridays for Future" - Mallorca und der große Klima-Streik

Eine Woche später als in den meisten anderen Orten der Welt beteiligt sich Mallorca am Freitag (27.9.) am weltweiten Klimastreik. Aufgerufen haben die globale Bewegung Fridays for Future sowie der Umweltschutzbund Gob, Gewerkschaften, Vereinigungen und politische Institutionen.

Die Demonstration beginnt um 12 Uhr auf der Plaça del Tubo in Palma de Mallorca. Die Lehrergewerkschaften STEI und UOB rufen die Lehrkräfte dazu auf, zwischen 11 und 14 Uhr nicht zu unterrichten. Die beiden Gewerkschaften erklärten den Schritt mit den katastrophalen Auswirkungen, die der Klimawandel insbesondere für den Mittelmeerraum habe.

Das ist der geplante Verlauf des Protestzugs:


Vertreter der regierenden Linksparteien haben eine Initiative im Balearen-Parlament gestartet, die zum Ziel hat, sich offiziell der „Fridays for future"-Bewegung anzuschließen und auf den Balearen den „klimatischen Notstand" auszurufen.

Der Bürgermeister von Palma, José Hila, wandte sich in einem offenen Schreiben an die Bewohner der Stadt. Bürger und Unternehmen rief er dazu auf, sich am Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen. "Der Klimawandel und die Folgen sind eine Wirklichkeit, die jeden Tag deutlicher wird", heißt es in dem Schreiben, und weiter: "Unsere Stadt, direkt an der Küste gelegen, wird zweifelsohne die schrecklichen Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn der Meeresspiegel steigt.

"Lehrer für die Zukunft" wollen Schüler mobilisieren

Zum ersten Mal waren Mitte März dieses Jahres mehrere Hundert Schüler und Studenten in Palma auf die Straße gegangen, um für mehr Klimaschutz, die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens sowie regionale Anliegen wie den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu demonstrieren – gut ein halbes Jahr nachdem sich die schwedische Schülerin Greta Thunberg zum ersten Mal mit einem Protestplakat vor das Parlamentsgebäude in Stockholm setzte und in Deutschland zahlreiche Schüler dem Vorbild des Schulstreiks folgten.

Ein halbes Jahr nach Mallorcas Schülern haben nun zum Start des neuen Schuljahres auch einige Lehrer beschlossen, Teil der „Revolution" zu werden, wie es Miquel Àngel Llauger ausdrückt, Englischlehrer und eines der Gründungsmitglieder von „Docents pel futur" (Lehrer für die Zukunft). Seit Anfang September gibt es sie auf der Insel, zur Gründungsveranstaltung ins Casal Can Alcover in der Altstadt von Palma kamen rund 50 Pädagogen. „Da war alles dabei, Männer, Frauen, Grundschullehrer, Oberstufenlehrer, Universitätsprofessoren sowie Lehrer von öffentlichen und halbstaatlichen Schulen", meint Llauger. Der 56-Jährige selbst ist Englischlehrer an der öffentlichen Schule IES Joan María Thomàs nahe der Stierkampfarena im Norden von ­Palma. Und er ist erklärter Unterstützer der ­regionalen Ökopartei Més.

„Wir als Lehrer haben eine gewisse Verantwortung gespürt, uns hier auch zu beteiligen und die Schüler bei ihrem Anliegen zu unterstützen. Wir tragen alle mit unserem Lebenswandel zur Klimakrise bei", sagt Llauger zur Motivation der Lehrer. Die Schüler sollten sich nicht alleingelassen fühlen.

Die Lehrer wollen vor allem an drei grundlegenden Themen arbeiten. Zum einen möchten sie dabei helfen, die Aufrufe zu den Demonstrationen zu verbreiten und die Kundgebungen mitzuorganisieren, wofür sie den ­direkten Kontakt zu Umweltschützern suchen. Daneben wollen sie das Thema in die Klassenzimmer bringen, die Schüler für die Problematik des Klimawandels sensibilisieren. „Dafür muss ich kein Biologielehrer sein", sagt Llauger. Für den Englischunterricht beispielsweise sucht er Texte über den Klimawandel und die Erderwärmung aus, die er dann mit den Schülern diskutiert. Außerdem wollen die Lehrer generell Umwelterziehung betreiben und die Schüler dazu animieren, in der Schule beispielsweise Müll zu trennen.

Insgesamt sei es nicht schwierig, die jungen Leute für das Thema zu begeistern, sagt Llauger. „Die Schüler sind sehr aufgeschlossen, das merken wir. Gleichzeitig ist es trotzdem nicht so einfach, sie wirklich dazu zu bewegen, dass sie aktiv demonstrieren gehen." Das zeigt sich auch an der Beteiligung der mallorquinischen Schüler an den Freitagsdemonstrationen. Bisher haben die Organisatoren Martina Dono und Diego Moncada erst zwei größere Kundgebungen auf Mallorca auf die Beine stellen können – und das, obwohl die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden. „Um jede Woche demonstrieren zu können, fehlt uns bislang die Kraft", sagte Moncada der MZ im März.

Englischlehrer Llauger stellt schnell klar, dass die Lehrer nicht die Schüler dazu animieren, während der Schulzeit zu den Kundgebungen zu gehen. „Das dürfen wir natürlich nicht. Wir wirken darauf hin, dass sie das in ihrer Freizeit tun." Auch von den Eltern erführen sie viel Zuspruch, meint der Lehrer. Noch habe er keine kritischen Stimmen über sein Engagement vernommen.

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