Schafswolle – das klingt nicht wirklich nach Innovation und Rendite. Der ohnehin niedrige Kilopreis sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich, von 50 Cent im Jahr 2016 auf 10 Cent. Zwischenzeitlich, während der Corona-Krise, fiel China als Hauptimporteur von europäischer Wolle ganz aus, der Kilopreis sank auf null Euro.

Und trotzdem lieferten Mallorcas Bauern einen Teil der Wolle bei den Kooperativen und Zwischenhändlern ab – um sich die Entsorgungskosten zu sparen. „War die Wolle vor wenigen Jahrzehnten noch eine wichtige Einnahmequelle für die Bauern, ist sie heute Problemmüll“, heißt es in einer Studie der Vereinigung Mallorca Rural. „Es geht vor allem darum, sie mit dem kleinstmöglichen Verlust zu entsorgen.“

Keine Chance für Mallorcas Wolle auf dem Weltmarkt

Dabei sei es nicht so, dass die Inselwolle von schlechter Qualität sei, betont Magdalena Adrover, Koordinatorin der Studie – im Gegenteil. Aber die internationale Modebranche verarbeite nun mal in erster Linie Merinowolle und habe für die gröbere Wolle der roten Mallorca-Schafe wenig übrig. Hinzu kommen Probleme und Kosten bei Verarbeitung und Logistik. Unzureichende Klassifizierung, Verunreinigung durch Teermarkierungen, fehlende Infrastruktur für die Reinigung auf Mallorca, hohe Transportkosten durch die Insellage – auf dem Weltmarkt scheint die Mallorca-Wolle keine Chance zu haben.

Was also tun, damit der Sektor überlebt? Die Zeit drängt: Jedes Jahr schrumpft die Population der Schafe auf Mallorca, die zuletzt mit rund 190.000 Exemplaren beziffert wurde, um durchschnittlich 4.000. Die Studie von Mallorca Rural, für die mehr als 130 Vertreter der Branche befragt wurden, analysiert nicht nur den Ist-Stand, sondern entwirft vier Szenarien wie es weiter gehen könnte – wobei Szenario eins, ein „Weiter so wie bisher“, ausscheidet. Den anderen drei Szenarien ist gemein, dass die Wolle nicht exportiert, sondern auf Mallorca direkt vermarktet werden soll.

Erst einmal aufs Festland

Eine Möglichkeit ist, die Wolle auf dem Festland zu reinigen und zu verarbeiten, um das Resultat dann wieder auf der Insel zu vermarkten. Verarbeitete Wolle ist nicht nur in der Textilindustrie einsetzbar, sondern auch als Dämmmaterial, in Form von Keratinprodukten in Chemie, Medizin und Kosmetik, als Wollwachs bei Metallbearbeitungs-, Korrosionsschutz- oder Kühlschmiermitteln sowie Seifen. Nachteil: Der Transport zum Festland und zurück ist weder günstig noch nachhaltig.

Hinzu kommt: Der Einsatz als Dämmmaterial wirft noch Fragen auf. Zwar isoliert Wolle hervorragend gegen Wärme, Kälte und Lärm. Doch noch ist nicht ausreichend geklärt, wie verhindert wird, dass sich in Wänden und Dächern auf lange Sicht Motten einnisten. Die Frage wird derzeit in Studien geklärt: Eine Firma aus Porreres arbeitet mit einem Labor in Frankreich zusammen, das eine Lösung mithilfe von Ozon oder Nanopartikeln erprobt.

Eine große Waschanlage

Das Transportproblem ließe sich mit einer eigenen, ausreichend großen Waschanlage für Wolle auf Mallorca lösen. Auf diese Weise wäre eine echte Kreislaufwirtschaft möglich, und es würde die Basis für eine eigene Wollindustrie auf der Insel geschaffen. Der Haken: Damit eine solche Anlage rentabel ist, müsste auch ausreichend Material verarbeitet werden. Hinzu kommen ebenfalls ökologische Bedenken: neben dem enormen Wasserbedarf auch die Entsorgung von anfallenden Rückständen. Die Studie schlägt deswegen vor, die Wirtschaftlichkeit, aber auch neue und nachhaltigere Reinigungsmethoden zu prüfen.

Wolle ungereinigt lassen

Aber es gibt noch eine dritte Möglichkeit: die Rohwolle im ungereinigten Zustand verarbeiten, etwa zu Kompost oder Flüssigdünger, aber auch Pellets, Biogas oder Pflanzensubstraten. Zudem wird nicht ausgeschlossen, dass sich die Wolle künftig auch in ungereinigtem Zustand zu Dämmstoff verarbeiten lässt.

Optionen gibt es also viele, so Adrover, zumal der Transport zur Reinigung auf dem Festland auch eine Übergangslösung sein könnte. Nun gehe es aber erst mal darum, vom traditionellen Nebeneinander in der Branche zu einem Miteinander zu kommen und eine schlagkräftige Arbeitsgruppe aufzubauen.