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Mallorca Zeitung

Che Guevara und Ballerinas: Eine Fotoausstellung auf Mallorca zeigt Kuba vor, während und nach der Revolution

Im Espai Passatemps in Santa María del Camí schlägt eine neue Schau ab dem 21. Mai Brücken zwischen meisterhaften Fotografien aus der Vergangenheit und Gegenwart des Inselstaats

Aktuelles Bild aus Kuba von einer Fotografin der Gruppe „Jíbaro Photos“. Leysis Quesada Vera

Von Soldaten in abgewetzten Hemden bis hin zum einfühlsamen Porträt: Bei der Ausstellung „Walker Evans & Fotògrafs Cubans. Cuba abans, durant i després de la Revolució“ im Espai Passatemps lässt sich in die Geschichte Kubas eintauchen und die Arbeit junger Talente des Inselstaats kennenlernen. Zudem zeigt Miquel Frontera Serra, der vor einem Jahr das Kulturzentrum eröffnete, das erste Ergebnis eines Projekts: ein Video mit Fotografien von Menschen, die in den 1920er-Jahren von Santa María nach Kuba auswanderten.

Ansonsten schöpft Fronteras Unterstützer, der Kölner Stifter und Mäzen Michael Horbach, für die neue Schau erneut aus seiner umfangreichen Sammlung. „Ich wollte zeigen, dass Kuba eine unglaublich große Tradition an hervorragenden Fotografen hat“, sagt Horbach im Gespräch mit der MZ. Im Vergleich zu manch gehyptem US-amerikanischen Fotografen seien jene aus Kuba schmerzlich vernachlässigt und unterschätzt. Ein US-Amerikaner ist trotz allem ein wichtiger Teil der Ausstellung und deckt den Zeitraum vor der Revolution ab: Walker Evans, der 1933 nach Kuba reiste, um ein Land im Bürgerkrieg zu dokumentieren, ist mit 15 Fotografien vertreten.

Bedeutende Fotografen der Revolution

Ein Klassiker aus der Sammlung von Michael Horbach: „El Sueño“ von 1959. Raúl Corrales

Was die bedeutenden Fotografen der Revolution betrifft, so sticht Alberto Korda heraus: Sein berühmtes Foto von Che Guevara erwarb Horbach vor einigen Jahren von Kordas Tochter. Auch Aufnahmen von Fidel Casto in der Sowjetunion, die der Sammler bei einer Auktion ersteigern konnte, sind zu sehen. Die Fotografen aus der Zeit der Revolution sind zudem mit drei Fotos von Perfecto Romero, sieben von Raúl Corrales und zwei Werken von Chinolope vertreten, den der Kölner vor dessen Tod im Oktober 2021 noch kennenlernen durfte. „Eines seiner Fotos zeigt Che als Christus, das ist unglaublich und musste unbedingt in meine Sammlung“, so Horbach.

Bevor es zu neueren Arbeiten von Raúl Cañibano geht, der eindrucksvolle Aufnahmen vom Landleben auf der Insel schuf, gibt es noch einen Sprung in das Kuba der 80er-Jahre: Der jung verstorbene Alfredo Sarabia senior galt damals als der berühmteste kubanische Fotograf. Sein VW Käfer diente später auch seinem Sohn als Fotomotiv. Horbach bezeichnet sich als eine Art Ersatzvater für Alfredo Sarabia junior, fördert ihn und zeigt in der Schau auch Fotos aus drei seiner Serien.

Rau und wild

„Das Schöne ist: Gute Fotografen empfehlen gute Fotografen“, sagt Horbach. So brachte ihn Sarabia bei seinem letzten Kuba-Besuch in Kontakt mit drei jungen Künstlern der Gruppe „Jíbaro Photos“, von denen er jeweils vier Fotos zeigt. Zentrales Motiv von Leysis Quesada Vera: ihre balletbegeisterten Töchter, die im heruntergekommenen Hinterhof auf dem Hausdach tanzen. Von Daylene Rodríguez Moreno gibt es sensible Porträts, Manuel Almenares gibt aktuelle Einblicke in die Lebensrealität auf Kuba, etwa auf einer belebten Straße in einem Arbeiterviertel Havannas. „Das Foto zeigt: Es ist rau und wild dort“, sagt Horbach.

"Isabella en confinamiento" Daylene Rodríguez Moreno.

Diese neuen Arbeiten sind 10er-Auflagen, die man erwerben kann: Fotos der Größe 40x60 cm zum Preis von 330 Euro, wobei der gesamte Erlös an die Fotografen geht.

Vernissage: 21.5., 18–21 Uhr, bis 31.7., Espai Passatemps, C/. Marquès de la Fontsana, 14, Öffnungszeiten: Di.–Fr. 11–13 Uhr, 18–20 Uhr, Sa.–So. 11–13 Uhr.

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