KIOSK Mallorca Zeitung

Mallorca Zeitung

María José Guerrero Balearen-Chefin des spanischen Wetterdienstes Aemet

iPhone hält Luftqualität auf Mallorca nur für "akzeptabel". Wie kann das sein?

Laut der auf Apple-Geräten vorinstallierten Wetter-App steht es nicht gut um die Luftqualität Mallorcas. Wir haben die Chef-Meteorologin der Insel dazu befragt

Eine Spaziergängerin an der Promenade des Stadtviertels Molinar in Palma de Mallorca. Nele Bendgens

Apple-Nutzer, die mit der auf dem iPhone und anderen Endgeräten vorinstallierten Wetter-App die Lage auf Mallorca checken, haben sich vielleicht auch schon gewundert: Egal, welchen Ort man eingibt, die Luftqualität ist nirgendwo gut. Für die Stadt Palma könnte man sich das „akzeptabel“ vielleicht noch erklären. Doch die App zeigt trotz Nebensaison, deutlicher weniger Verkehrsaufkommen und damit auch Touristen aktuell etwa in Llucmajor, Ses Salines oder Banyalbufar ebenfalls nur „akzeptabel“ an – immerhin noch mit dem Zusatz, dass die Verschmutzung kein Gesundheitsrisiko darstellt.

Wir haben bei María José Guerrero, der Balearen-Chefin des spanischen Wetterdienstes Aemet, nachgefragt, wie das sein kann. Vorab: Sie kennt die App nicht und weiß daher nicht, worauf die Einordnung basiert.

Arbeitet schon seit 37 Jahren bei Aemet: Maria José Guerrero. DM

Im Fall von Palma ist die Rede von „PM2,5“. Die Feinstaubpartikel seien „klein genug, um in den Blutkreislauf zu gelangen, stammen häufig von Waldbränden, Schornsteinen, Bakterien und kleinen Staubpartikeln“, liest man in der App. Ist das nun gefährlich?

Damit sind Partikel in der Luft gemeint, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer. Wenn ihre Konzentration bestimmte Grenzwerte überschreitet, stellen sie ein Risiko für unsere Gesundheit dar. Je kleiner die Partikel sind, desto tiefer dringen sie in die Atemwege ein und desto schädlicher können sie sein. Im Lauf der Zeit können sich die feinen Partikel zudem in den Lungenbläschen ansammeln. Einige ihrer chemischen Bestandteile können sich auflösen und ins Blut gelangen. Die kleinste Fraktion von Feinstaub, ultrafeine Partikel, können durch die Atmung sogar direkt in den Blutkreislauf gelangen.

Wie wird die Luftqualität hierzulande gemessen? Welche Niveaus oder Kategorien gibt es?

Aemet erstellt eine Vorhersage der Konzentration verschiedener Schadstoffverbindungen und einen Luftqualitätsindex. Dieser Index gibt anhand einer für den Bürger leicht lesbaren Farbskala Auskunft über die Qualität an die einzelnen über das ganze spanische Staatsgebiet verteilten Stationen. Der Index enthält zudem Gesundheitsempfehlungen für die allgemeine Bevölkerung wie auch besonders gefährdete Menschen, etwa Kinder, Erwachsene mit Atemwegserkrankungen oder Menschen mit Herzkrankheiten. Sie stimmen mit den Gesundheitsempfehlungen des Europäischen Luftqualitätsindex überein. Er basiert auf Konzentrations-Kriterien für die Schadstoffe, die in der Luftreinhaltung am häufigsten verwendet werden: Bei NO (Stickstoffdioxid) und Schwefeldioxid (SO) wird die Durchschnittskonzentration der letzten Stunde verwendet. Beim Ozon (O) wird der Durchschnitt der Konzentrationen der letzten acht Stunden verwendet. Beim Feinstaub (PM10 und PM2,5) der der letzten 24 Stunden. (Anm. d. Red.: Vereinfacht gesagt wird sehr gute Qualität dann in Blau dargestellt, gute in Grün, mäßige in Gelb, ungünstige in Rot, sehr ungünstige in Rotbraun, extrem ungünstige in Lila. Grau taucht auf, wenn es keine Daten gibt.) Details zu den Werten des Europäischen Luftqualitätsindex findet man hier.

Man könnte glauben, dass in Städten die Umweltbelastung prinzipiell höher ist als in Dörfern. Stimmt das?

Die Verschmutzung steht in engem Zusammenhang mit der Emission von Schadstoffen. Wenn Letztere an einem Ort, sei es in einer Stadt oder in einem Dorf, hoch ist, spiegelt sich dies im Wert der Luftqualitätsmessung wider. Meistens ist die Verschmutzung in der Nähe der Emissionsquellen am höchsten. Dennoch können einige sekundäre und langlebige Schadstoffe wie etwa Ozon manchmal die höchsten Konzentrationen in Dutzenden von Kilometern Entfernung vom Emissionsort erreichen. In dicht besiedelten Regionen mit noch dazu vielen Industriegebieten und Stadtzentren, kann die Feinstaubkonzentration auch in ländlichen Gebieten hohe Werte erreichen. Das ist zwar auf Mallorca nicht der Fall, in anderen Gebieten Europas aber schon.

Inwiefern ändert sich die Luftqualität im Winter verglichen mit dem Sommer?

Gelangt, auf natürlichem Weg, etwa Sahara-Staub nach Mallorca, können sowohl die Werte für Grob- wie auch in geringerem Maße die von Feinstaub ansteigen. Generell verschlechtert sich die Luftqualität auf Mallorca, sobald Luftmassen aus Nordafrika hierher kommen, da sie Feinstaub enthalten. Da es vor allem zwischen Frühling und Herbst zu den Luftströmungen kommt, ist die Luftqualität im Winter besser als im Sommer. Was die verkehrs- und industriebedingte Luftverschmutzung hingegen betrifft, können im Winter wegen mangelnder Frischluftzufuhr und hoher atmosphärischer Stabilität (d. h. Hochdruck-Bedingungen und Windstille; Anm. d. Red.) schlechtere Werte auftreten – sowohl beim Stickstoffmonoxid als auch bei Partikel-Massen in städtischen Gebieten. Nichtsdestotrotz erreicht Ozon in den Sommermonaten seine Höchstwerte.

In der App von Aemet gibt es leider nirgendwo Informationen zur Luftqualität.

Nein, aber auf unserer Website unter diesem Link.

Artikel teilen

stats