Mallorca Zeitung

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Mitarbeiter im Kloster Lluc auf Mallorca beklagen Mobbing und Ausbeutung

Der zuständige Prior von Mallorcas bekanntester Pilgerstätte wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern

Archivbild des Innenhofs vom Kloster Lluc auf Mallorca B. Ramón

Weithin gilt das Kloster Lluc im Tramuntana-Gebirge auf Mallorca als Ort der Ruhe und des Friedens, der viele Ausflügler und Besucher anzieht. Eine Gruppe von Mitarbeitern in der Klosteranlage beklagt nun aber das "schlechte Arbeitsklima" vor Ort. Die Rede ist von Beleidigungen, Mobbing und Einschüchterungen seitens des Vorstehers Marià Gastalver. Aktuell seien fünf Mitarbeiter wegen Depressionen und Panikattacken krankgeschrieben, da sie die Situation nicht aushielten, betonte nun eine Gruppe von Mitarbeitern im Gespräch mit MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca", die anonym bleiben will.

Angefangen habe alles mit dem Wechsel der Verantwortlichen in Mallorcas bekanntestem Kloster. Im September 2019 übernahmen der Prior Marià Gastalver die Leitung der geistlichen Stätte sowie der angrenzenden Herberge, nachdem zuvor sei 1891 Mönche der Kongregation Missioners dels Sagrats Cors, genannt "Coritos", die Pilgerstätte verwaltet hatten. 2019 zogen sich die letzten fünf Mönche jedoch altersbedingt zurück. Viele der Angestellten blicken wehmütig auf die Zeit mit den "coritos" zurück. "Damals forderten sie nur von uns, dass wir unsere Arbeit gut machen, aber jetzt fühlen wir uns wie beim Militär", so die aufgebrachten Mitarbeiter. Ständig werde man kontrolliert, überall gebe es Überwachungskameras.

In der Pandemie geschummelt?

Mit Beginn der Pandemie, als die Belegschaft in Kurzarbeit ging, habe sich die Situation deutlich verschlechtert. "Obwohl es damals verboten war, Überstunden zu machen, mussten wir zusammen rund 2.000 Stunden mehr arbeiten als vorgesehen, außerdem stellten sie uns als Selbstständige ein", versichern die Angestellten. Auch seien während der Monate der Kontaktbeschränkungen mehr Reservierungen für den Herbergsbereich zugelassen worden, als erlaubt. "Wir waren an den Wochenenden voll belegt und hatten nicht einmal Zeit zu desinfizieren."

Das Schlüsselwort sei "Angst", so die Mitarbeiter. Mehrere Kollegen seien bereits entlassen worden, anderen sei das Gehalt bis zu 60 Tage lang vorenthalten worden. Offiziell habe man bereits zwei Anzeigen wegen Ausbeutung am Arbeitsplatz gestellt.

Auf die Vorwürfe angesprochen, wollte sich der Klostervorsteher Marià Gastalver nicht öffentlich äußern. Es handele sich um "interne Klosterangelegenheiten". /somo

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