15. März 2021
15.03.2021
Mallorca Zeitung

Berlin bekommt kalte Füße und ruft zum Verzicht auf Reisen auf

Bundesregierung reagiert auf den Ansturm auf Flüge nach Mallorca. Aufhebung der Reisewarnung sei keine "Einladung" zum Reisen. Land Niedersachsen erwägt indes Tests bei der Rückreise

15.03.2021 | 13:32
Regierungssprecher Steffen Seibert bei einer Pressekonferenz im August 2020.

So sei das mit der Aufhebung der Reisewarnung nicht gemeint gewesen: Die Bundesregierung hat am Montag (15.3.) zu einem generellen Verzicht auf touristische Reisen wegen der Corona-Pandemie aufgerufen und damit sowohl auf den sprunghaften Anstieg an Mallorca-Buchungen wie auch auf zunehmende Kritik reagiert. Sie bekräftigte damit noch einmal einen bereits am 3. März formulierten "eindringlichen Appell", von "nicht zwingend notwendigen Reisen im Inland und auch ins Ausland" abzusehen.

"Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr: "Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen." Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen.

Der Ansturm auf Mallorca sorgt mittlerweile auch auf Landesebene für Unbehagen. In Niedersachsen, wo mit der Tui der größte Reiseveranstalter Deutschlands seinen Sitz hat, wird laut darüber nachgedacht, die Testpflicht für Mallorca-Rückkehrer auf eigene Faust wieder einzuführen. Die Menschen, die nun dorthin reisen wollten, müssten wissen, dass sie sich einem gewissen Risiko aussetzen, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen, laut der Nachrichtenagentur dpa.

Vor Ort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa, und es bestehe die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen. Selbst wenn am Flughafen ein PCR-Test negativ ausfalle, bedeute dies nicht, dass ein Reiserückkehrer das Virus nicht bereits in sich trage. "Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land."

Die auf den Balearen stark gefallene Corona-Inzidenz hatte die Bundesregierung erst am vergangenen Freitag dazu bewegt, die Einstufung Mallorcas und der Nachbarinseln als "Risikogebiet" aufzuheben. Damit entfielen nicht nur die sogenannte Reisewarnung, sondern auch bisherige Quarantäne- und Testpflichten bei der Rückkehr. Nicht davon betroffen ist, dass bei der Einreise auf Mallorca ein negatives PCR-Test-Erlebnis vorgelegt werden muss, das nicht älter als 72 Stunden sein darf. 

In der Folge hatte ein regelrechter Ansturm auf Mallorca-Buchungen schon für die Osterferien eingesetzt. Die großen Reiseveranstalter überboten sich mit ihren Angeboten, die Fluggesellschaften organisierten immer mehr Flüge - und die sonnenhungrigen Verbraucher zogen mit.

Zugleich kam in Deutschland aber auch Kritik auf. In mehreren Leitartikeln wurde darauf hingewiesen, dass die derzeit wieder steigende Corona-Inzidenz eigentlich weiterhin Vorsicht geböte. Auch im deutschen Gastgewerbe gibt es Unverständnis, wieso touristische Reisen nach Mallorca, nicht aber innerhalb Deutschlands möglich sein sollen.

Eine "verkehrte Welt" meint auch die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" auszumachen: Während die Deutschen nicht verstehen, wieso sie nicht auch in Deutschland Urlaub machen könnten, würden die Mallorquiner nicht verstehen, wieso nur die Deutschen auf Mallorca ihre Osterferien verbringen dürfen, die Spanier aber nicht.

Darauf angesprochen, erklärte der balearische Regierungssprecher und Tourismusminister Iago Negueruela am Montag bei einer Pressekonferenz, dass es sich um Entscheidungen unterschiedlicher Regierungen und Verwaltungsebenen handele. Zudem rief er erneut Besucher wie Bewohner dazu auf, alle Corona-Regeln einzuhalten, um einen erneuten Anstieg der Pandemie auf Mallorca und den Nachbarinseln zu verhindern. "Für alle gelten dieselben Regeln", sagte er. Kampagnen, um die Urlauber über die auf der Inseln geltenden Auflagen zu informieren, seien in Vorbereitung. /ck

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