Statt auf überflutete Dörfer blickte sie aufs Meer. Der Zweitwohnsitz der am Donnerstag (7.4.) zurückgetretenen nordrheinwestfälischen Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) befindet sich in einer der begehrtesten Lagen in Palma de Mallorca: direkt am Wasser im ehemaligen Fischerviertel Portixol. Umgeben von schicken Cafés, an der Promenade. Dort, wo Einheimische und Besucher spazieren, joggen oder Fahrrad fahren und die Mieten zu den höchsten der Stadt gehören. Auch ein kleiner Strand befindet sich direkt vor der Haustür.

Ursula Heinen-Esser (CDU), Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen, sitzt im Landtag auf der Regierungsbank. Der Druck auf Heinen-Esser steigt. Tage nach der Flutkatastrophe lud sie nach Mallorca zum Geburtstag ihres Mannes ein - zwei Kabinettskollegen und eine Staatssekretärin kamen. Die SPD fordert Konsequenzen. Marius Becker/dpa

Viele der zweistöckigen Häuser werden von zahlungskräftigen Ausländern bewohnt oder als Ferienimmobilien genutzt. Die Ex-Ministerin und ihre Familie haben in einem ersten Stock eine Wohnung gemietet. Der Blick aus dem Fenster über schmiedeeiserne Balkonverstrebungen ist spektakulär - und könnte während der Beschäftigung mit der Flutkatastrophe von 2021 beruhigend gewirkt haben. Die Ministerin hatte wegen den schweren Überschwemmungen nur kurz ihren Mallorca-Aufenthalt unterbrochen und dies nachträglich nur scheibchenweise zugegeben.

Fand hier auch die Geburtstagsparty statt?

Ob in dieser Wohnung auch die Geburtstagsparty ihres Mannes, des Rechtsanwalts Heinz Christian Esser, stattfand, ist nicht bekannt. Zu diesem Anlass waren auch, wie der "Kölner Stadtanzeiger" herausgefunden hat und die zurückgetretene Ministerin bestätigte, noch drei weitere Politiker der Landesregierung angereist: Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU), Europaminister Stefan Holthoff-Pförtner (CDU) und die damalige Staatssekretärin Serap Güler (CDU). Die Flutkatastrophe war zu diesem Zeitpunkt erst eine Woche vorbei.

Ursula-Heinen Esser hatte ihre Entscheidung, den Mallorca-Urlaub nicht zu unterbrechen, damit begründet, dass sie die Betreuung ihrer minderjährigen Tochter und deren mitgereisten Freundinnen nicht ihrem 76-jährigen Mann überlassen konnte.