Ein Untersuchungsrichter auf Mallorca hat am Dienstag (15.8.) angeordnet, dass sechs Urlauber in Untersuchungshaft müssen. Sie sollen eine 18-jährige Urlauberin vergewaltigt haben. Einen Bericht der mallorquinischen Zeitung "Ultima Hora" konnte ein Sprecher der Guardia Civil der MZ gegenüber bestätigen.

Fünf Franzosen und ein Schweizer, alle Anfang 20, sollen das Opfer bei einer Party in der britischen Urlauberhochburg Magaluf kennengelernt haben. Gegen 5 Uhr morgens am Montag (14.8.) sollen sie die 18-jährige Britin mit auf ihr Hotel genommen haben. Dorthin begleitete die junge Frau die Gruppe offenbar noch freiwillig.

Was im Zimmer geschah, muss nun die Polizei ermitteln. Die Gruppe soll die junge Frau vergewaltigt und die Tat gefilmt haben. Die 18-Jährige konnte aus dem Zimmer fliehen, rannte auf die Straße und schrie dort weinend um Hilfe. Mitarbeiter des Hotels sahen sie und alarmierten die Polizei.

Mit den Beschreibungen des Opfers konnten die Beamten die Gruppe ausfindig machen und festnehmen. Ein Arzt untersuchte die 18-Jährige und konnte Druckstellen an den Armen finden, an welchen die Frau offenbar gepackt wurde.

Erst vor einem Monat mutmaßliche Gruppenvergewaltigung einer deutschen Urlauberin an der Playa de Palma

Erst vor einem Monat kam es an der Playa de Palma zu einem ähnlichen Vorfall, der zu einem großen Medienecho in Deutschland geführt hatte. Am Abend des 12. Juli, einem Mittwoch, ging eine 18-jährige deutsche Urlauberin mit ihren Freundinnen an der Playa de Palma aus. Dort lernte sie einen Landsmann kennen. Der Mann und die Frau kamen sich näher. Nach MZ-Informationen aus Ermittlerkreisen hatten sie einvernehmlichen Sex am Strand. Später lud der Mann die Frau in sein Hotel ein. Da sie dort aber nicht als Gast registriert war, ließ man sie nicht hinein.

Daraufhin schlug der Mann vor, in das benachbarte Hotel zu gehen, wo seine Freunde ein Zimmer sowie ein Apartment gemietet hatten. Bei dem Hotel handelte es sich um ein Hotel in dritter Meereslinie zwischen Bierkönig und Megapark.

In Zimmer 323 soll das Paar gemeinsam mit zwei weiteren Beschuldigten erneut einvernehmlichen Sex gehabt haben. Später sollen noch zwei andere Männer hinzugekommen sein. Im Folgenden sei sie gegen ihren Willen zu weiterem Geschlechtsverkehr gezwungen worden, wie die Frau später gegenüber der Polizei und dem Ermittlungsrichter aussagte. Sie habe das zwar in dem Moment nicht gesagt, aber keinen Sex mehr gewollt, soll sie bei ihrer Vernehmung vor Gericht gesagt haben.

Mit dem Handy gefilmt

Einer der Männer filmte das Geschehen mit seinem Handy. Das Video liegt der Polizei vor, was genau darauf zu sehen ist, ist unklar. Ob und wann es zu einem Übergang zwischen einvernehmlichem und erzwungenem Geschlechtsverkehr kam, dürfte eines Tages Gegenstand eines Gerichtsverfahrens sein - ebenso wie die Frage, wie sich die Männer im Einzelnen verhielten. Auch wer dem Opfer bei einer Vergewaltigung nicht zur Hilfe eilt, macht sich strafbar.

Laut dem Polizeibericht flüchtete sich die Frau nach dem Sex in das Badezimmer. Mindestens einer der Männer soll das Geschehen daraufhin bereut und die Frau in ihr Hotel begleitet haben. Die Rezeption dort rief die Polizei an. Die Beamten aktivierten das Notfallprotokoll und brachten die Frau ins Krankenhaus Son Llàtzer, wo eine Ärztin sie auf Spuren von sexueller Nötigung untersuchte.

Die Polizei nahm sechs Personen fest. Der Untersuchungsrichter entließ mittlerweile einen von ihnen aus der Untersuchungshaft. Das bedeutet jedoch nicht, dass er freigesprochen wurde. Kommt es zum Prozess, drohen den Beschuldigten bei Verurteilung wegen schwerer Vergewaltigung in Spanien über zehn Jahre Haft.