Mallorca Zeitung

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Ian Livesey Leiter Tui Musement Mallorca

Der Tui-Verantwortliche auf Mallorca: „Für uns ist es eine gute Saison“

Ian Livesey über das „neue Normal“ im Tourismus, Rhodos und das Kreuzfahrt-Limit

Ian Livesey zählt mehr deutsche Urlauber als vor der Pandemie. Enrique Calvo

Ian Livesey ist der Verantwortliche des Reiseveranstalters Tui auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln. Der 52-Jährige stammt aus der englischen Stadt Rochdale in der Nähe von Manchester.

Wie läuft die Saison? Ist es ein exzellenter Sommer auf den Balearen?

Für uns ist es eine gute Saison. So hat es auch unser CEO Sebastian Ebel gesagt. Als Gesamtkonzern ist unser Ziel, die Zahl der Urlauber von vor der Pandemie zu erreichen. Wichtig ist für uns, dass die beiden größten Märkte, Deutschland und Großbritannien, derzeit gut funktionieren. Andere, wie der polnische, befinden sich im Wachstum.

Laut dem spanischen Statistik-Institut lagen die Besucher aus Großbritannien und Deutschland im Juni gleichauf. Bleibt es auch im Hochsommer dabei?

Für uns ist der deutsche Markt weiterhin der größte, mit einem kleinen Vorsprung gegenüber dem britischen.

"Wir merken auch eine Zunahme bei der All-inclusive-Verpflegung und sehen, dass die Urlauber kürzer verreisen als früher."

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Ist der Nachholeffekt bei den Reisen noch immer zu spüren?

Es gibt eine neue Normalität bei den Reiseströmen. Dieses Jahr gibt es nicht so viele Last-minute-Buchungen. Wir sehen einen großen Prozentsatz von Urlaubern, die mit viel Vorlauf gebucht haben. Das ist verbunden mit Preisnachlässen für die Familien, was dazu führt, dass mehr von ihnen kommen. Wir merken auch eine Zunahme bei der All-inclusive-Verpflegung und sehen, dass die Urlauber kürzer verreisen als früher.

Spüren Sie im deutschen Markt, dass Deutschland in einer Rezession steckt?

Deutschland erlebt gerade, wie viele andere europäische Länder auch, eine wirtschaftlich schwierige Phase. Allerdings kommen die Urlauber aus Deutschland weiterhin auf die Insel. Und in unserem Fall ist die Zahl der Reisenden sogar höher als vor der Pandemie. Die deutschen Urlauber sind den Balearen sehr treu und wir hoffen, dass das noch viele Jahre so bleiben wird.

Wie erklären Sie sich, dass dieses Jahr sogar noch mehr Deutsche mit der Tui kommen?

Das hat mit den Auswirkungen der Pleite von Thomas Cook zu tun. Wir haben im deutschen Markt einen sehr großen Nutzen aus der Insolvenz gezogen, vor allem in dieser Saison, wo die Reisetätigkeit wieder auf ein Normalmaß gestiegen ist.

Wie verhalten sich der britische Markt und die anderen, aufstrebenden Märkte?

Es ist das erste Jahr nach der Pandemie, in dem die Briten wieder ohne Einschränkungen verreisen können. Diese waren sehr streng, aber jetzt nähern wir uns wieder den Zahlen von 2019 an. Und unter den aufstrebenden Märkten war vor allem der polnische auch während der Pandemie treu. Dieses Jahr sehen wir, dass er besonders stark zulegt. Im Juli standen die polnischen Reisenden an dritter Stelle.

"Rhodos ist in dieser Woche bereits zu 80 Prozent wieder aktiv und ab Mitte August werden es 100 Prozent sein. Auf den Balearen werden wir nicht von massiven Stornierungen profitieren."

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Die Gastronomen beklagen, dass die Einnahmen sinken. Geben die Urlauber tatsächlich weniger Geld aus?

Es ist durchaus möglich, dass die Wirte einen Rückgang der Einnahmen im Vergleich zu 2022 spüren, aber da muss man eben auch berücksichtigen, dass wir im vergangenen Jahr alle ausgehungert nach Reisen waren und wir Schlangen in den Restaurants, Bars und Strandkiosken gesehen haben. Deshalb könnte es sein, dass eine Rückkehr zur Normalität in diesem Jahr wie ein Rückgang wahrgenommen wird. Wir für unseren Teil sind zufrieden damit, was die Urlauber ausgeben, sowohl für Ausflüge als auch für andere Zusatzleistungen. Allerdings bieten wir in diesem Jahr auch mehr Halbtagsaktivitäten an, weil sie günstiger sind.

Die Waldbrände in anderen Mittelmeer-Destinationen haben zu Stornierungen geführt, beispielsweise auf Rhodos. Kommen deshalb mehr Urlauber auf die Balearen?

Was da in anderen Gegenden in Europa passiert, ist besorgniserregend. In erster Linie müssen wir die Sicherheit unserer Gäste garantieren und an die Einheimischen und ihre Geschäfte denken. Momentan gibt es an keiner Destination massive Stornierungen. Rhodos ist in dieser Woche bereits zu 80 Prozent wieder aktiv und ab Mitte August werden es 100 Prozent sein. Auf den Balearen werden wir nicht von massiven Stornierungen profitieren.

Was sagen Sie zur Linie der neuen Landesregierung mit der Abkehr vom Moratorium für neue Gästebetten und der Politik des Schrumpfens im Tourismusbereich?

Der Tourismus ist die wichtigste Industrie der Inseln. Wir werden immer jegliche logische Entscheidung für das Wachstum oder die Konsolidierung der Branche auf den Inseln unterstützen. Für Tui ist die Nachhaltigkeit ein sehr wichtiger Faktor in unserer Strategie. Ich bin mir sicher, dass auch die neue Regierung die Nachhaltigkeit bei ihren tourismuspolitischen und kulturellen Entscheidungen in den Mittelpunkt stellt.

Sollten die Beschränkungen bei den Kreuzfahrtschiffen beibehalten werden?

Die Reedereien haben ihre Programme an das Limit angepasst, und die Schiffe kommen nun nicht mehr alle gleichzeitig. Das ist im Endeffekt auch besser für die Kreuzfahrtgäste und die Unternehmen, die mit ihnen zusammenarbeiten, und auch für die Stadt. Wenn die Beschränkungen folgerichtig erarbeitet sind, halte ich sie für vernünftig.

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