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Mallorca Zeitung

Sieben Tipps für eine Woche Kultur auf Mallorca

Strandurlaub ist schön und gut, aber Mallorca hat auch in Sachen Kunst, Musik und Geschichte richtig viel zu bieten. Teil 4 der MZ-Serie "Eine Woche Insel"

Im Museum Sa Bassa Blanca. Nele Bendgens

Die hochsommerlichen Temperaturen sollten keine Ausrede sein, um bei einem Mallorca-Aufenthalt ausschließlich auf der faulen Haut zu liegen. Denn dann würden Sie jede Menge Interessantes verpassen: Kunst in (angenehm klimatisierten) Museen und Galerien, Konzerte in stimmungsvollem Ambiente, Einblicke in die ferne, prähistorische Vergangenheit oder ins 19. Jahrhundert. Diese sieben Anregungen machen Kultur-Liebhaber glücklich.

1 Kunst-Streifzug durch Palma

Aktuelle Ausstellung von Albert Pinya und Català Roig im Es Baluard. David Bonet

Wer eine Ausstellung besuchen möchte, wird fast überall auf der Insel fündig. Das mit Abstand dichteste Aufgebot an Kunst findet sich aber logischerweise in der Hauptstadt. Pflicht ist auf jeden Fall ein Besuch im Es Baluard, Palmas Museum für zeitgenössische Kunst, in dem es stets mehrere Ausstellungen parallel zu entdecken gibt. Auch abseits der drei Kunstnächte im Jahr, die der Verband Art Palma Contemporani organisiert, lohnt sich zudem ein Bummel durch die Galerien: Ein guter Startpunkt dafür ist die Galería Pelaires oder Horrach Moyà an der Plaça de la Drassana. Dann geht es weiter über den Carrer de Sant Feliu zur Plaça de la Porta de Santa Catalina und den Passeig de Mallorca bis hin zu Pep Llabrés und Xavier Fiol. In der Miró-Stiftung ist derzeit ein Teil der Räume wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, Fans des katalanischen Künstlers sollten aber dennoch vorbeischauen. Sie mögen es lieber vielseitig und weniger modern? Dann auf ins Museu de Mallorca, ein prachtvolles Herrenhaus, in dem Kunst vom 13. bis zum 20. Jahrhundert einen Platz hat.

2 Oasen der Kunst in Andratx

Das CCA Andratx, Referenz für zeitgenössische Kunst. CCA Andratx

Im Südwesten von Mallorca sei Ihnen ein Stopp im Centre Cultural Andratx (CCA) wärmstens ans Herz gelegt. Das 4.000 Quadratmeter große Zentrum im Schoße der traumhaften Landschaft beherbergt eine Kreuzung aus Galerie, Museum und Atelier, die in dieser Form auf der Insel einzigartig ist. Seit rund 20 Jahren sorgen die dänischen CCA-Gründer Patricia und Jacob Asbæk hier für ein hochkarätiges Ausstellungsprogramm mit nationaler und internationaler, zeitgenössischer Kunst. Die Residenzen vor Ort sind heiß begehrt. Einmal im Monat geben die jeweils vier Künstler, die dort leben und arbeiten, Einblicke in ihren aktuellen Kreativprozess. Auch werden Workshops und Führungen angeboten (ccandratx.eu). In Port d’Andratx befindet sich eine weitere Perle unter den Kunstschätzen der Insel: das Studio Weil, ein Bau von Star­-Architekt Daniel Libeskind. Im früheren Atelier der US-Künstlerin Barbara Weil haben deren Kinder ein Museum eingerichtet, das immer wieder mit interessanten Ausstellungen und Events aufwartet (studioweil.com).

3 Vielfalt in Valldemossa

Die Kartause von Valldemossa.

Die Kartause von Valldemossa. Torello

Auch in Valldemossa versteckt sich ein Ort der Kunst: Die Fundació Cultural Coll Bardolet bietet sehenswerte Ausstellungen und dazu viele Veranstaltungen wie Konzerte. Doch in erster Linie ist das idyllische Bergdorf natürlich der Pilgerort schlechthin für Liebhaber von Frédéric Chopin, der dort 1838/39 gemeinsam mit George Sand überwintert hatte. Die berühmte Kartause von Valldemossa ist dementsprechend die Touristenattraktion Nummer eins – gerade erst war dort die spanische Königsfamilie zu Besuch. Obacht: Die Besichtigung der Chopin-Zelle ist unabhängig vom Museum im ehemaligen Kloster. Im August kommt man dem polnischen Komponisten hier besonders nah: Beim Festival Chopin wird seiner Kunst mit einer Konzertreihe Leben eingehaucht. 2022 gestalten die renommierten Pianisten Aimi Kobayashi (7.8.), Alexei Volodin (14.8.), Martín García (21.8.) und Eudald Buch (28.8.) das Programm. Los geht es jeweils um 21.30 Uhr, Karten ab 15 Euro gibt es auf ticketib.com.

4 Stimmungsvolles Pollença

Das Festival de Pollença. Miquel Cerda Canabellas

Seit 2021 darf sich der Ort Pollença im Norden von Mallorca mit seinem reichen Kulturerbe offiziell als eines der schönsten Dörfer Spaniens bezeichnen. Wer körperlich fit genug ist, die 365 Stufen des Kalvarienberges mit der kleinen barocken Wallfahrtskapelle zu erklimmen, kann sich oben über eine grandiose Aussicht freuen. Ein Blick aus der Nähe ist hingegen bei der Klosteranlage von Sant Domingo angebracht: Sie ist zum einen Sitz des Stadtmuseums, das einen etwas eigenwilligen Mix von Frühgeschichte über mittelalterliche bis zeitgenössische Kunst zeigt. Zum anderen ist sie ein bedeutendes Kulturzentrum: So finden vor der prächtigen Kulisse des Klosterhofes mit seinem Rundbogen-Kreuzgang die Klassik-Konzerte des Festival de Pollença statt. Der erste Termin diesen Sommer steht am 6. August 2022 an, den ganzen Monat werden erstklassige Gäste wie die Camerata Salzburg oder das Orquesta Nacional de España erwartet (festivalpollenca.com). Auch das kleine, aber feine Brahms-Festival hat den stimmungsvollen Hof als Spielort unter freiem Himmel gewählt.

5 Die Anwesen des Erzherzogs

Ein magischer Ort, wo das Erbe von Ramon Llull auf jenes von Erzherzog Ludwig Salvator trifft: das Anwesen Miramar. Nele Bendgens

Was die jüngere Geschichte von Mallorca betrifft, so kommt man an der Persönlichkeit von Erzherzog Ludwig Salvator (1847–1915) nicht vorbei – das gilt besonders für die Nordwestküste, wo der Sprössling aus der Familie des österreichischen Kaisers ein Anwesen nach dem anderen erwarb. Eines davon ist Son Marroig, zwischen Valldemossa und Deià gelegen, das man in der warmen Jahreszeit von seiner schönsten Seite bei den Konzerten des Festival de Deià erleben kann (dimf.com). Nur einen Katzensprung entfernt liegt die ehemalige Klosteranlage Miramar, in der Ramon Llull im 13. Jahrhundert eine Missionarsschule gegründet hatte. Das geschichtsträchtige Kleinod wurde zu Ludwig Salvators erstem Besitz, den er zu seinem Hauptdomizil auf der Insel umbauen ließ. Eine Besichtigung des Anwesens (Mo.–Sa. 10–16.30 Uhr, Eintritt: 4 Euro) mit seiner Kapelle, den Gärten und dem pittoresken Klostergang eines alten Franziskanerklosters in Palma erlaubt tiefe Einblicke in die Lebenswelt des Erzherzogs und dazu großartige Ausblicke auf die Küstenlinie und den Lochfelsen Sa Foradada.

6 Zeugnisse der Talaiot-Zeit

Blick von oben auf die Ausgrabungsstätte Son Fornés. Mark Van Strydonck / Son Fornés

Wen es noch weiter in die Vergangenheit zieht, der findet auf der Insel viele Spuren der Ur-Mallorquiner, die einstmals in der Talaiot-Zeit (850 bis 123 vor Christus) lebten. Zu sehen sind die Überreste der letzten großen prähistorischen Kultur auf Mallorca vor Ankunft der Römer etwa in der archäologischen Fundstätte Son Fornés in Montuïri, wo seit 1975 geforscht wird: Die talaiotische Siedlung mit dreien der für die Zeit namensgebenden Steintürmen und verschiedenen zusammenhängenden Häusern wurde einst von 300 bis 400 Menschen bewohnt. Zur Einordnung des Gesehenen am besten gleich im Anschluss das nahe Museum besuchen. Dort sind unter anderem Funde aus Son Fornés ausgestellt, man lernt aber auch etwas über die Epochen, die auf die Talaiot-Zeit folgten (Info: sonfornes.mallorca.museum).

7 Ein Künstler-Lebenswerk

Das Museo Sa Bassa Blanca.

Das Museo Sa Bassa Blanca. Nele Bendgens

Ein prähistorisches Nashornskelett direkt neben zeitgenössischer Kunst? In Alcúdia lockt ein Ausflugsziel, wo genau das tatsächlich funktioniert und Architektur, Kunst und Natur eine besondere Symbiose eingeht: Mit dem Museum Sa Bassa Blanca und seiner stetig wachsenden Sammlung hat das Künstlerpaar Yannick Vu und Ben Jakober ein eklektisches Gesamtkunstwerk erschaffen, das für jeden Geschmack etwas bereithält. Das Hassan-Fathy-Gebäude, früher auch Wohnsitz des Paares, beherbergt Kunstwerke verschiedener Stile und Kulturen – vom afrikanischen Kontinent über den arabischen Raum bis hin zu Australien und Papua-Neuguinea – die miteinander in einen spannenden Dialog treten. Dazu gibt es die eingangs erwähnte „Wunderkammer“, den sogenannten Sokrates-Raum, sowie einen weiteren Ausstellungssaal mit einer Sammlung von Kinderporträts. Zum weitläufigen Gelände gehört auch ein Rosengarten und der besonders bei kleinen Besuchern beliebte Skulpturenpark, der zu einer „Safari“ einlädt (Infos unter: msbb.org).

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