Das österreichische Verteidigungsministerium hat mit seiner im Oktober gestarteten Plakataktion "Blackout - Was tun, wenn alles steht?" international für Aufsehen gesorgt. In den spanischen Medien wird seitdem intensiv die Frage erörtert, ob und wie das eigene Land für einen Blackout ("gran apagón") gerüstet ist. Obwohl ein solcher genereller Stromausfall sehr unwahrscheinlich ist, decken sich viele Menschen bereits mit den Nötigsten für den Fall der Fälle ein.

Besonders beunruhigend wirkte offenbar der im Fernsehen viel zitierte Satz: "Die Frage ist nicht ob, sondern wann der Blackout kommt", sagte die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Der Winter steht vor der Tür, und ein großflächiger und langanhaltender Stromausfall ist ein Albtraumszenario wie aus einem Hollywood-Film.

In vielen spanischen Städten hat die Angst vor dem "gran apagón" bereits zu Hamsterkäufen geführt, die denen zu Beginn der Coronavirus-Pandemie ähneln: Die Menschen decken sich hektisch mit allem ein, was das Leben in völliger Dunkelheit erleichtern könnte. Gasflaschen, Taschenlampen, Kerzen, Batterien oder Campingkocher sind mancherorts bereits ausverkauft. "Es ist eine regelrechte Psychose", sagt der Manager eines Gasflaschen-Herstellers gegenüber der Zeitung "El País".

Zur Not per Schiff versorgt

Doch wäre ein Stromausfall in Spanien tatsächlich zu befürchten? Tatsache ist, dass es auch in Spanien Engpässe bei der Energieversorgung gibt, vor allem beim Erdgas. Algerien, Spaniens Hauptlieferant für das zur Stromerzeugung benötigte Erdgas, hat seinen Streit mit Marokko verschärft hat: Das Land weigert sich, Spanien über die Pipeline zu beliefern, die über marokkanisches Gebiet führt. Mehr als ein Fünftel des spanischen Strombedarfs wird jedoch durch Erdgas gedeckt - und fast die Hälfte davon wird aus Algerien importiert.

Experten stufen das Risiko eines Blackouts dennoch als sehr gering ein. Die Situation von Österreich, einem Land ohne Verbindung zum Meer, das von der Versorgung durch Russland abhängig sei, könne nicht auf Spanien übertragen werden, betonte etwa Francisco Valverde vom Unternehmen Menta Energía. Denn Spanien besäße sechs Häfen, über die es per Schiff mit Erdgas beliefert werden könne - mehr als die meisten anderen Länder in Europa.

Auch die spanische Umweltministerin Teresa Ribera gab Entwarnung und veranschaulichte sie mit den Folgen des Sturmtiefs Filomena, das im Januar 2021 zu einem historischen Schneechaos auf dem spanischen Festland geführt hatte. "Die heikelste Episode, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, war Filomena", so die Ministerin gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press. "Dabei haben wir eine Gas-Menge von zwei Tagesreserven verbraucht. " Spanien verfüge über Reserven für 40 bis 43 Tage – der Vorrat würde also reichen, um 20 Filomenas zu überstehen.

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Den ganzen Winter über wird das Erdgas nun verstärkt per Schiff eingeführt. Zudem solle der Ausbau der direkten Pipeline von Algerien nach Almería (der sogenannten Medgaz) vorangetrieben werden. Algerien habe Bereitschaft signalisiert, Spanien wenn nötig auch größere Gasmengen zur Verfügung zu stellen. In keinem Fall drohe dem Land ein Blackout, versicherte die Ministerin: "Das ist kein denkbares Szenario für Spanien".