Die Mietwagenpreise sind einer der großen Aufreger auf Mallorca in diesem Jahr. Manch Urlauber musste selbst für einen Kleinwagen in den Pfingstferien für eine Woche an die 900 Euro hinblättern. Bleibt das womöglich den ganzen Sommer so? Nicht unbedingt: Die Preise geben inzwischen wieder ein wenig nach. Das hat vor allem zwei Gründe.

Grund Nummer 1: Die stetig steigenden Buchungszahlen für Mallorca führen dazu, dass große Autovermieter Fahrzeuge nachbestellen und somit zumindest die stark dezimierte Angebotsseite ein wenig verstärken. Noch vor ein paar Wochen hieß es bei den Autovermietern, man habe dieses Jahr aufgrund der großen Unsicherheit und der geringen Herstellerkapazitäten deutlich weniger Autos geordert als in den vergangenen Jahren. Im Falle eines erneuten Aufflammens der Pandemie wolle man schließlich nicht auf den Wagen sitzenbleiben.

Inzwischen überwiegt jedoch der Optimismus, dass die Saison besser wird als zunächst erwartet. Außerdem gab es auch in der Tourismusbranche massive Kritik an den Wucherpreisen. Also werden nun verstärkt Wagen nachbestellt. Nach Angaben der Fährgesellschaft Trasmediterránea transportieren allein deren Schiffe pro Woche rund 1.500 Mietautos auf die Balearen, die überwiegende Mehrheit nach Palma. Ob das reicht, um die Nachfrage zu stillen, steht auf einem anderen Blatt. Die Branchenvertreter rechnen weiter damit, dass in diesem Sommer massiv Mietwagen fehlen werden.

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Grund Nummer 2: Den Urlaubern, die von zu Hause aus ihren Mietwagen buchen, ist oft nicht bewusst, dass es neben den großen Anbietern, die ihre Büros direkt am Flughafen von Palma haben, zahlreiche kleinere Unternehmen gibt, die speziell in den Urlauberhochburgen ihre Büros betreiben. Sie sind in normalen Jahren häufig teurer als Billiganbieter wie Goldcar oder Record go, die in vergangenen Jahren auch gern mal mit Kampfpreisen von Autos für 3 Euro am Tag an den Markt gegangen sind.

Aber in diesem Jahr ist alles anders, wie eine Telefonumfrage der MZ bei kleineren Firmen ergab. Meistens sind es Familienunternehmen mit deutlich weniger als 100 Autos, die oft schon seit Jahrzehnten existieren. Sie richteten sich bislang vor allem an Urlauber, die nur einige ausgewählte Tage während ihres Aufenthalts ein Auto mieten. Nun wittern sie ihre Chance, einen breiteren Kundenkreis zu erschließen.

„Wir haben die Preise aus den vergangenen Jahren beibehalten", sagt etwa die Sekretärin von Rent Me Mallorca in Santa Ponça. Einen Toyota Aygo mit Vollkasko-Versicherung gebe es zur Hochsaison Anfang August bei ihr für 245 Euro, zuzüglich 200 Euro für die Kaution. Was ebenfalls sehr human ist, wenn man bedenkt, dass Anbieter wie Goldcar teilweise vierstellige Beträge für die Kaution verlangen, wenn man keine gesonderte Versicherung abschließt.

Zum Vergleich: Beim Broker billiger-mietwagen.de, wo ausschließlich die großen Anbieter vertreten sind, gibt es in der fraglichen Woche kein Angebot unter 586 Euro. Und die Suchmaschine spuckt lediglich 14 Angebote aus, die bei einer Mietdauer von einer Woche weniger als 100 Euro am Tag kosten.

Über solche Preise kann sich Guillermo Homar, Eigentümer von AutHomar nur echauffieren. Auch er habe im Vergleich zum Vorjahr zwar etwas aufschlagen müssen, weil die Saison diesmal mit einem Start im Juni deutlich kürzer als in gewöhnlichen Jahren ist und deswegen das Leasing der Autos teurer kommt. Ein Auto bei ihm sei dennoch in der Hochsaison für etwa 50 Euro am Tag zu haben. „Und für langjährige Stammkunden machen wir Sonderangebote", sagt er der MZ. Sein Fuhrpark besteht aus weniger als 100 Autos - die meisten davon im Kleinwagensegment.

Auch ein Mitarbeiter von Autos Balears in Peguera stellt für die Monate Juli und August Preise mit rund 40 bis 45 Euro pro Woche in Aussicht. Wer einzelne Tage miete, müsse mit Preisen von rund 50 Euro rechnen. Dafür gibt es dann, wie bei allen kleineren Anbietern zwar meist keine fabrikneuen Autos, aber eine Vollkasko-Versicherung obendrauf.

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