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Palmas traditionsreicher Club Náutico steht vor dem Aus

Ein rechtliches Tauziehen bringt den altehrwürdigen Club in große Bedrängnis. Am Samstag (15.4.) wird sogar erstmals demonstriert

Bald eine reine Luxus-Marina? Schiffe des „Superyacht Cups“ im Real Club Náutico. | FOTO: REAL CLUB NÁUTICO

Für die Betroffenen steht fest: Mehr als 130 Jahre Segeltradition sind auf Mallorca in Gefahr. Und nicht nur das: Auch die Copa del Rey, die wohl bekannteste Regatta im westlichen Mittelmeer, bei der auch stets die spanische Königsfamilie mitmischt, könnte in naher Zukunft nicht mehr existieren, weil die Konzession des Real Club Náutico im Hafen von Palma ausgelaufen ist. Und es ist nicht so einfach, diese zu verlängern – schon gar nicht, wenn die dafür zuständige balearische Hafenbehörde APB nicht mitspielt.

Um Druck aufzubauen, hat der Real Club Náutico für Samstag (15.4.) um 11 Uhr zu einer Demonstration aufgerufen. „Zum ersten Mal in der Geschichte des Clubs“, berichtet José Luis Miró, der seit 16 Jahren die Öffentlichkeitsarbeit leitet. Vom Clubgebäude ziehen die Demonstranten zum Sitz der Hafenbehörde. Viele Vertreter anderer clubes náuticos haben ebenfalls ihre Teilnahme angekündigt.

Seit 20 Jahren keine Lizenz

Der Fall ist rechtlich vertrackt. Der Real Club Náutico hat genau genommen bereits seit 20 Jahren keine Lizenz mehr. Damals war das spanische Hafengesetz geändert worden und die bis dato gültige Konzession des Clubs wurde nicht als solche verlängert, weil die entsprechende rechtliche Figur im neuen Hafengesetz nicht mehr vorgesehen war. Statt als Konzession lief der Betrieb des Club Náutico plötzlich nur noch unter der Bezeichnung „Servicevertrag“, wie Miró berichtet.

Das habe 20 Jahre lang aber niemanden bei der Hafenbehörde gestört, und auch beim Club Náutico selbst habe man nicht die Notwendigkeit gesehen, die Genehmigung klarer zu definieren, sagt Miró. Man sei einfach davon ausgegangen, dass die Konzession immer weiterlaufe. Zum 31. Dezember 2022 ließ die Hafenbehörde den Vertrag dann aber auslaufen. „Der Club Naútico bekam daraufhin nur noch eine Genehmigung für die temporäre Belegung des Clubgeländes“, berichtet José Luis Miró.

Diese ist maximal drei Jahre gültig und muss zu Beginn jedes Jahres verlängert werden – eine höchst unsichere Geschichte also. Zumal die Gebühren für diese Genehmigung ungleich höher sind als die bisherigen Abgaben, was bei den Mitgliedern des Clubs nicht gut ankam, die nun höhere Beiträge zahlen müssen.

Es geht mal wieder ums Geld

Beim Real Club Náutico ist man der Meinung, dass der Servicevertrag automatisch in eine Konzession hätte umgewandelt werden müssen. Das sieht nicht jeder so. Zwar hat die spanische Hafenverwaltung ihr Einverständnis signalisiert. Der Consejo de Estado, das oberste Berater-Gremium der spanischen Regierung, aber kommt zu einem gegensätzlichen Ergebnis.

Was hinter dem Ansinnen der Hafenbehörde stecken könnte, dem Real Club Náutico die Konzession zu verweigern, darüber spricht man in Palma längst offen. Rund 1.000 Liegeplätze in einem der beliebtesten Häfen des Mittelmeers könnten ordentlich Geld in die Taschen der Behörde spülen, wenn man denn die Konzession neu ausschreiben würde. Und genau diesen Verdacht hat man beim Real Club Náutico. „Da könnte dann ein internationales Unternehmen kommen und aus dem Hafen eine Luxus-Marina machen“, sagt Miró. Die Hafenbehörde selbst möchte sich zu diesem Thema derzeit nicht äußern.

Ein Verlust für die Stadt

Für die Stadt wäre es sicher ein Verlust, wenn der Real Club Náutico aufgeben müsste. Generationen von Kindern und Jugendlichen haben dort das Segeln gelernt, 30 Regatten veranstaltet der Wassersportclub im Jahr. „Er hat eine wichtige soziale Funktion in der Stadt“, sagt Miró, dessen Sohn ebenfalls dort segeln lernt. Die Geschichte des Real Club Náutico geht bis ins Jahr 1891 zurück. Damals wurde der Vorgängerclub gegründet, bevor 1948 der heutige Real Club Náutico daraus hervorging.

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