Das Ende der goldenen Jahre in Spaniens Basketball

Er führte sie zu drei Goldmedaillen bei Europameisterschaften: Nationaltrainer Sergio Scariolo im Interview

15.02.2018 | 12:07
Sergio Scariolo führte Spanien zu drei EM-Titeln.

Nach Spaniens Fußballern stehen auch die Basketballer vor einem Generationenwechsel. Drei Goldmedaillen holte das Nationalteam bei Europameisterschaften seit 2009. Im Vorjahr reichte es nur zu Bronze. Da die WM aus Marketinggründen um ein Jahr verschoben wurde, steht 2018 kein großes Turnier an. Im Rahmen der WM-Qualifikation trifft Spanien Ende Februar auf Weißrussland und Montenegro. Der italienische Trainer Sergio Scariolo muss dabei auf seine großen Stars verzichten. Die MZ sprach am Rande eines Nachwuchsturniers in Llucmajor mit dem Coach.

Bei der EM im vergangenen Jahr konnte das Team zum ersten Mal unter Ihrer Leitung nicht gewinnen. Fehlten die balearischen Spieler Rudy Fernández, Sergio Llull und Álex Abrines zu sehr?
Nicht nur die. Es fehlten zudem Nikola Miroti? und Serge Ibaka. Es ist aber nicht fair den anderen Spielern gegenüber, wenn wir nur über die Ausfälle sprechen. Das Team hat es gut gemacht und nur ein Spiel gegen einen Gegner (Slowenien, Anm. d. Red.) verloren, der besser als jeder andere war.

Die goldene Basketballgeneration Spaniens ist langsam vorbei.
Sie ist in den letzten Zügen. Wobei wir seit Jahren vom Ende sprechen und die Spieler ihr Karriereende immer weiter hinauszögern. Der letzte aktive Spieler dieser Generation ist Pau Gasol, ein Idol für den spanischen Basketball.

Wird es nach der Gasol-Ära zu einer Schwächephase kommen?
Ich hoffe nicht. Aber wir müssen darauf vorbereitet sein, dass wir mit den weniger talentierten Spielern nicht die gleichen Erfolge einfahren können.

Arbeiten Sie auf Mallorca schon mit der nächsten Generation?
Ich bin eher als Pressesprecher für Basketballbegeisterung und Respekt im Sport hier. Das ist auch ein Zeichen, wie sehr der spanische Basketballverband die Balearen schätzt, die schon immer große Spieler hervorgebracht haben.

Nach 52 Jahren gibt es 2018 wieder ein Jahr ohne großes internationales Turnier. Was machen Sie mit der gewonnenen Zeit?
Ich bin auch der Koordinator der spanischen Jugendnationalmannschaften. Dazu kommt die WM-Qualifikation mit den Herren.

Wie viele Basketballspiele schauen Sie in der Woche?
Viele, da mir Basketball gefällt, stört es mich aber nicht. Wenn ich reisen würde, könnte ich nur ein Drittel der Spiele sehen, die ich zu Hause dank Apps und Satellitenschüssel schauen kann. Ich würde gerne noch mehr Spiele sehen, mir fehlt aber die Zeit dafür.

Wie ist Ihre Einschätzung zur zweiten Saison von Álex Abrines in der NBA?
Sein Team Oklahoma City Thunder hilft ihm dabei, sich zu entwickeln. Er muss sich aber gewissermaßen auch selber helfen, da die Konkurrenz groß ist. Das sehen wir an den Hernangómez-Brüdern, die in der vergangenen Saison herausragten und in dieser Spielzeit große Pro­bleme haben.

Was machen Sie mit Abrines, dass er sich immer bei der Nationalmannschaft verletzt?
Darüber könnte man ein ganzes Kapitel schreiben. Er hatte bei der EM ein kleines Zipperlein. Aus Sicht von Oklahoma handelte es sich um eine schwerwiegende Verletzung, die es in Wirklichkeit nicht war. Álex hatte in den vergangenen Jahren viel Pech mit der Nationalmannschaft. Er ist aber noch jung und hat noch einige Jahre vor sich.

Beim Auftakt der WM-Qualifikation mussten Sie auf alle Spieler verzichten, die in der Euroleague spielen. Wie kann es sein, dass die Termine auf den gleichen Zeitraum fallen?
Ich bin nur der Trainer. Meine Aufgabe war es, die beiden Spiele zu gewinnen und mit dem Team einen guten Eindruck abzuliefern.

Hat die Nationalmannschaft keinen höheren Stellenwert als der Club?
Keiner von beiden ist wichtiger. Es gibt Platz für beide. Das Problem besteht darin, die Interessen in Einklang zu bringen und die des anderen zu respektieren.

Werden Sie auch die restliche Qualifikation ohne die erfahrenen Spieler bestreiten?
Ich glaube schon, wobei das schwer vorherzusehen ist.

In einem anderen Interview haben Sie gesagt, dass Sie keinen 37-Jährigen für eine Qualifikation nominieren würden.
Es erscheint mir unsinnig, einen 37-Jährigen zu nominieren, der in der Saison bereits 100 Partien bestritten hat, wenn das derzeitige Team gut spielt. Man muss vo­rausschauend denken. Diese Spiele sind Gelegenheiten, um junge Spieler zu entwickeln und Spielern eine Chance zu geben, die sonst hintenanstehen. Quino Colom hat so gezeigt, dass er auf hohem interna­tionalen Niveau mithalten kann.

Riskiert man mit so einem unerfahrenen Team nicht die Qualifikation?
Nicht, wenn wir weiter so erfolgreich spielen.

Ist es nicht ungerecht, dass ein Team die Qualifikation für ein Turnier schafft, das es am Ende nicht spielen darf?
Ungerecht wäre es, wenn wir den Spielern Hoffnungen machen würden. Da gehört ein offener, respektvoller und professioneller Umgang dazu. Emotional kann es vielleicht ungerecht sein, aber es ist die logische Folge. Die Spieler hatten die Chance, ihre Teilnahme an der Qualifikation abzusagen. Aber keiner hat länger als 15 Sekunden gebraucht, um ohne jegliche Bedingung zuzusagen.

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