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Vernichtungswut auf Mallorca: Abschied von den einzigartigen Kiefern von Palma

Gastautor Miguel Vicens über die letzte große Kiefer, die kürzlich nahe der Kathedrale in Palma gefällt wurde

Am 17.11. wurde ein markante Kiefer vor Palmas Kathedrale entfernt. B. Ramon

Es war die letzte große Kiefer, die unterhalb der Stadtmauer am Fuße der Kathedrale wuchs, ein Gigant mit einem Stamm von einem Meter Durchmesser, aus dem vier große Äste entsprangen, die seine mächtige Krone trugen.

Auf den Fotos der vergangenen 40 Jahre ist zu sehen, wie sie über die Mauer herausragte und einen Kontrastpunkt zur Seu bot: die grüne Ergänzung zu der Palette von Ockertönen, die der gotische Tempel uns im Laufe des Tages schenkt. Es war das letzte Exemplar, denn bereits 2021 fällte die Stadtverwaltung von Palma die anderen beiden Kiefern, die dort standen. Nach dem Sturm „Hortensia“ stellte ihre Instabilität eine Gefahr für die Passanten dar. Um Risiken zu beseitigen, mussten sie weichen. Wie auch am vergangenen Freitag (17.11.) die letzte Kiefer. Drei Tage zuvor hatte sie einen Ast verloren. Die Diagnose, das Todesurteil und die Kettensäge folgten umgehend.

Die Kiefer war zuerst da

Dabei sollten wir manchmal in der Lage sein, bestimmte Risiken zu ertragen, um solch einzigartige Bäume zu erhalten. Oder eben Alternativen zur Beseitigung von Monumenten zu suchen, die bereits vor uns Teil der Stadt waren. Vor allem, angesichts der Geschwindigkeit, mit der das Rathaus die Risiken beseitigt: Die Straße Pins („Kiefern“) in Can Pastilla steht jetzt ohne ihre riesigen namensgebenden Exemplare da; auf dem steilen Abschnitt der Straße Santuari de la Bonanova haben neu gepflanzte Zypressen aus der Baumschule die majestätischen Kiefern unserer Großeltern ersetzt; und die Ulmen der Stadt werden entfernt, weil sie von Zeit zu Zeit Äste verlieren, wie das nun einmal ist.

Die großen Riesen sind empfindlicher als unsere Stadträte. Der 1827 gesetzte Gummibaum der Misericòrdia, dessen Wurzeln sich bis zur Rambla erstrecken, verlor vor zwei Jahren wegen eines Hitzschlags einen 200-Kilo-Ast. Nur weil er Glück hatte oder weil er katalogisiert ist, entkam er der städtischen Vernichtungswut.

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