13. März 2021
13.03.2021
Mallorca Zeitung

Mallorcas neue Überlandbusse haben noch Kinderkrankheiten

Verwirrende Tarife, technische Tücken: Das neue System der Überlandbusse hat es in sich. Ein Kommunikationsproblem, sagen die Verantwortlichen

13.03.2021 | 01:00
Die neuen Überlandbusse sind erst seit wenigen Wochen in Betrieb.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht: Die Beschwerden der Mallorquiner über das zu Jahresbeginn neu eingeführte Tarifsystem bei den Überlandbussen (TIB) reißen nicht ab. Und wenn schon die Einheimischen nicht damit klarkommen, wie wird es dann erst mit den ausländischen Urlaubern sein, wenn sie wieder zahlreich auf die Insel kommen?

Ein Kommunikationsproblem habe für die anfängliche Verwirrung gesorgt, meint dagegen Jaume Mateu, Generaldirektor für den Verkehr in der Balearen-Regierung. „So kompliziert ist das System nun auch nicht. In erster Linie geht es darum, Geld auf eine Karte zu ­laden, mit der ich dann fahren kann."

Früher gab es für Vielfahrer 20er- und 40er-Tickets, die nur für eine Strecke galten und nach der ersten Nutzung eine Ablauffrist hatten. Nun fördert das Verkehrskonsortium die Bus- und Zugkarte „Tarjeta intermodal". „Die Fahrgäste sollten sich die Karte zulegen. Das Guthaben läuft nie ab. Selbst für Gelegenheitsfahrer ist es die praktischste Zahlweise."

Service: So bekommen Mallorca-Residenten die Tarjeta intermodal 

Zuvor hatte jede Strecke je nach Länge ihren eigenen Preis. Nun ist die Insel in fünf Zonen unterteilt. Je nach Anzahl der Zonen und Art der Buskarte – Rentner und Personen, die jünger als 31 Jahre sind, zahlen weniger – gibt es einen Basistarif.

Und für jede Fahrt gibt es Punkte, die wiede­rum in einen Rabatt für alle folgenden Fahrten umgerechnet werden. Die Anzahl der Punkte und der finanzielle Gegenwert hängen ebenfalls von der Anzahl der Zonen und der Art der Karte ab. Zum Monatsanfang startet das Punktesammeln mit dem Basistarif dann von vorne. „Es kann etwas verwirrend sein, wie sich der Fahrpreis mit jeder Fahrt verändert", räumt denn auch Mateu ein.

Die Fahrgäste beschweren sich aber nicht nur über die Kalkulation, sondern auch über eine Benachteiligung von Kunden, die nur ab und ab zusteigen. „Wenn ich jeden Tag mit dem Bus fahre, dann komme ich in etwa auf den Preis, wie er vorher war. Doch das System benachteiligt Gelegenheitsfahrer und Urlauber", kritisiert Marc Crespi, Vorsitzender des Fahrgastverbands.

So sei im neuen System nicht bedacht, dass zu Corona-Zeiten das Homeoffice im Trend ist. „Manche Leute, die früher täglich mit dem Bus auf Arbeit fuhren, sind nun eine Woche zu Hause und die andere auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Da sie nicht regelmäßig fahren, können sie den Rabatt nicht wirklich nutzen." Daher fehle auch für Gelegenheitsfahrer der Anreiz, das Auto stehen zu lassen und in den Bus zu steigen.

Mateu vom Landesministerium lässt das Argument nicht gelten: „Die Leute werden die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, wenn der Service sehr gut ist." Das sei durch die neuen Busse, neuen Fahrpläne und neuen Anbindungen gegeben. „Gelegenheitsfahrer schauen weniger auf den Preis. Das haben unsere Mitarbeiter herausgefunden."

In den sozialen Netzwerken kritisieren Fahrgäste zudem, dass es sich bei der Tarifänderung um eine versteckte Preisanhebung handle. „In einem Fall wurde uns berichtet, dass für die Fahrt von Pollença noch Port de Pollença hin und zurück 9 Euro anfielen", so Crespi. „Da ist das Taxi fast günstiger. Die Preise sind völlig unverhältnismäßig."

Auch dem widerspricht Jaume Mateu. Nur auf vereinzelten kurzen Strecken könne es sein, dass die Fahrgäste ein paar Euro mehr zahlen müssen. „In den meisten Fällen ist der Preis nicht höher geworden. Nehmen wir die Langstrecke Palma–Cala Ratjada. Vorher kostete die Einzelstrecke teilweise mehr als 11 Euro. Nun liegt der Basistarif mit der Tarjeta intermodal bei 3,60 Euro."

Und wenn es zum Teil teurer ausfällt wie im berichteten Fall von Port de Pollença, liege das auch daran, dass ohne Karte bezahlt wurde. „Wir haben den Fahrpreis für Barzahlungen deutlich erhöht. Das wollen wir nicht mehr, der Bus brauchte an manchen Haltestellen 20 Minuten", argumentiert Mateu. Auch hier habe es wohl an der Kommunikation gemangelt. „Die Barzahler wussten nicht, dass es über die Tarjeta intermodal, das Online-Ticket oder die Zahlung mit der Bankkarte wesentlich günstigere Alternativen gibt."

Noch kein Online-Ticket

Doch die Möglichkeit, das Ticket online zu kaufen, gibt es immer noch nicht. „Wir hoffen, dass es bald so weit ist. Eine Alternative ist die Zahlung mit der Bankkarte. Die wird wie die Tarjeta intermodal beim Ein- und Aussteigen gescannt, und die Fahrtkosten sind die gleichen wie beim Online-Ticket", so Mateu.

Eine Leserin hatte der MZ berichtet, dass es auch mit der Kartenzahlung Probleme gab. Der Generaldirektor bittet um Geduld bei solchen Kinderkrankheiten. Schließlich sei das System noch neu.

Die Kartenzahler – die künftig wohl hauptsächlich Urlauber sein werden – stoßen dann aber auf die gleiche Hürde wie die Nutzer der Tarjeta intermodal. Da es kein Ticket gibt, ist es nach dem Pieps des Geräts unklar, wie viel die Fahrt nun letztlich kostet.

„Wir wollen verhindern, dass der Fahrgast Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen oder vorher an den Ticketschalter gehen muss", meint Mateu. „Den Preis können die Urlauber vor der Fahrt an den Info-Ständen oder im Internet einsehen. Der Betrag wird wenige Stunden später abgebucht." Im Fall von Fehlern seien Reklamationen auf der mehrsprachigen Website tib.org möglich. „Für die Urlauber wollen wir zudem eine eigene Info-Kampagne starten."

Dann sollen auch deutlich mehr Busse über die Insel düsen. Schon jetzt sei der Betrieb um 40 Prozent zum Dezember gesteigert worden. Zum Sommerfahrplan würden es dann noch mal mehr. Und auch die coronabedingten Ausfälle wie bei Linien zum Flughafen seien dann Vergangenheit.

Mallorcas neue Überlandbusse und das Tarifsystem - von ihrem "Erfinder" erklärt


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