Technische Probleme in der Wasserstofffabrik von Lloseta in der Inselmitte von Mallorca haben einen Streit zwischen der abgewählten Linksregierung und der jetzt regierenden Volkspartei (PP) ausgelöst. So werfen die Konservativen ihren politischen Vorgängern vor, gegenüber der Öffentlichkeit geheimgehalten zu haben, dass die Fabrik von Anfang an nicht ordentlich in Betrieb gegangen sei. Die Rede ist von einem "Öko-Bluff" und einer Propaganda-Maschinerie.

Auslöser der Debatte ist ein Bericht der Zeitung "Última Hora" vom Mittwoch (9.8.), wonach die Anlage seit ihrer Einweihung vor anderthalb Jahren niemals richtig funktioniert habe und die wasserstoffbetriebenen Stadtbusse in Palma de Mallorca bis heute nicht von Lloseta beliefert würden.

Ex-Stadtrat: Probleme waren bekannt

Die technischen Mängel– es handelt sich um ein Konstruktionsproblem in der Elektrolyseeinheit – seien der Stadtverwaltung von Palma von Anfang an bekannt gewesen und zu Beginn der jetzigen Legislaturperiode seinem Nachfolger im Amt mitgeteilt worden, so der Verkehrsdezernent der früheren Linksregierung im Rathaus, Xisco Dalmau, gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Wegen der Probleme habe man den für die Stadtbusse nötigen Wasserstoff vom Festland importiert. Das war zum Start der neuen Busse auch öffentlich mitgeteilt worden. Die Lieferungen der Patronen seien wöchentlich eingetroffen. Da sie nicht für alle fünf Wasserstoff-Busse ausreichten, seien diese nie alle gleichzeitig in Betrieb gewesen, so Dalmau.

Der frühere Stadtrat argumentiert, dass technische Probleme zum Start einer neuen Anlage normal seien, erhob aber auch Vorwürfe gegen die Unternehmen Acciona Energia und Enagás, die die Anlage mit betreiben und die vereinbarten Fristen zur Lieferung nicht eingehalten hätten. In jedem Fall habe mit die bestehenden Schwierigkeiten den politischen Nachfolgern bei der Übergabe mitgeteilt, so Dalmau.

Das sagt der neue Bürgermeister

Dem widersprach PP-Bürgermeister Jaime Martínez auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag (10.8.). Man sei in keiner Weise informiert worden. Er habe keine Unterlagen über die Probleme vorgefunden, vielmehr habe man selbst der Sache nachforschen müssen. Der Mangel an Wasserstoff koste die Stadtverwaltung monatlich 30.000 Euro, da die Busse nicht fahren könnten. Mit dem Treibstoff vom Festland, der mit 200 statt 350 bar geliefert werde, könnten die Busse nur eine Stunde lang betrieben werden.

Vorwürfe gegen Betreiber der Fabrik

Mehr Informationen hätte sich offenbar auch das balearische Energieministerium der Vorgängerregierung gewünscht. Der frühere Generaldirektor Pep Malagrava versichert gegenüber dem "Diario de Mallorca", dass er zwar über die provisorischen Probleme bei den Bussen informiert gewesen sei, aber nicht über das Ausmaß der technischen Probleme in dem Werk in Lloseta. Aber auch Malagrava spricht von Fehlern bei den Betreiberfirmen, man habe keine Informationen zurückgehalten.

Tui-Vorstandsvorsitzender Sebastian Ebel (re.) und Tourismusminister Iago Negueruela vor einem Wasserstoff-Bus. CAIB

Die Anlage, die in der früheren Zementfabrik von Cemex untergebracht ist, war im März 2022 offiziell eingeweiht worden und soll eigentlich bis zu 300 Tonnen Wasserstoff im Jahr produzieren. Dieser soll zur Herstellung von Treibstoff für den öffentlichen Nahverkehr dienen, daneben soll er auch für die Wärmegewinnung für Gebäude, etwa der öffentlichen Verwaltung genutzt werden. Der Strom für den Betrieb der Anlage in Lloseta kommt aus Solarparks, die neben der Fabrik sowie in Petra stehen. Somit soll die gesamte Energie, die für die Herstellung des Wasserstoffs benötigt wird, aus erneuerbaren Quellen stammen. /ff