Meinung | Inselstimmen
Die Tourismusbranche auf Mallorca sucht talentierte Fachkräfte – anständig bezahlen möchte sie dafür aber nicht
MZ-Kolumnist Miguel Vicens zeigt sich enttäuscht über das Vorgehen einer Branche, die gerne meckert, aber den Worten keine Taten folgen lässt

An der Playa de Palma findet man auch im Winter noch offene Hotels. / Nele Bendgens
Seit Ende Februar gab es kein einziges Tourismusunternehmen und keine einzige Hotelkette auf Mallorca, die nicht ihr Einstellungsverfahren für die bevorstehende Saison abgehalten hat. Einige dieser Unternehmen treffen die Auswahl selbst. Andere wiederum bitten immer häufiger die öffentliche Verwaltung um Hilfe, das SOIB, das Arbeitsamt der Balearen, das eine erste Sichtung der Bewerber anhand einer Liste von Kandidaten nach Profil, Anforderungen und Arbeitsbedingungen vornimmt. Anschließend organisiert es einen Tag mit Vorstellungsgesprächen für die endgültige Auswahl.

Ein Mann bewirbt sich beim Luxushotel Jumeirah während der Jobmesse PalmaActiva. / Nele Bendgens
Nach den winterlichen Aufschreien der Arbeitgeber, die sich über den Mangel an wirklich qualifizierten Fachkräften für das Hotel- und Gaststättengewerbe beklagten, wollte ich in diesem Jahr wissen, ob die Stellen finanziell besser ausgestattet waren, es also wahr ist, dass, wie behauptet, ein echtes Interesse daran besteht, sich für einen besser qualifizierten und logischerweise auch besser bezahlten Arbeitnehmer zu entscheiden. Die Enttäuschung war groß.
Reine Existenzlöhne in Luxushotels
Denn selbst in Fünf-Sterne-Hotels, wo der Durchschnittsbürger mehr als ein Jahr lang sparen müsste, um ein Wochenende in einem seiner Traumzimmer verbringen zu können, werden den Arbeitnehmern reine Existenzlöhne angeboten, befristete Verträge, die kaum 1.300 Euro im Monat erreichen, viele Jobs mit niedrigeren Löhnen, nur in Ausnahmefällen mit etwas über 1.400 Euro dotiert.
Mir fiel auf, dass einer dieser Einstellungstage pompös als Talent Day bezeichnet wurde, als ob er vom Massachusetts Institute of Technology organisiert würde. Und ich dachte, dass die Statistiken, mit denen unsere Politiker die Vollbeschäftigung im Sommer feiern, aus diesen Massenanwerbungen gespeist werden, während uns die Saison in Wirklichkeit teuer zu stehen kommt und Mallorca von einer Tourismuswirtschaft lebt, die nicht das geringste Interesse daran hat, Talente anzuziehen – und natürlich auch nicht daran, sie zu bezahlen.
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