Mallorca Zeitung

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Wie sich drei Frauen durch einen Sport von ihrem Krebsleiden erholen

Brustkrebs-Behandlungen hinterlassen oft Lymphödeme. Diese Frauen fanden einen Sport, um mit den Folgen der Erkrankung umzugehen

Sie sind sehr glücklich, auf das Projekt gestoßen zu sein: Cristina Reina, Isabel Noguera und Conchita Rodríguez (v. li.). Guillem Bosch

Am Wochenende vom 13. und 14. Dezember haben bei einem ganz besonderen Turnier im Bogenschießen in Campanet 22 Frauen einen auf Robin Hood gemacht: Die von Mallorca und Menorca stammenden Bogenschützinnen sind allesamt an Brustkrebs erkrankt und nutzen den Sport, um die Nachwirkungen der Erkrankung zu lindern. Beim „II Trofeu Balear ‚Arc i Salut‘ Sala 2024“ wollten sie zudem ein Zeichen setzen. Organisiert hatten das Hallenturnier der Club de Tir amb Arc im Rahmen des Projecte Arkus, der balearische Bogenschießverband und das Rathaus der Gemeinde.

Positive Auswirkungen auch auf die Psyche

Bei einer von vier Frauen, die sich einer Brustkrebs-Behandlung unterziehen müssen, bildet sich ein sogenanntes Lymphödem. Dabei schwillt der Arm an, nachdem aufgrund der operativen Entfernung der Achsellymphknoten der Lymphfluss unterbrochen wurde. Die Lymphödeme können sehr schmerzhaft sein und die Lebensqualität der Frauen stark beeinträchtigen. Experten haben herausgefunden, dass die Vibrationen am Bogen, die beim Abschießen des Pfeils entstehen, die Symptome stark verbessern oder ganz verschwinden lassen können. Zudem soll sich die Ausübung der Sportart, ähnlich wie eine Therapie, positiv auf die Psyche der Betroffenen auswirken.

"Eine neue Familie gefunden"

Das können Cristina Reina, Conchita Rodríguez und Isabel Noguera, die an dem Projekt teilnehmen, bestätigen. Reina etwa hat festgestellt, dass sich nicht nur ihr Lymphödem durch den Sport extrem verbessert hat. „Es ist Wahnsinn, wie gut mir das Bogenschießen auch auf emotionaler Ebene tut. Im Club habe ich eine neue Familie gefunden. Wir haben eine tolle Zeit zusammen, lachen viel“, sagt sie. Man vergesse alles um sich herum, denke nur ans Hier und Jetzt, bestätigt auch Rodríguez. Das Bogenschieß-Projekt zwinge die Frauen außerdem, sich wieder unter „normale“ Menschen zu begeben, hebt Noguera hervor. Und ihren Arm könne sie mittlerweile wieder viel besser anheben.

Das Bogenschießen tut sowohl dem Arm als auch der Psyche gut. Guillem Bosch

Durchweg positive Erfahrungen

Cristina Reina hat vor sieben Jahren die Diagnose „Brustkrebs“ bekommen. Infolge des chirurgischen Eingriffs unter den Achseln bekam auch sie ein Lymphödem. Als das Bogenschieß-Projekt 2021 ins Leben gerufen wurde, riet ihr ihre Ärztin, mitzumachen. Seither trainiert sie viermal pro Woche, jeweils zwei Stunden lang. „Das Bogenschießen hat mir sofort gut gefallen“, erinnert sie sich. Zudem habe sie viele Gleichgesinnte kennengelernt, die ihr mittlerweile sehr nahestehen.

Conchita Rodríguez ist erst seit eineinhalb Jahren bei dem Projekt dabei. Auch sie habe „hervorragende Erfahrungen“ gemacht, sagt sie. Sie bekam ihre Krebs-Diagnose bereits vor 23 Jahren. Ihre rechte Brust war betroffen. Auch bei ihr bildete sich nach der OP ein Lymphödem. Vor zwei Jahren stellten die Ärzte dann fest, dass auch ihre linke Brust vom Krebs befallen war. „Mich hat es gleich doppelt erwischt. Aber was soll man machen“, sagt Rodríguez optimistisch. Zunächst wollte sie nicht mit den anderen Frauen trainieren. „Ich dachte zuerst, Bogenschießen wäre Mist. Dann habe ich den ersten Pfeil geschossen und gemerkt: Das macht mir wirklich Spaß.“ Sie sei sehr ehrgeizig, gibt sie zu. Schon drei Monate nach ihrem Einstieg in das Projekt habe sie an einem nationalen Turnier teilgenommen. Die Schwellung an ihrem Arm habe sich um ganze drei Zentimeter zurückgebildet.

„Reden nicht über Erkrankung“

Isabel Noguera ist seit Beginn bei dem Projekt dabei. „Wir reden nicht über die Erkrankung. Wir verstehen uns blind, da wir dasselbe durchgemacht haben, und urteilen nicht über die anderen“, hebt sie positiv hervor. „Stattdessen freuen wir uns miteinander, wenn wir zehn Punkte erschossen haben oder den Pfeil genau in der Mitte der Zielscheibe platziert haben“, fügt Rodríguez hinzu. Durch den Sport kämen sie ihrem Ziel, den Krebs zu besiegen, gemeinsam näher.

Allen Frauen, denen Ähnliches widerfahren ist oder die sich aktuell einer Krebsbehandlung unterziehen müssen, rät sie dringend, zu dem Projekt hinzuzustoßen. „Der Sport gibt einem die Möglichkeit, etwas sehr Intimes zu teilen und gleichzeitig davor zu fliehen“, schwärmt Noguera.

Sie stecken hinter dem Projekt

Die treibenden Kräfte dahinter sind Elionor Morante und Pedro Carreño. Der Bogenschützen-Verein ist der einzige des Landes, der sich mit einem eigenen Projekt auf an Krebs erkrankte Frauen konzentriert. Er arbeitet mit dem Krankenhaus Son Espases und der balearischen Ärztekammer zusammen. Patientinnen werden an den Verein überwiesen.

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