Öffentliches Gesundheitssystem auf Mallorca will Patienten an Privatkliniken übermitteln
Dadurch sollen die langen Wartelisten für Termine bei Fachärztinnen und -ärzten abgebaut werden

Viel los im öffentlichen Krankenhaus Son Espases in Palma de Mallorca / B. Ramón
Iñaki Olaizola
Die balearische Gesundheitsbehörde IB-Salut will mit einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen die langen Wartezeiten für Patienten ankämpfen, die auf Mallorca oder den Nachbarinseln auf einen Termin bei einem Facharzt oder einer Fachärztin im öffentlichen System warten. Wie die Verantwortlichen am Montag (31.10.) bekanntgaben, sollen ab sofort monatlich bis zu 900 Patienten automatisch an private Kliniken und Ärztehäuser überwiesen werden. Ab Mitte November werden die betroffenen Patienten darüber informiert, wann und wo sie bei den Privatärzten einen Termin bekommen.
Viele Patienten nehmen Termine nicht wahr
Mit diesem Schritt reagiert IB-Salut auf die ohnehin langen Wartelisten, die durch die medizinischen Engpässe während der Corona-Pandemie noch einmal um ein Vielfaches angewachsen sind. Grund dafür, dass Patienten teilweise viele Monate auf einen Termin warten müssen, sei jedoch nicht nur fehlendes Personal, sondern auch die Tatsache, dass viele Patienten ihre Arzttermine während der Pandemie nicht wahrnahmen, ohne diese vorher abzusagen. Allein zwischen Januar und September 2021 sei dies bei 8,24 Prozent aller vereinbarten Termine der Fall gewesen, aufs gesamte Jahr 2021 gesehen sogar bei 9,38 Prozent.
Die Bevölkerung sei daher aufgerufen, vereinbarte Sprechstunden stets abzusagen, falls ein Wahrnehmen des Termins unmöglich ist, damit andere Patienten von den Wartelisten nachrücken können. "So früh wie möglich" werde man auch das digitale Patientenportal erneuern, um Änderungen oder Absagen auch auf diesem Wege zu erleichtern. Aktuell ist dafür ein Anruf bei der Hotline 971-220000 nötig.
Keine Mehrkosten für die Patienten
Wie die Verantwortlichen konkretisieren, werden die Patienten, die an einen privaten Facharzt oder eine private Fachärztin überwiesen werden, nicht nur einmalig dorthin geschickt, stattdessen werden - falls es das gesundheitliche Anliegen erfordert - auch die Folgetermine bei eben jenem Mediziner durchgeführt, genauso wie notwendige Labortests oder andere Untersuchungen. Konkret sollen Patienten "outgesourct" werden, die Hilfe von Verdauungsspezialisten, Dermatologen, Augenärzten, Traumatologen, orthopädischen Chirurgen sowie Hals-Nasen-Ärzten benötigen.
Die Kosten übernimmt das öffentliche Gesundheitssystem. Insgesamt werden 12,6 Millionen Euro im Jahr dafür veranschlagt, dass die Mediziner im öffentlichen System nicht alle Patienten selbst behandeln. /somo
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