Wer das Auswanderer-Format "Goodbye Deutschland" schon seit Jahren mitverfolgt, wird sich bei den Stichworten "Solarium", "Fisch-Spa" und "Buggy-Verleih" wohl schnell an die beiden Auswanderer Roland und Steffi Bartsch erinnern: Zwischen 2011 und 2016, dem Zeitraum, in dem das Paar auf Mallorca lebte, waren die beiden Wuppertaler in rund 15 Folgen der Vox-Sendung zu sehen.

Obwohl sie die Insel nach fünf Jahren wieder verließen, sind sie weiterhin im Fernsehen sehr präsent – etwa in der ebenfalls von Vox produzierten Sendung "Hot oder Schrott: Die Allestester". Dort testen sie, wie auch andere Paare, neue und oft kuriose Produkte, zuletzt in der Folge "Das große Gruseln" vom 25. Oktober.

Auch im "Sommerhaus der Stars" war das Paar 2019 zusammen mit unter anderem dem mittlerweile verstorbenen Ballermann-Künstler Willi Herren und Michael Wendler und Laura Müller zu sehen. Mittlerweile können sich die einstigen Auswanderer nicht mehr vorstellen, fest auf Mallorca zu leben. Sie kommen aber weiterhin zum Urlaub-Machen auf die Insel. Der Nordosten und Osten ist seit einem Vorfall allerdings tabu. Warum, und wieso sie über ihre Auswanderung Jahre später nun ein Buch geschrieben haben, erzählen sie im MZ-Interview:

Bis zu zehnmal pro Jahr auf Mallorca

Schon die Idee, mit der das Paar 2011 nach Mallorca ausgewandert war, war zunächst äußerst kurios: An der Ostküste, in Cala Millor, wollte das Paar ein Solarium eröffnen. "Das hat bei manchen für Stirnrunzeln gesorgt, nach dem Motto 'Wie kann man nur ein Solarium ausgerechnet auf Mallorca betreiben. Das ist wie eine Eisdiele am Nordpol'", erzählt Roland Bartsch der MZ, der mit seiner Frau schon Jahre vorher, ab 2005, regelmäßig auf die Insel gekommen war. "Wir waren die Jahre vor der Auswanderung jeden freien Tag auf Mallorca, gefühlt zehnmal pro Jahr", erinnert sich der 51-Jährige. Nachdem seine Schwägerin 2011 infolge einer Lungenembolie mit nur 44 Jahren verstarb, erfüllte sich das Paar endlich seinen Traum, fest auf Mallorca zu leben. "Das war für uns ein Zeichen, dass das Leben am seidenen Faden hängt", so Roland Bartsch.

Ursprünglich wollten Roland und Steffi Bartsch gar nicht nach Cala Millor, sondern nach Cala Ratjada ziehen und dort in das Lokal eines im Hafen gelegenen Nagelstudio ziehen, das damals zum Verkauf stand. Steffi Bartsch hatte zuvor bereits Jahre lang ein Nagelstudio in Wuppertal. Bei einem Restaurant-Besuch riet jemand den Auswanderern von Cala Ratjada ab. "Hier ist im Winter nichts los", habe er zu ihnen gesagt, und ihnen stattdessen Cala Millor empfohlen. Dass der sehr touristische geprägte Ort an der Ostküste im Winter genauso ausgestorben ist, bekam das Paar erst später zu spüren.

Steffi und Roland Bartsch mit ihrem Hund Anton in der ersten Finca auf Mallorca. Bartsch

Ein Wellness-Studio in Cala Millor

Die beiden hatten Glück: Anfang 2011 sahen sie, dass ein Nachfolger für ein Sonnenstudio in der Av. del Bon Temps (dritte Meereslinie) gesucht wurde. Um herauszufinden, ob der Laden läuft, legte sich das Paar drei Tage lang in dessen Nähe auf die Lauer. "Wir haben geschaut, wie viele Leute dort an einem Tag ein und aus gingen", erzählt der medizinische Fußpfleger Roland Bartsch. Im April zogen die ehemaligen Auswanderer fest auf die Insel und aus dem einstigen "Happy Sun Solarium" wurde später das "Wellness-Studio Cala Millor". Neben Sonnenbänken boten die Auswandere auch Permanent Makeup, medizinische Fußpflege und Piercings an.

Erst Solarium, dann auch Fish-Spa

Zunächst lebte das Paar in S'Illot. Schnell merkte es, dass es ihm in der Wohnung zu laut war. "In dem Haus haben sechs Familien gelebt, es wurde nachts um ein Uhr geduscht, Musik gehört und mit Türen geknallt. Ich dachte, ich wohne in einem Treppenhaus", erinnert sich Roland Bartsch. Nach nicht einmal drei Wochen zog das Paar in ein Haus in Cala Millor, das etwa fünf Minuten vom Solarium entfernt war. Vor allem im Sommer lief das Geschäft gut. "Es kamen viele Animateure oder Köche, die zwar braun sein, sich aber nicht zu den Touristen in die Sonne legen wollten", erzählt Roland.

Von Bekannten bekam das Paar den Tipp, dass im Nachbarort Cala Bona ein gut laufendes Fisch-Spa eröffnet hatte. Also schafften auch sie sich offene Aquarien und Fische an. "Das Projekt ging nach hinten los. Plötzlich war das Wasser grün und einige Fische sind gestorben", so Roland Bartsch, der die Aquarien unwissend direkt an die Fenster gestellt hatte, womit sie starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren.

Erweiterung des Geschäftsmodells

2013 kaufte Roland Bartsch mit einem neuen Geschäftspartner acht Buggys in Barcelona und bot von nun an auch Buggy-Touren an. "Wir hatten Mechaniker, Tourguides und Promoter. Doch leider konnten wir uns auf das Personal oft nicht verlassen. Das macht das viele, eingenommene Geld dann auch nicht wett", so Roland Bartsch.

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Schlechte Erfahrungen mit eigenen Landsleuten

"Auch wenn es hart war: 2013 war ein tolles Jahr. Auch da wurden wir von Vox begleitet. In einer Folge ging es nur um uns und unsere Buggys. Daraufhin sind sehr viele Kunden in den Laden gekommen", erinnert sich Roland Bartsch. 2014 trennten sich die Wege von ihm und seinem einstigen Geschäftspartner. "Er wollte nach rechts, ich nach links. Es hat keinen Sinn mehr gemacht, also haben wir die Buggys und auch das Wellness-Studio in Cala Millor verkauft", so Roland Bartsch.

Die Luft war raus

In Cala Ratjada betrieb das Paar ab 2015 erneut ein Fisch-Spa und bot fortan auch Touren mit E-Scootern an. "Die Fahrzeuge hat damals noch kein anderer In Cala Ratjada angeboten", erinnert sich der Auswanderer. "In diesem Jahr war trotzdem die Luft bei uns beiden ein bisschen raus. Die Hitze hat uns in einer Wohnung ohne Klimaanlage ziemlich zu schaffen gemacht. Man ist abends bei 32 Grad ins Bett und morgens bei 32 Grad wieder aufgestanden", erinnert sich Bartsch.

Und dann wurde auch noch der Hund des Paares, Anton, krank. "Er konnte sich nicht mehr setzen, war am Zittern, also gingen wir mit ihm zu einer Tierärztin." Die Tierärztin habe ihm eine Spritze gegeben, daraufhin habe Anton einen epileptischen Anfall bekommen und sei verstorben. "Wir haben keine Kinder und Anton war für uns wie ein Kind. Wenn du das so verlierst, machst du dir große Vorwürfe", erinnert sich Roland Bartsch. Acht Jahre lang war die französische Bulldogge fester Teil des Lebens des Paares. "Auch die Zuschauer von 'Goodbye Deutschland' kannten ihn. Wir haben sogar T-Shirts mit Bilder von ihm machen lassen und verkauft", erzählt Bartsch.

Die französische Bulldogge (Anton) war für die Auswanderer wie ihr Kind. Bartsch

Vor allem seine Frau Steffi hat der Tod von Anton noch lange Zeit beschäftigt. "Sie konnte gar nicht mehr durch Cala Ratjada fahren, und schon gar nicht an dem Haus der Tierärztin vorbei", weiß Bartsch. Als dann auch noch Rolands Vater an Alzheimer erkrankte, beschloss das Paar, auf Mallorca alles zu verkaufen, und 2016 zurück nach Deutschland zu gehen. "Es war eine Erleichterung", erinnert sich der Wuppertaler, der den letzten Winter vor dem Rückzug schon größtenteils in Deutschland verbracht hatte. "Damals wollten wir eigentlich gar nicht mehr zurück nach Mallorca, auch weil mein Vater sehr unter der Situation gelitten hatte. Im Mai 2016 habe das Paar Mallorca dann endgültig den Rücken gekehrt. "Als wir ankamen, wusste mein Vater davon noch gar nichts. Er stand in der Einfahrt und hat gefragt, was wir hier machen und ob wir jetzt für immer bleiben", so Bartsch. Als er ihn über den Rückzug aufklärte, brach sein Vater in Tränen aus.

Auch im Verleihen von Buggys probierten sich die Auswanderer. Bartsch

Nur noch zum Urlaub nach Mallorca

Auch heute kommt das Paar noch ein- bis zweimal im Jahr nach Mallorca. "Man sagt ja nicht umsonst, dass es die schönste Insel der Welt ist", so Roland Bartsch, der mit seiner Frau nun eher in der Gegend um die Playa de Palma unterwegs ist. Vom Nordosten und der Ostküste wollen die beiden erst einmal nichts mehr wissen. "Für Steffi ist es immer noch etwas emotionaler als für mich, wenn wir nach Mallorca fliegen. Man muss nach vorne gucken, nicht zurück, und es ist ja nicht so, dass wir da gescheitert sind. Wir haben auch gutes Geld verdient", findet Roland Bartsch, der schon immer ein Buch über all das Erlebte schreiben wollte.

Buch zu Weihnachten?

Wohl auch, da das Paar weiterhin in der deutschen Fernsehlandschaft präsent ist, kam ein Verlag auf die Bartschs zu. Wenn es klappt, soll das Buch noch vor Weihnachten herauskommen. "Es wird sehr unterhaltsam", verspricht Bartsch. "Mallorca war auch so chaotisch, weil wir immer Vollgas gegeben haben und ich versucht habe, auf der Insel alles auszuprobieren. "Man kann in einem Urlaubsgebiet dort sehr viel Geld verdienen, wenn man auf Zack ist, denn die Urlauber geben gerne Geld aus, wenn du ihnen das richtige Produkt bietest. Ich bin überzeugt, dass wir wieder erfolgreich wären, wenn wir zurück auf die Insel gehen würden", so Bartsch.